The Batman (2022)

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Ein neuer Batman gibt sich die Ehre: Im Fledermauskostüm steckt dieses Mal Robert Pattinson, der dem Dunklen Ritter eine kaputte, getriebene Aura verleiht. Als grimmiger Mix aus Serienkiller-Thriller, Gangsterstreifen und Actionfilm entwickelt „The Batman“ durchaus Anziehungskraft.

The Batman (2022)

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Tödliche Rätselspiele

Ursprünglich sollte Ben Affleck einen „The Batman“ betitelten Soloauftritt des Rächers im Fledermausanzug schreiben, inszenieren und darin nach „Batman v. Superman: Dawn of Justice“, „Suicide Squad“ und „Justice League“ zum vierten Mal in die Rolle des Dunklen Ritters von Gotham City schlüpfen. Private Probleme und fehlender kreativer Eifer ließen den Hollywood-Star allerdings von dem Projekt zurücktreten. Das Zepter übernahm schließlich Matt Reeves, der mit „Planet der Affen: Revolution“ und „Planet der Affen: Survival“ bewiesen hatte, dass er bildgewaltiges Blockbuster-Kino mit erzählerischen Ansprüchen verbinden kann. Mit ihm am Steuer wurde der Batman-Film völlig neu konzipiert, sodass es nun keine Bezüge mehr zur DC-Leinwandreihe gibt, in der Affleck den Gerechtigkeitskämpfer verkörpert. Den Zuschlag für den Part des Gotham-Vigilanten erhielt Robert Pattinson. Eine spannende Wahl, ist es dem Briten doch längst gelungen, der Schublade des oberflächlichen Schönlings zu entkommen, in die er in jungen Jahren durch die „Twilight„-Saga hineingeraten war. Filme wie „Maps to the Stars“, „Good Time“ oder „Der Leuchtturm“ legen Zeugnis ab von einer aufregenden Intensität und Vielseitigkeit.

Erinnerungen an Pattinsons Karrieredurchbruch als bleicher Vampir Edward Cullen werden dennoch wach, sobald er in The Batman erstmals die Szenerie betritt. Eine auffallende Blässe kennzeichnet auch hier sein Gesicht, das müde und eingefallen wirkt, als er nach einer seiner üblichen Ich-mache-Jagd-auf-Verbrecher-Nächte im Morgengrauen nach Hause kommt. Sein einem lichtscheuen Blutsauger ähnelnder Batman ist ein Getriebener, geprägt vom Trauma der Ermordung seiner Eltern. Wild entschlossen, die immer stärker um sich greifende Verrohung einzudämmen. Gleichzeitig aber auch zermürbt von seinen Streifzügen und Einsätzen, die einfach keine Besserung bringen wollen. Die kriminellen Kräfte sollen Angst haben. Schon dann, wenn bloß sein ikonisches Fledermauszeichen in den Himmel Gothams projiziert wird. Furcht allein ist offenbar aber nicht genug. Warum sonst versinkt die Metropole mehr und mehr in Gewalt und Schmutz? 

Die Entscheidung, Pattinson zu casten, darf als geglückt verbucht werden. Denn von Anfang an schafft er es, dem Titelhelden etwas Gebrochenes, Melancholisches, Grüblerisches zu verleihen. Die vor allem zum Einstieg eingestreuten Voice-over-Kommentare des Protagonisten, Tagebucheintragungen, wie wir rasch erfahren, unterstreichen seine Entschlossenheit und seine Zweifel. Seine Hilfe benötigt der mit ihm vertrauensvoll zusammenarbeitende Lieutenant James Gordon (Jeffrey Wright) in einem besonders delikaten Fall. Kurz vor der Wahl für den Bürgermeisterposten von Gotham City wird Amtsinhaber Don Mitchell Jr. (Rupert Penry-Jones) in seiner Residenz brutal ermordet. Das Werk eines maskierten Killers (Paul Dano), durch dessen Brille wir in den nervenaufreibenden Auftaktminuten auf das arglose Opfer schauen. Der Mann, der sich wegen seiner Rätselleidenschaft selbst Riddler nennt, platziert am Tatort eine Denkaufgabe, die sich konkret an Batman richtet. Ziel des Wahnsinnigen ist es, so verrät er in Internetvideos, die Korruption und die Verdorbenheit der städtischen Führungselite zu enthüllen. 

Der herausgeforderte Batman will den irren Mörder aufspüren und folgt dabei einer Spur in einen berüchtigten Nachtclub. Wie es scheint, hängen der aufstrebende Gangster Oswald Cobblepot alias „Der Pinguin“ (Colin Farrell) und der Unterweltlenker Carmine Falcone (John Turturro) irgendwie in der Sache drin. Auch die Kellnerin Selina Kyle (Zoë Kravitz), die nach Dienstschluss als Diebin im Katzenkostüm auftritt, könnte behilflich sein, weshalb der Dunkle Ritter sie zu einer Zusammenarbeit bewegen will. 

Wie schon Todd Phillips, der mit der Schurkenvorgeschichte Joker 2019 einen Hit landete, entfernen sich Matt Reeves und Koautor Peter Craig (The Unforgivable) in The Batman von den Vorstellungen, die man gemeinhin mit einer Comicadaption samt Superheld verbindet. Auf hochtourige Action-Passagen muss das Publikum zwar nicht verzichten. Vielmehr gibt es echte Leckerbissen wie eine krachende Autoverfolgungsjagd. Diese werden aber wohldosiert in die Handlung eingeflochten und kombiniert mit Thriller-, Horror- und Gangsterelementen, deren Einflüsse manchmal schwer zu übersehen sind. Der sich nur langsam offenbarende Masterplan des Bösewichts und der ständige Regen lassen an David Finchers prägenden Serienmörderfilm Sieben denken. Die Lust des Täters, die Ermittler mit Rätseln zu foppen, verweist auf den ebenfalls von Fincher verantworteten Tatsachenkrimi Zodiac – Die Spur des Killers. Und angesichts der Vorliebe des Riddlers für sadistische Fallen kommt einem unweigerlich der Schocker Saw in den Sinn. The Batman tut es Joker gleich, setzt auf Erdung und eine düstere Grundstimmung, die aus jedem Bild und aus der unheilvoll pulsierenden Musikuntermalung tropft. 

