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Auch einen Gott lässt die Liebe nicht los! Chris Hemsworth alias Thor läuft in seinem vierten Soloabenteuer seiner Ex über den Weg und kämpft mit ihr zusammen gegen einen galaktischen Killer. Wie schon im Vorgänger wird es schräger, bunter und diverser als in vielen anderen Marvel-Streifen.

Thor: Love and Thunder (2022)

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Unerfüllter Donnergott

Mit seiner ersten Marvel-Regiearbeit Thor: Tag der Entscheidung, die in ihrem Humorüberschuss an die Abenteuer der Guardians-of-the-Galaxy-Truppe erinnert, lenkte Taika Waititi im Jahr 2017 die oft für ihre fehlende Diversität kritisierte Superhelden*innen-Reihe in eine, zumindest etwas, buntere Richtung. Das dritte Soloabenteuer des von Chris Hemsworth kernig und erfrischend selbstironisch gespielten Donnergotts ist eine große Spaßveranstaltung, bei der die Geschichte zur Nebensache gerät. Punkten kann der um ein bisschen mehr Vielfalt bemühte Film mit kleinen schrägen Einfällen und allerhand selbstironischen Gags, die ihn zwar nicht zu bahnbrechender Kinounterhaltung machen, sehr wohl aber zu einem launigen Zeitvertreib. Das Marvel Cinematic Universe hat sicherlich schon einige schwächere Beiträge gesehen.

Seinem farbenfrohen, vor allem auf Komik abzielenden Ansatz bleibt Waititi auch in Thor: Love and Thunder, dem vierten Standalone-Kapitel des muskelbepackten Titelhelden, treu, verfolgt ihn sogar noch konsequenter. Thors Mitstreiterin Valkyrie (Tessa Thompson) wird dieses Mal offen als bisexuell charakterisiert. Die Bewohner*innen von New Asgard, dem Ort über den sie herrscht, sehen erfreulich unterschiedlich aus. Das von Ziegen angetriebene Fortbewegungsmittel der Hauptfiguren zieht eine Regenbogenspur hinter sich her. Die Kostümbildabteilung durfte sich nach allen Regeln der Kunst austoben. Und der selbstironische Witz ist noch eine Spur exzessiver als im schon knalligen Vorgänger. Die Grenze zur Albernheit wird zwar ein ums andere Mal überschritten. Und zweifellos laufen manche Scherze ins Leere. Über die Gesamtlaufzeit von nicht einmal zwei Stunden – eher wenig im oft ausufernden Marvel-Kosmos – bietet der Film jedoch ausreichend Kurzweil und Abwechslung.

Im Kern handelt Thor: Love and Thunder von der inneren Leere, die der Sohn Odins trotz all seiner Kräfte und seiner lässigen Sprüche verspürt. Sein Posergehabe, das der Regisseur und seine Drehbuchpartnerin Jennifer Kaytin Robinson (Unpregnant) wiederholt durch den Kakao ziehen, ist nur eine Art Schutzmechanismus gegen das Gefühl, ein irgendwie unerfülltes Leben zu führen. Die Suche nach einem Sinn, nach so etwas wie echter Verbundenheit ist alles andere als abgeschlossen, als er völlig unerwartet bei einem Einsatz in New Asgard seiner alten Liebe Jane Foster (Natalie Portman) begegnet. Sprachlos macht den Sprücheklopfer nicht zuletzt, wie ihm seine Ex-Freundin gegenübertritt: Im Kampfkostüm und die Kontrolle über seine alte Wunderwaffe, den Hammer Mjölnir, ausübend. Mighty Thor, so der Name dieser Comicheldin, ist geboren! Was der Odin-Spross allerdings zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnt: Die geniale Astrophysikerin ist an Krebs erkrankt und hofft durch die Superkräfte, ihren Zustand zu verbessern. Gemeinsam mit Valkyrie und dem Steinwesen Korg (Stimme und Bewegungen: Taika Waititi) müssen Thor und Foster einem galaktischen Killer namens Gorr (Christian Bale) das Handwerk legen, der sich durch die Reihen der Götter meuchelt und eine Kinderschar aus New Asgard in seine Gewalt gebracht hat. 

Auch wenn in Thor: Love and Thunder Humoreinlagen der Bedeutungsschwere anderer Superheld*innen-Abenteuer übergeordnet sind, ist der Blockbuster nicht frei von dramatischem Gewicht. Wenig verwunderlich flammt irgendwann die einstige Liebe zwischen Thor und Jane, die in einer pointiert-lustigen Montage zusammengefasst wird, neu auf. In diesem Punkt zeigt sich zugleich die Schwierigkeit, Komik und Ernst zu verbinden. Dann nämlich, wenn Foster ihrem früheren Partner von ihrer Krankheit berichtet. Einerseits sollen wir lachen, andererseits will uns die Szene aber emotional berühren. Das Ende vom Lied: Beides funktioniert nicht so richtig. Eine überraschende Ausdruckskraft entwickelt der Film dagegen im Finale, das dem von Christian Bale schaurig verkörperten Götterkiller, den ebenfalls Liebe antreibt, echtes Profil verleiht. Kritisch anmerken darf man jedoch, dass Thompsons Valkyrie ausgerechnet hier mit der Brechstange an den Rand gedrängt wird. Offenbar haben die kreativen Köpfe im Showdown keine vernünftige Rolle für sie finden können. Bei aller Freude darüber, dass ihre sexuelle Orientierung im vierten Thor-Kapitel nicht mehr verschleiert wird, muss man konstatieren: Um LGBTQ+-Figuren zu selbstverständlichen Bestandteilen des Marvel-Kinouniversums zu machen, müssen die Verantwortlichen rund um Reihenlenker Kevin Feige noch etwas Strecke zurücklegen. Eine gewisse Zurückhaltung ist nach wie vor zu spüren.

Gleichwohl gelingt Taika Waititi mit Thor: Love and Thunder ein unterhaltsamer, auch visuell recht kreativer Fantasy-Streifen, der beispielsweise ein gesamte Sequenz lang in Schwarz-Weiß-Bildern „erstrahlt“. Die Rolle, die der Donnergott am Ende übernimmt, lässt auf einen spannenden weiteren Weg hoffen. Zur Wahrheit gehört aber auch: Wer schon mit dem verspielten Treiben in Thor: Tag der Entscheidung nichts anzufangen wusste, wird dieses Mal erst recht kapitulieren. Nicht zuletzt angesichts eines lustvoll überziehenden Russell Crowe in der Rolle eines selbstverliebt-geckenhaften Zeus, dem der Titelheld bei einer Götterversammlung Paroli bietet.

Thor: Love and Thunder (2022)

Die Fortsetzung von Thor: Ragnarok und der vierte Film in der Thor-Saga.

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Meinungen

Richard · 26.07.2022

Ich glaube das war der erste Film in meinem Leben, den ich vorzeitig verlassen habe. Unzusammen hängende Handlung, kaum mehr nachvollziehbare Handlungssequenzen. Vereinfacht ausgedrückt: Schwachsinn hoch 3.