Spider-Man: No Way Home (2021)

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Der Versuch, die Enttarnung seiner Identität rückgängig zu machen, beschert Peter Parker alias Spider-Man erst recht gewaltige Probleme. Im dritten Abenteuer des jugendlichen Superhelden öffnet sich das Marvel-Universum auf kreative Weise, auch wenn nicht alle Ideen überzeugen.

Spider-Man: No Way Home (2021)

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Verantwortung ist gefragt

Im Marvel-Universum geht es Schlag auf Schlag. Auf das Jahrtausende umspannende Superheld*innen-Epos „Eternals“ folgte ab Ende November 2021 auf der Streaming-Plattform Disney+ die Miniserie „Hawkeye“, die dem bislang nicht im Rampenlicht stehenden titelgebenden Bogenschützen mehr Entfaltungsraum gewährt. Sein bereits drittes Soloabenteuer auf der großen Leinwand bestreitet kurz vor Weihnachten der von Tom Holland gespielte Peter Parker alias Spider-Man, der am Ende des zweiten Teils nach dem Sieg über den verschlagenen Quentin Beck alias Mysterio (Jake Gyllenhaal) sein blaues Wunder erlebte. Die letzten Szenen von „Spider-Man: Far From Home“ überraschten mit der Enttarnung der geheimen Identität des Spinnenmannes und deuteten für das nächste Kapitel existenzbedrohende Entwicklungen an.

Erwartungsgemäß präsentiert sich Spider-Man: No Way Home nicht als rundum düsterer Dramastoff. Das kann man von einem derartigen Blockbuster wahrscheinlich nicht verlangen. Sehr wohl konfrontiert der 27. Beitrag im Marvel Cinematic Universe seinen Titelhelden allerdings mit Erlebnissen und Entscheidungen, die für seine weitere Geschichte einschneidend sein dürften. Die in Spider-Man: Homecoming begonnene Erzählung über das langsame Erwachsenwerden kommt nun jedenfalls an einen spannenden Punkt, der die Figur bei allem beschworenen Pathos mit einer neuen Tiefe ausstattet. 

Auch wenn man den Druck auf Peter nach der Preisgabe seines Geheimnisses durch Mysterio und die auf ihn abgewälzte Schuld für vergangene Katastrophen sicherlich noch stärker hätte forcieren können, vermittelt der schwungvolle Auftakt des dritten Films die verfahrene Situation, in der sich der Teenager mit Nebenberuf Superheld befindet. Befeuert von den Tiraden des Verschwörungsthesen anhängenden Publizisten J. Jonah Jameson (J. K. Simmons), der das unselige Fake-News-Phänomen verkörpert, schlagen Peter in der Öffentlichkeit immer wieder Anfeindungen entgegen. Längst nicht alle halten ihn für einen Kämpfer der gerechten Sache. Im Gegenteil: Immer mehr Menschen sehen in ihm einen Verbrecher, der Tod und Verwüstung zu verantworten und den angeblich heroischen Mysterio auf dem Gewissen hat.

Der Rummel um seine Person und die polizeilichen Ermittlungen setzen dem jungen Mann zu und sind nicht mehr zu ertragen, als seine große Liebe MJ (Zendaya) und sein bester Kumpel Ned (Jacob Batalon) wegen der Unruhe nicht an ihrem Wunschcollege angenommen werden. Von Schuldgefühlen geplagt wendet sich Peter an Doctor Strange (trotz überschaubarer Leinwandzeit in seinem Sarkasmus einprägsam: Benedict Cumberbatch), der ihm nach anfänglichem Zögern mit einem Zauber aushelfen will, durch den alle Welt die wahre Identität Spider-Mans wieder vergessen soll. Ein paar Extrawünsche während des magischen Prozederes lassen das gutgemeinte Vorhaben jedoch aus dem Ruder laufen. 

