Wonder Woman 1984 (2020)

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Diana Prince alias Wonder Woman muss sich in ihrem zweiten Soloabenteuer zwischen der Liebe und der Rettung der Welt entscheiden. Knüpft der Film mit dieser Marschroute erfolgreich an den frische Impulse setzenden ersten DC-Streifen über die Prinzessin der Amazonen an?

Wonder Woman 1984 (2020)

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Nicht wunschlos glücklich

Bereits im Februar 2020 lief in den Kinos mit dem zusammengeschustert wirkenden, aber schmissig inszenierten Superheldinnenauflauf „Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn“ der letzte Film der bislang nur selten von künstlerischen Erfolgen geprägten DC-Leinwandreihe an. Einige Monate später sollte „Wonder Woman 1984“, die Fortsetzung zu „Wonder Woman“, dem ersten Soloabenteuer der Amazonenprinzessin Diana Prince, erscheinen. Durch das Wüten der Corona-Pandemie verzögerte sich der Start jedoch bis Ende 2020. Während der Blockbuster in den USA nicht nur in den Lichtspielhäusern, sondern zeitgleich auch auf HBO Max, dem Streaming-Dienst von Warner Bros., veröffentlicht wurde, schaute man hierzulande aufgrund der Kinoschließungen im zweiten Lockdown vorerst in die Röhre. Ein Deal mit dem Pay-TV-Sender Sky versetzt nun allerdings auch deutsche Zuschauer in die Lage, den Film in Augenschein zu nehmen – noch bevor die weiterhin geplante Auswertung auf den hiesigen Leinwänden erfolgt.

Mit gespannter Erwartung durfte man Wonder Woman 1984 schon deshalb entgegenblicken, weil der Vorgänger mit seiner grazilen und wagemutigen Protagonistin frischen Wind in das verkrustete Genre der Comic-Adaptionen gebracht hatte. Nicht weniger als eine Wohltat war es, endlich einmal eine Superheldin im Zentrum ihrer eigenen Geschichte stehen und die Handlung dominieren zu sehen. Regisseurin Patty Jenkins (Monster) und Hauptdarstellerin Gal Gadot gelang ein kurzweiliger, einige DC-Männer locker in den Schatten stellender Trip in die Zeit des Ersten Weltkriegs, dessen düstere Optik sich von der hellen, bunten 1980er-Jahre-Welt unterscheidet, die das Sequel betritt.

Nach dem Verlust ihres Geliebten Steve Trevor (Chris Pine) und den Erfahrungen des ersten Films hat es sich Diana alias Wonder Woman auf die Fahne geschrieben, der Menschheit weiterhin zu helfen und die Erde zu einem besseren Ort zu machen. Auch im Jahr 1984 greift sie, bisher weitgehend unbemerkt, ein, wenn sich vor ihren Augen Ungerechtigkeiten oder gefährliche Missgeschicke ereignen. Schreitet sie nicht rettend zur Tat, arbeitet sie als Anthropologin im Smithsonian in Washington, D.C. und führt ein eher beschauliches Leben ohne soziale Kontakte. 

Eines Tages kriegt ihre neue Kollegin Barbara Minerva (Kristen Wiig) ein mysteriöses Artefakt, den sogenannten Traumstein, in die Hände, der offenbar innige Wünsche wahr werden lässt. Während Barbara das Verlangen äußert, so zu sein wie die von ihr bewunderte Diana, und auf einmal ein ganz andere Wirkung auf ihre Umgebung hat, staunt die Amazonenprinzessin nicht schlecht, als eine ihrer größten Sehnsüchte in Erfüllung geht: Der verstorbene Steve steht plötzlich im Körper eines anderen Mannes vor ihr. Auf die Wiedersehensfreude folgt allerdings der Kater. Denn inzwischen hat sich der ins Straucheln geratene Ölunternehmer und Fernsehprominente Maxwell Lord (Pedro Pascal) den magischen Stein gekrallt und löst im Bestreben, sein Geschäft wieder anzukurbeln, eine verhängnisvolle Kettenreaktion aus.

