Specials: Gestreamt: Bong Joon-ho

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Specials

Ein Beitrag von Bianka-Isabell Scharmann

Der Südkoreaner schrieb dieses Jahr mit ‚Parasite’ Filmgeschichte. Es gibt jedoch noch einiges mehr von Bong Joon-ho zu entdecken — und wir zeigen euch, wo ihr die Filme sehen könnt. 

Ein Mädchen, zwei Teenager, ein Mann und eine junge Frau auf der Flucht
"Okja" / "Parasite" / "Snowpiercer"

„The most personal is the most creative“ — dieses Martin Scorsese-Zitat begleitet Bong Joon-ho, so der Regisseur während der diesjährigen Oscarpreisverleiheung, ihn seit seinem Studium nachhaltig geprägt. Seine Filmarbeit lässt sich auch sehr gut im Kern genau mit diesem Mantra definieren: Bong Joon-hos Filme sind sozialpolitisch, kritisch, geprägt von schwarzem Humor, geprägt durch einen Genre-Mix und plötzliche Wechsel im Ton. Es sind Themen, die ihm persönlich wichtig sind, Filme, die seinen Humor widerspiegeln, seine Filmvorlieben. Und genau dieser Mix macht sie so wiedererkennbar, verleiht ihnen eine besondere, kreative Signatur.

Geboren und aufgewachsen in Südkorea, entwickelte Bong Joon-ho schon früh eine Liebe zum Film: Mit 14 Jahren wusste er, dass er Filme machen will. Die Nähe zur Kunst, insbesondere zur Graphik und zum Industriedesign, kam von Haus aus: Sein Vater war Professor für Design und Vorsitzender des Fachbereichs für Kunst am Nationalen Film Institut. Doch bevor Bong Joon-ho Film studieren sollte, absolvierte er erst ein Soziologiestudium — während dessen er sich politisch engagierte. Und er gründete einen Filmclub, in dem er sich an ersten Kurzfilmarbeiten versuchte. Nach dem obligatorischen Militärdienst schrieb er sich an der Koreanischen Akademie für Filmkunst in ein zweijähriges Programm ein. Seine Abschlussarbeit, der Film Incoherence and Memories in My Frame, wurde auf zwei internationalen Filmfestivals gezeigt. 

Nach seinem Studium arbeitete er erst an verschiedenen Projekten als Drehbuchautor, bevor er mit Hunde, die bellen, beißen nicht (2000), eine sozialkritische Komödie über einen Professor, der sich von Hunden aus der Nachbarschaft gestört fühlt, seinen ersten Langspielfilm in die Kinos brachte. Mit diesem Debüt machte er in seinem Heimatland auf sich aufmerksam. 

(Die Liste bildet nicht die vollständige Filmografie ab, sondern versammelt nur die Filme, die im Stream verfügbar sind.)

 

Bong Joon-hos Filme im Stream: 

Memories of Murder 2003 

Mit seinem zweiten Langspielfilm gelang Bong Joon-ho dann der Durchbruch. Basierend auf wahren Begebenheiten werden hier die Ermittlungen zweier Polizisten aufgerollt, die einen Serienmörder jagen, der in den 1980er Jahren Frauen auf bestialische Art und Weise tötete. Erst in 2019 konnte der Fall endgültig geschlossen werden. Der Film stellt auch die erste Zusammenarbeit mit dem Schauspieler Song Kang-ho dar, den Bong Joon-ho in vielen seiner folgenden Produktionen besetzen werden würde. Auch das ist ein Merkmal der Arbeit des Regisseurs: Das wiederholte Engagement von Schauspieler*innen. So lässt sich nicht nur stilistisch und thematisch sein Werk erfassen, sondern auch über das Personal. 

In der Flat bei Sky Ticket und Sky Go, Maxdome sowie Joyn erhältlich. Darüber hinaus zur Leihe oder zum Kauf bei Rakuten TV, Chili, im Maxdome Store, über Prime Video, im Apple Store, im Google Play Store und bei YouTube.

 

The Host 2006 

Auch in The Host geht es im Kern um eine wahre Begebenheit: Die Entsorgung von Chemikalien durch das Militär in einem Fluss. Die Idee, dass ein Seemonster eine ganze Stadt in Angst und Schrecken versetzt, hatte Bong Joon-ho schon während seiner Schulzeit. Der Fokus des Films liegt jedoch weniger auf der Zerstörung, als auf den Auswirkungen, die das Auftauchen des Monsters auf eine Familie hat. Und der Twist, dass das Militär für das Monster verantwortlich ist, sorgt dafür, dass auch hier Kritik geübt wird. 

The Host etablierte Bong vollends in der internationalen Filmlandschaft. Und galt nach erscheinen als erfolgreichster süd-koreanischer Film aller Zeiten. 

Der Film ist in der Flat von Sky Ticket enthalten. Darüber hinaus bei Videobuster, Prime Video, im Google Play Store, bei YouTube, RakutenTV  und Chili zu leihen oder kaufen und bei Pantaflix und im Maxdome Store nur als Leihgabe verfügbar. 

 

Mother 2009

Nachdem seine vorangegangen Filme schon auf verschiedenen Festivals liefen und prämiert wurden, ist es dann auch nicht verwunderlich, dass Mother in der „Un Certain Regard“-Sektion des Cannes Film Festival Premiere feierte. Der Film erzählt die Geschichte von einer überfürsorglichen Mutter und ihrem Sohn, der für einen Mord verurteilt werden soll, den er nicht begangen hat. Allein begibt sie sich auf die Suche nach der Wahrheit. 