Wie es die Macher*innen erbitten, soll es das an dieser Stelle mit den konkreten Informationen gewesen sein. Denn Spider-Man: No Way Home öffnet ähnlich wie die preisgekrönte Animationssause Spider-Man: A New Universe das sogenannte Multiversum und lässt den Protagonisten auf mehrere Schurken treffen, die aus anderen Spider-Man-Dimensionen stammen. Wer alle bisherigen Filme über den Spinnenmann, nicht nur die drei MCU-Werke, kennt, wird von Regisseur Jon Watts und den Drehbuchautoren Chris McKenna und Erik Sommers reich beschenkt. Markante Gastauftritte, launige Scharmützel und allerhand Verweise machen den dritten Holland-Streifen zu einer kreativen Spielwiese, die fulminante Actionmomente, eindringliche, auf die Charakterentwicklung fokussierte Augenblicke und viele treffsichere Humoreinlagen zu bieten hat. Kinogänger*innen ohne umfassendes Vorwissen bleiben übrigens keineswegs auf der Strecke, selbst wenn sich ihnen natürlich nicht alle Andeutungen erschließen.

Die enorm hohe und starke Gag-Dichte hat allerdings auch einen Haken. Manchmal rauben die augenzwinkernden Anmerkungen den ernsten Szenen ein Stück ihrer Brisanz. Nicht immer ist es sinnvoll, in Windeseile von einer dramatischen Situation zu einem flotten Spruch zu wechseln. Watts und Co. hätten sich zudem noch etwas mehr Handlungsraum für MJ und Ned ausdenken können, die zwar wunderbar mit dem einmal mehr erfrischend unverkrampften Tom Holland harmonieren, stellenweise aber nur Stichworte für den Spinnenmann liefern. 

Schmerzhafte Überraschungen und die Fragen nach der Verantwortung eines Superhelden und einer zweiten Chance für finstere Gegenspieler stoßen einen vor allem im Finale interessanten, nicht die einfachste Lösung wählenden Reifungsprozess an. Nach einer knapp zweieinhalbstündigen Achterbahnfahrt, die einem kürzer erscheint und einige visuelle Highlights (Stichwort: Spiegeldimension) setzt, steht Peter Parker alias Spider-Man definitiv an einem Punkt, der berechtigte Hoffnungen auf einen packenden Fortgang seiner Marvel-Reise schürt.

Spider-Man: No Way Home (2021)

Zum ersten Mal in der Filmgeschichte von Spider-Man ist unser freundlicher Held aus der Nachbarschaft unmaskiert und es ist ihm nicht mehr möglich, sein normales Leben von seinen Einsätzen als Superheld zu trennen. Als er Doctor Strange um Hilfe bittet, wird die Lage nur noch gefährlicher und er muss erkennen, was es wirklich bedeutet, Spider-Man zu sein.

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Meinungen
Beatrix Schaub · 03.02.2022

Nach Infinity War de beste Marvel Film mit einem tollen Tom Holland.

Petro · 22.01.2022

Wann spielt den der Film wo 16 jährige noch so dumm sind wie 2022 3 jährige? FSK0 ist hier noch zu gefährlich für unsere Kinder, wegen ansteckender Verblödung. Parker hätte seine Kräfte erst 15 Jahre später bekommen sollen. So ist der Film nur langweilig da immer und immer wieder der verklemmte Charakter von Parker dem Zuschauer um die Ohren gehauen wird. Die Handlungen werden auch immer primitiver. Am besten lasst den Helden sterben bevor er gar keine Gewinne mehr einfährt. Ich war ein guter Fan von Spiderman aber dieser Film hat alles zerstört, das wird der letzte gewesen sein den ich mir anschaute...

Hans im Glück · 11.01.2022

Insgesamt ein sehr guter Marvelfilm. Zu allen anderen Superheldenfilmen gibt es natürlich keine großen Unterschiede. Sie alle sind nach dem Erfolgsrezept MCU geschrieben.
Besonders gefallen haben mir die Referenzen zu den alten Spiderman-Filmen. Diese sind gerade für Nostalgiker besonders hervorzuheben.
In einigen Szenen hätte aber gerne noch vieles herausgeschnitten werden können. Manch Szene war dann doch langatmig. 2 Stunden hätten für den Film absolut gereicht.

Michael Mende · 04.01.2022

Ein Super Film von Anfang bis Ende. Sehr Empfehlenswert.

Kommentare