Ihre Hauptfigur heben Reeves und Craig nicht in den Himmel, sondern bemühen sich um Brüche, Irritationen, Widersprüche und hinterfragen den Einsatz seiner Mittel. Kein Zufall ist es, dass der Film mehrfach Parallelen zwischen Batman und seinem verrückten Gegenspieler aufzeigt. Beide treten maskiert in Erscheinung, lehnen sich mit Gewalt gegen Unrecht auf und sind heimliche Beobachter, deren subjektive Perspektive die Zuschauer*innen an ausgewählten Stellen einnehmen. Einen gelungenen Dreh bekommt ihre „Beziehung“ im Finale, wenn sie in einer Gänsehautszene aufeinandertreffen und Riddlers Plan konkret wird.

Vielversprechend, aber inkonsequent wirkt hingegen der Versuch, Batman alias Bruce Wayne mit einer schockierenden persönlichen Offenbarung zu konfrontieren. Sieht es zunächst so aus, als würde der Protagonist komplett aus der Bahn fliegen, relativiert der Film das Gesagte kurz darauf und nutzt dafür eine platte, wenig überzeugende Erklärung. Inhaltlich angreifbar macht sich The Batman auch in anderen Momenten. So erstaunt es schon, wie schnell der Titelheld mitunter die vom Riddler gestellten Rätsel löst, während Gordon wie ein dummer Junge daneben steht. Für gemischte Gefühle sorgt nicht zuletzt Selina Kyle alias Catwoman. Eine undurchschaubare Figur, die großes Potenzial besitzt, der das Drehbuch allerdings nicht immer ausreichend Platz gewährt. Manchmal taucht sie urplötzlich ab, um dann ebenso unvermittelt wieder ins Rampenlicht zu treten. Überflüssig sind auf jeden Fall die romantischen Schwingungen zwischen ihr und Batman.

Dass Selina/Catwoman trotzdem Eindruck hinterlässt, liegt an der Präsenz von Zoë Kravitz. Tatsächlich gelingt es der Tochter von Starmusiker Lenny Kravitz, mehr aus der Rolle herauszuholen, als ihr das Skript in die Hand gibt. Für einiges Aufsehen sorgen auch drei Kollegen. Colin Farrell, der hinter dickem Make-up verschwindet, ist herrlich schmierig und verschlagen als auf Machtausweitung spekulierender Pinguin. John Turturro gibt dem sich unangreifbar fühlenden Gangsterboss Carmine Falcone eine süffisante, latent bedrohliche Ausstrahlung. Und Paul Dano spielt den von Klischees nicht freien Oberschurken mit einer fiebrigen Energie, die schlagartig ins Verstörende kippen kann.

Nicht nur atmosphärisch ähnelt The Batman der eher unkonventionellen Comicadaption Joker. Auch thematisch gibt es deutliche Überschneidungen. Neben der Gier und dem Machtmissbrauch einflussreicher weißer Männer geht es bei Reeves nämlich ebenfalls um die Wut der Unterdrückten, Vergessenen und Entrechteten, die sich auf die denkbar destruktivste Art entlädt. Während der etwas zu ausufernden Laufzeit von knapp drei Stunden streift der Film einige interessante Aspekte, wirft spannende Gedanken auf und entfaltet trotz erzählerischer Stolpersteine eine Sogwirkung. Gerne darf Pattinson daher für die angeteaserte Fortsetzung erneut in das Kostüm des Dunklen Ritters schlüpfen.

The Batman (2022)

Seit zwei Jahren schon durchstreift Bruce Wayne als Batman (Robert Pattinson) die dunklen Straßen von Gotham City und versetzt die Kriminellen der Stadt in Angst und Schrecken. Mit Alfred Pennyworth (Andy Serkis) und Lieutenant James Gordon (Jeffrey Wright) als einzigem Vertrauten inmitten eines korrupten Netzwerks von Beamten und hochrangigen Persönlichkeiten hat sich der einsame Rächer unter seinen Mitbürgern als alleinige Instanz der Vergeltung etabliert. Als ein Killer die Elite Gothams mit einer Reihe sadistischer Anschläge ins Visier nimmt, führt eine Spur kryptischer Hinweise den besten Detektiv der Welt tief in den Untergrund, wo er auf Figuren wie Selina Kyle alias Catwoman (Zoë Kravitz), Oswald Cobblepot alias Pinguin (Colin Farrell), Carmine Falcone (John Turturro) und Edward Nashton alias Riddler (Paul Dano) trifft. Während seine Ermittlungen ihn immer näher ans Ziel führen und das Ausmaß der Pläne des Täters deutlich wird, muss Batman neue Beziehungen knüpfen, um den Schuldigen zu entlarven und dem Machtmissbrauch und der Korruption, die Gotham City schon lange plagen, ein Ende zu bereiten. 

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Meinungen
Zeliha · 25.03.2022

Ich fand den Film eher abschreckend wegen Riddler und seine Opfer, die brutal ermordet wurden. Das einzig schöne an dem Film war Robert Pattinson und die Musik in dem Film.

Kommentare