Wonder Woman 1984 beginnt mit einer knackig-abwechslungsreichen, von treibender Musik begleiteten Actionsequenz, die die kleine Diana (Lilly Aspell) auf ihrer Heimatinsel Themyscira bei einem sportlichen Wettbewerb mit älteren Amazonen zeigt und gleich eine der zentralen Botschaften des Films formuliert: Aufrichtigkeit ist ein hohes Gut. Anschließend tauchen wir in das Jahr 1984 ein und dürfen die nun erwachsene Protagonistin dabei beobachten, wie sie in einer nicht weniger launigen und dynamischen Aufräummission eine Diebesbande in einer Shopping-Mall aus dem Verkehr zieht. 

In seiner Verspieltheit macht der Auftakt Lust auf mehr. Jenkins und ihre Ko-Drehbuchautoren Dave Callaham (Zombieland: Doppelt hält besser) und Geoff Johns (The Flash) lassen es danach aber spürbar ruhiger angehen und widmen sich den Figuren und ihren Beziehungen. Stereotypische Zuschreibungen werden dabei keineswegs umschifft. Barbara tritt zum Beispiel auf geradezu aggressiv plakative Weise als unbeachtetes Mauerblümchen mit dicker Nerd-Brille in Erscheinung. Nach dem Aussprechen ihres Wunsches entwickelt sie sich dann zu einer selbstbewussten, übermenschlich starken Frau, die anders als Diana Gefallen an zerstörerischem Handeln findet. Ihr Wandel mag holzschnittartig sein, offenbart allerdings interessante Abgründe, mit denen sich die Regisseurin und ihre kreativen Mitstreiter leider nur oberflächlich befassen. An der Grenze zur Lächerlichkeit kratzt der Film im Falle Barbaras gegen Ende, wenn sie eine andere, böse Erinnerungen an das Debakel der Musical-Adaption Cats weckende Gestalt annimmt. Maxwell Lord, ein schmieriger Blender, dem der enthemmt chargierende Pedro Pascal stets eine karikaturenhafte Anmutung verleiht, erweist sich als recht klassischer megalomaner Gegenspieler und steht sinnbildlich für die kapitalistische Losung nach dem permanenten Mehr. 

Mit Blick auf die Titelheldin dreht Wonder Woman 1984 ein Prinzip des Vorgängers um. War es dort Diana, die das nur von Frauen bewohnte Refugium Themyscira verließ, in die ihr unbekannte Welt der Menschen eintauchte und sich dort über so manches, etwa die patriarchale Vormacht, wunderte, ist es nun der wiederbelebte Steve, der mit einer ihm völlig fremden Zeit konfrontiert wird und aus dem Staunen nicht mehr herauskommt. Technische Errungenschaften und die spezielle Mode der 1980er Jahre werden wiederholt für humoristische Akzente genutzt. 

Die Rückkehr von Dianas Herzblatt soll einen emotionalen Zwiespalt in die Geschichte einpflanzen. Immerhin steht die Amazonenprinzessin irgendwann vor der Frage, ob sie ihren Wunsch widerrufen muss, um die Welt vor dem aufziehenden Chaos befreien zu können. Die Zwickmühle leidet jedoch unter einigen Schmalzanfällen, die das Bild der selbstbestimmten Protagonistin schmälern. Ein Flug durch ein Feuerwerk hätte es ebenso wenig gebraucht wie sentimentale Dialoge nach dem Motto: „Du bist alles, was ich immer wollte!“ Erschwerend kommt hinzu, dass Chris Pine nicht genügend Charisma besitzt, um Dianas Brennen für Steve vollends glaubhaft zu machen.

Wonder Woman 1984 fängt packend an. Auch der Mittelteil bietet einige spektakuläre, wenngleich häufig auf Computereffekte zurückgreifende Actioneinlagen. Und Gal Gadot umweht nach wie vor eine faszinierende Aura. Im Gegensatz zum Vorgänger zerfasert der Film allerdings mit fortlaufender Dauer. Die von Lord angestoßene globale Eskalationsspirale bleibt vage, wirkt zunehmend beliebiger und mündet in ein wirres Finale, das die große Dramakeule schwingt, ohne wirklich unter die Haut zu gehen. Das Interesse an einem weiteren Diana-Prince-Abenteuer ist danach zwar nicht erloschen. Beim nächsten Mal sollten ihr aber ein besseres Drehbuch und weniger Rührseligkeit vergönnt sein.

Wonder Woman 1984 (2020)

Die Fortsetzung von „Wonder Woman“. Der Film spielt im Jahr 1984, während des Kalten Krieges zwischen den USA und der Sowjetunion. Diana Prince gerät dabei in diesen Konflikt.

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