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Streaming-Tipp des Tages: The Innocents

Ein Beitrag von Mathis Raabe

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The Innocents - Trailer (OmeU)
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Dieser Film ist definitiv nichts für die ganze Familie: Der Norweger Eskil Vogt spielt mit den Erwartungen, die man an Figuren im Kindeshalter hat. Vogt ist vor allem als Drehbuchautor für Joachim Trier bekannt, hat unter anderem Der schlechteste Mensch der Welt geschrieben. The Innocents ist seine zweite Regiearbeit nach Blind.

Die kleine Ida und ihre ältere Schwester Anna sind neu in ihrer Wohnsiedlung und lernen die Nachbarskinder Ben und Aisha kennen. Sie entdecken, dass einige von ihnen telepathische und telekinetische Fähigkeiten haben. Das führt zum einen dazu, dass die autistische Anna ihre Fähigkeit zum Sprechen wieder erlernt. Auf der anderen Seite nutzt der leicht reizbare Ben seine Kräfte, um brutale Rache an seinen Mitmenschen zu nehmen.

Eigentlich sind das klassische X-Men-Motive, nur sind die Kinder in diesem Fall nicht aus ideologischen Gründen vom Rest der Gesellschaft segregiert, sondern allein aufgrund ihres Kindseins, bevor dann eine Partei entscheidet, ihre Fähigkeiten zu missbrauchen – und die Moral der Geschichte bleibt aus. Unseren Sehgewohnheiten gemäß, erwartet man bei einem Film über Kinder ständig, dass gleich zur Vernunft gekommen und eine Lehre gezogen wird. Stattdessen sind Eskil Vogts Figuren vollständig ausgebildete, düstere Charaktere, die radikale Entscheidungen zu treffen haben und sie auch treffen. Ben ist zwar das Kind mit der Lupe am Ameisenhaufen, wirkt dabei aber seltsam vertraut, insofern man sich noch an seine eigene Kindheit erinnern kann: Er wird nicht plump als Opfer seiner Umstände gezeichnet. Es ist das kindliche sich ausprobieren, das sich anders fühlen. Kinder dürfen auf die Welt wütend sein. Aus dieser Wut zieht Vogt authentische kindliche Konflikte, die durch die übernatürliche Zutat zu einer Geschichte um Leben und Tod werden.

The Innocents ist neu bei Amazon Prime im Abo zu sehen.

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