Der Film ist eine Auseinandersetzung mit einem südkoreanischen Stereotyp: Dass ‚Mama‘ eben die beste ist und viele ihre Söhne überbehüten. Mit Mother setzte Bong Joon-ho seine kritische Auseinandersetzung mit Familienstrukturen fort. 

In der Flat bei Sky Ticket, über Sky Go, Maxdome (auch als Leihgabe) und Joyn erhältlich. Darüber hinaus zur Leihe und zum Kauf bei Video Buster, Prime Video, im Google Play Store, bei YouTube, Chili und über Apple TV. 

 

Snowpiercer 2013

Snowpiercer stellt eine kleine Neuausrichtung in der Arbeit von Bong Joon-ho dar, ist er doch der erste Featurefilm, der nicht auf Koreanisch, sondern in englischer Sprache gedreht wurde. Die internationale Produktion versammelt einen Herausragenden Cast: Tilda Swinton, Chris Evans, John Hurt, Ed Harris, Octavia Spencer und Jamie Bell, sowie die aus anderen Filmen Bong Joon-hos bekannten koreanischen Schauspieler*innen Song Kang-ho und Ko Asung. 

Basierend auf einer Graphic Novel, zeichnet der Science-Fiction-Film Snowpiercer eine dystopische Zukunft: Die Welt ist unter einer alles Leben abtötenden Eisdecke begraben, nur in einem Zug, angetrieben von einer unendlich laufenden Maschine, hat die Menschheit überlebt. Das Vertikale des Zugs und der Gesellschaft — die dritte Klasse hinten und damit unten, vorne der geniale Erfinder - spiegelt dann auch die Dramaturgie des Films wieder: Von hinten wird sich bis an die Spitze durchgekämpft. Und am Ende kommt es doch anders als man denkt. 

Vor kurzem ist Snowpiercer in Serie gegangen: An der Umarbeitung für Netflix war Bong Joon-ho auch beteiligt, er arbeitete an den Drehbüchern.  

Der Film ist bei allen gängigen VoD-Plattformen erhältlich — entweder in der Flat, als Leihgabe oder zum Kauf. 

 

Okja 2017

Wieder Tilda Swinton. Und Jake Gyllenhaal sagte in einem Interview, dass er unbedingt mit dem südkoreanischen Regisseur habe zusammenarbeiten wollen — nach Snowpiercer kein Wunder. So kam es dann auch in der Netflix-Produktion Okja, die bereits 2015 angekündigt wurde. 

Okja beginnt mit einer Ankündigung von July Mirando (Tilda Swinton): es wurde eine neue Rasse Superschweine gezüchtet und die 24 Nachkommen auf der Welt verteilt. Bio-Bauern zur Aufzucht anvertraut, stellen die riesigen Dickhäuter die Hoffnung der Fleischindustrie dar. Davon weiß Mija, die zusammen mit einem Superschwein genannt Okja aufwächst, nichts. Und was sie auch nicht ahnt: Ein vor 10 Jahren ausgerufener Wettbewerb um das beste Superschwein wurde von ihrer Okja gewonnen. Nun schickt Mirando Coporation Dr. Johnny Wilcox (Jake Gyllenhaal) nach Korea , um die Gewinnerin einzusammeln. 

Der Film erinnert erst an familienfreundliche creature features bevor er sukzessive den Tonfall härter werden lässt. Denn letztendlich geht es um zentrale Fragen unserer Ernährung und die Zukunft derselben. 

An Okja entzündete sich dann jedoch keine Debatte um unser Konsumverhalten, sondern aufgrund des Vertriebswegs: Der Film lief zwar in Cannes, als Netflix-Produktion war dies jedoch nicht gern gesehen. Auch erhielt der Film keine kommerzielle Kinoauswertung, bis auf in vereinzelten Spielsälen der USA. Die Fragen nach der Finanzierung von Filmen, nach ihrer Zuschauerschaft und ihren Vertriebswegen stellen sich weiterhin — und könnten im Angesicht der Corona-Pandemie noch verschärft worden sein. 

Der Film ist nur in der Flat bei Netflix zu sehen. 

 

Parasite 2019 

Bong Joon-ho hat mit Parasite dieses Jahr Filmgeschichte geschrieben: In der neu benannten Kategorie Bester Internationaler Film (vorher Bester Fremdsprachiger Film) wurde zum ersten Mal ein süd-koreanischer Film nominiert — der auch gleich zum ersten Mal gewann. Insgesamt vier Academy Awards erhielt Parasite, neben dem für den Besten Internationalen Film auch die für das Beste Drehbuch, die Beste Regie — und den für den Besten Film. Das gab es noch nie. Dass ein nicht-englischsprachiger Film in dieser Kategorie gewann. 

Parasite vereint dann auch vieles aus dem Repertoire Bong Joon-hos: Im Vergleich zu Snowpiercer ist dieser zwar nicht vertikal, sondern horizontal organisiert, hat mit diesem aber die Sozialkritik an Gesellschaftsstrukturen gemein. Der Fokus auf Familiendynamiken, die Symbolkraft einzelner Objekte und Gesten, der Mix aus verschiedenen Genres, der schnelle Wechsel im Ton, die herausragende Montage — all das macht Parasite zu einem Meisterwerk. Bei dem einem oft genug das gerade angesetzte Lachen im Halse stecken bleibt. 

Der Film ist in der Flat über Amazon Prime enthalten oder aber als VoD zu leihen oder kaufen bei fast allen gängigen Streaming-Plattformen.

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