The Suicide Squad (2021)

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Weil David Ayers Comic-Blockbuster „Suicide Squad“ aus dem Jahr 2016 ein kreativer Reinfall war, durfte sich „Guardians of the Galaxy“-Regisseur James Gunn noch einmal an den irren Antiheld*innen des DC-Universums versuchen. Seine Version ist großer Nonsens, hält aber die meiste Zeit gut bei Laune.

The Suicide Squad (2021)

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Wahnsinn mit Ansage

Bereits 2016 erlebte die mit „Man of Steel“ und „Batman v Superman: Dawn of Justice“ nur mäßig überzeugend aus den Startlöchern gekommene DC-Leinwandreihe einen ersten kreativen Tiefpunkt. David Ayers Antiheld*innen-Auflauf „Suicide Squad“, den viele Fans gespannt erwartet hatten, entpuppte sich trotz prägnanter Einführung der durchgedrehten Ex-Psychiaterin Harley Quinn (Margot Robbie) als krampfhaft um Irrsinn bemühtes, schnell abstumpfendes Actiongewitter samt lächerlicher Antagonistin. Auch wenn der Film an den Kinokassen satte Gewinne abwarf, schienen selbst die Studioverantwortlichen mit ihrem Produkt nicht recht zufrieden zu sein. Als der Regisseur und Drehbuchautor James Gunn wegen anstößiger Tweets, die er einige Jahre zuvor in die Welt hinausposaunt hatte, vorübergehend von seinen Aufgaben im Marvel-Kosmos, konkret dem Dreh des dritten „Guardians of the Galaxy“-Kapitels, entbunden wurde, waren die DC-Macher sofort bereit, ihn mit einer Revision des Antiheld*innen-Stoffes zu betrauen.

The Suicide Squad sei kein Sequel, aber auch kein waschechtes Reboot, heißt es, sondern ein Werk, das spürbar den Stempel Gunns trage, einige Figuren des vorherigen Beitrags wieder auftreten lasse, sich allerdings nicht mit Verbindungen und Andeutungen zu vorherigen Entwicklungen aufhalte. Was die Titel betrifft, unterscheiden sich die beiden Filme nur geringfügig. Der neue Streifen spielt jedoch in einer anderen Liga als Ayers ermüdender Möchtegernkracher. Zwingend gebraucht hat es diese Auffrischung vielleicht nicht. Am Ende von kurzweiligen, mit skurrilen Einlagen vollgepackten, 130 Minuten hat man aber nicht das Gefühl, wertvoller Lebenszeit beraubt worden zu sein.

Gunn, der seine Kinokarriere mit der derben Splatter-Komödie Slither – Voll auf den Schleim gegangen ins Rollen brachte und für The Suicide Squad, wie so oft, selbst das Drehbuch beisteuerte, serviert dem Publikum einen knackigen Einstieg, der die Zuschauer*innen mit einem herrlichen Täuschungsmanöver überrumpelt, auf das an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden soll. Verraten darf man freilich, dass die aus dem Ayer-Film bekannte Regierungsbeamtin Amanda Waller (gewohnt taff und unnachgiebig: Viola Davis) mit teils rüden Druckmitteln aus Insassen des berüchtigten US-Gefängnisses Belle Reve eine dubiose Spezialeinheit namens Task Force X zusammenstellt, die den vor der südamerikanischen Küste liegenden Inselstaat Corto Maltese nach dem dortigen Militärputsch infiltrieren und alle Spuren eines gefährlichen Forschungsprojektes vernichten soll. Die bunt zusammengewürfelte Verbrecher*innen-Truppe unter der Führung des Söldners Bloodsport (Idris Elba) geht allerdings keineswegs immer klug und strategisch vor.

Der Plot liest sich wie die Handlung eines stumpfen Actionreißers aus den 1980er Jahren, als während der Präsidentschaft des Ex-Schauspielers Ronald Reagan die Welt im Kino noch klar in Gut und Böse eingeteilt wurde. James Gunn jongliert mit vertrauten Versatzstücken, lässt es sich aber nicht nehmen, diese auch zu unterlaufen. Das in der besagten Ära abgefeierte Gebaren der USA als Weltpolizei zieht The Suicide Squad vor allem in der zweiten größeren Blutbadsequenz durch den Kakao. Besonders Bloodsport und Peacemaker (erfrischend selbstironisch: John Cena), die sich permanent in Schwanzvergleichen ergehen, metzeln hier drauf los, ohne zu wissen, wen genau sie vor sich haben. Eine spielerisch-überdrehte Attitüde bringt freilich auch Rückkehrerin Harley Quinn in das Geschehen ein. Wenngleich die Wendungen, die Gunns Skript für ihre Figur vorgesehen hat, nach ihrem knalligen Soloabenteuer Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn nicht für große Verblüffung sorgen dürften, ist es schön, dass der Film ihr schillerndes Charisma einzufangen weiß. Robbie, deren Darbietung erneut vor Energie sprüht, könnte man inzwischen wahrscheinlich mitten in der Nacht wecken und würde unter Garantie eine mitreißende Harley-Quinn-Performance geboten bekommen.

