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Kolumnen

Ein Beitrag von Rochus Wolff

Ab und an stutze ich schon einmal, weil ich merke, dass ich doch bei Filmen, die meine Kinder zu sehen bekommen, so sehr viel wählerischer bin als bei denen, die ich mir selbst zum Vergnügen ansehe.

Bild aus "Toy Story 3"
Bild aus "Toy Story 3"

Dabei ist das nicht nur bei Filmen so — auch die Bücher, die ich ihnen vorlese, wähle ich mit Bedacht aus. Das ist natürlich nicht ungewöhnlich — wer seine Kinder nicht regelmäßig und ohne nachzudenken stundenweise vor dem Fernseher parkt, setzt sich vermutlich auch damit auseinander, was die Kinder lesen und anschauen sollen.

Aber die Frage darf erlaubt sein: Warum eigentlich? Denn ich bin da innerlich doch gespalten. In der eigenen Erinnerung sind ja oft genug jene Filmmomente besonders magisch, die nicht unbedingt von den Eltern geplant waren, sondern eher der heimlich ergatterte Film allein oder mit Freunden vorm Videorecorder. Aber noch will ich mir den Luxus nicht nehmen lassen, mir über die Freizeitgestaltung meiner Kinder Gedanken machen zu können.

Dahinter steckt natürlich ein pädagogischer Antrieb, aber wohin wollen wir eigentlich mit Kinderfilmen? Fixe Antworten habe ich darauf nicht, aber drei Versuche:

1. Kino als Versuch über das gute Leben

Eltern haben eh‘ keine Wahl, ob sie ihren Kindern zum Vorbild werden, da kann man sich auch wenigstens ein bisschen anstrengen (um immer wieder, Übung in Demut, an den eigenen Grenzen zu scheitern). Noch saugen die Zwerge alles auf, was sie wahrnehmen, das Differenzieren kommt erst langsam hinzu. Und so kann die Ideologie und Gewaltfreundlichkeit von Rambo-Filmen warten, bis sie sowieso nur noch bedingt auf meinen Rat hören wollen. Wenn ich Glück habe, schauen sie den Film dann noch mit mir zusammen an.

2. Weit und angstfrei soll die Filmwelt sein

Dass man kleinen Kindern nicht unbedingt Atomkriegsdystopien zum Abendbrot serviert, scheint den meisten Menschen sowieso naheliegend — auch der Umgang mit Angst und nur Spannung will gelernt sein. Was aber noch lange nicht bedeutet, dass man jene reduzierte Form von heiler Welt verbreiten muss, wie es die schwächeren Disney-Produktionen und Barbie-Filme gerne machen. Die Welt soll weit sein, angstfrei und zunehmend spannend. (Gruseliger wird dann auch das Kino wie von selbst.)

3. Das Leben ist zu kurz für schlechte Filme

So wie ich den Zwergen alles mitgeben will, damit sie später einigermaßen gut und böse, richtig und falsch unterscheiden können — oder genauer: damit sie den Mut bekommen, zu entscheiden und zu unterscheiden und sich dabei womöglich zu irren -, so sollen sie auch gute von schlechten Filmen unterscheiden können. Weil das Leben so kurz ist. Und ich behaupte mal: Das bekommen wir am besten dadurch hin, ihnen viele gute Filme zu zeigen — von ernsthaft über hemmungslos albern bis absurd (auch Unterhaltungsreißer können ja richtig toll sein). Damit sie irgendwann zu sehen lernen, warum Béla Tarrs Das Turiner Pferd großartig ist, aber Stirb langsam und Toy Story 3 nicht minder.

 

Das alles, damit sie, wenn sie dann die Möglichkeit haben, sich alles anzusehen, was sie wollen, begriffen haben, das der schwierige Teil dieser Freiheit natürlich der ist, den eigenen Willen zu erkennen, zu bändigen und frei laufen zu lassen — wie es gerade nützlich ist für möglichst erfüllte Kinoerfahrungen.

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