Die anfangs enorm hohe Schlagzahl an unkonventionellen, witzigen Einfällen, zu denen auch eine sich kurios entwickelnde Gefängnisbegegnung zwischen Bloodsport und seiner Tochter Tyla (Storm Reid) gehört, kann The Suicide Squad nicht über die gesamte Laufzeit aufrechterhalten. Zwischendurch knirscht es ein wenig im Getriebe. Manche Pointen zünden nur halb. Und irgendwie drängt sich der Eindruck auf, dass der ständig hungrige King Shark ein billiger Abklatsch des Baumwesens Groot ist, dem Gunn in Guardians of the Galaxy eine Seele geben konnte, obwohl das Geschöpf bloß den Satz „Ich bin Groot“ in unterschiedlichen Variationen zum Besten gab. Der humanoide, ständig hungrige Hai soll, zumal im Original gesprochen von Actionlegende Sylvester Stallone, ein heimlicher Szenendieb sein, wirkt aber unter dem Strich wie austauschbares Beiwerk – was man von Ratcatcher 2 (Daniela Melchior) und Polka-Dot Man (David Dastmalchian), zwei anderen neu eingeführten Charakteren, nicht unbedingt behaupten kann. Beide erhalten jedenfalls mehr Gelegenheiten, sich aktiv einzubringen.

Bedauern kann man zweifellos, dass der Film im Hinblick auf die aus Corto Maltese stammende Rebellenführerin Sol (Alice Braga) in alte 1980er-Jahre-Muster verfällt und ihr keinen nennenswerten Handlungsraum gewährt. Als kleiner Wermutstropfen erweist sich außerdem der Schwenk zum klassischen Held*innen-Pathos gegen Ende, der die Ecken und Kanten der Protagonist*innen etwas abschleift. Gleichwohl ist es eine beachtliche Leistung, dass der Regisseur seine Vorliebe für deftige Ekeleffekte in einen großen Studiofilm überführt. Wer die im Vergleich fast schon klinisch sauberen Kampfeinsätze der Marvel-Retter*innen gewohnt ist, könnte hier sein blaues – besser gesagt: rotes – Wunder erleben.

Dass in The Suicide Squad nicht alles funktioniert, kann man Gunn verzeihen. Immerhin traut er sich, gewohnte Bahnen zu verlassen, hemmungslos zwischen unterschiedlichen Genres herumzuspringen, Wahnsinn zum höchsten Prinzip zu erheben und die Absurdität seiner Story, auch mit ironisch eingesetzten Musikstücken, regelrecht zu zelebrieren. Das alles, man denke nur an die im Finale losstampfende Riesenkreatur, kann man völlig zu Recht unsinnig finden. Öde wird es aber zu keinem Zeitpunkt. Nicht zuletzt, weil es einige furiose visuelle Leckerli gibt. Etwa dann, wenn wir das Eindringen einer Bodenfliese in ein menschliches Herz aus dem Körperinneren sehen. Kreative Freiheit fördert oft die ungewöhnlichsten Bilder und Ideen zu Tage!

The Suicide Squad (2021)

Der Film basiert auf dem Antiheldenteam Suicide Squad vom Comicverlag DC Comics und ist der elfte Film des DC Extended Universe. Nach „Suicide Squad“ ist „The Suicide Squad“ die zweite Realverfilmung über das Team.

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Meinungen
Jan · 01.04.2021

Für mich sah es sehr billig gemacht aus, obwohl viel Geld reingesteckt wurde. Man versucht mit allen Mitteln Charaktere reinzupressen und witzig fand ich es auch nicht. Aber Humor ist ja bekanntlich Geschmackssache. Werde ihn mir nicht anschauen.

Daniela Dippold · 26.03.2021

Ich bin ein großer Harley Quinn Fan und deswegen werde ich mir den Film wahrscheinlich einmal ansehen. Aber ich muss ehrlich sagen das mir nach dem Trailer die Lust fast komplett darauf vergangen ist. Es werden wieder mit allen Mitteln viele Charaktere in den Film gestopft, so dass kaum Zeit für die Charaktere einzeln sein wird. Wie gesagt schaue ich mir den Film dann nur wegen Harley Quinn an. Sie ist die einzige Comicfigur die mich interessiert. Aber wegen der vielen Charaktere wird sie leider untergehen. Ich bin jetzt schon überzeugt das der Film verhunst ist.

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