Filmgeschichte(n): Hitchcocks (oft) vergessener Erstling

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Filmgeschichte(n)

Ein Beitrag von Christian Neffe

Auch wenn „Der Mieter“ als der erste „richtige“ Hitchcock-Film gilt, so drehte der Großmeister doch bereits zwei Jahre zuvor seinen ersten Spielfilm: „The Pleasure Garden“. In seiner Heimat England erblickte der nach Querelen mit dem Produzenten erst im Januar 1927 das Licht der Leinwand.

Karl Falkenberg und Carmelita Geraghty in Alfred Hitchcocks "The Pleasure Garden".
Karl Falkenberg und Carmelita Geraghty in Alfred Hitchcocks "The Pleasure Garden".

Der erste Film eines Regisseurs/einer Regisseurin? Da gibt es gelegentlich einen Unterschied zwischen der öffentlichen Wahrnehmung und der faktischen Realität. Beispiel Christopher Nolan: Wird gemeinhin Memento als das Werk genannt, das sein Schaffen definierte und ihm zum Durchbruch verhalf, war sein erster Spielfilm eigentlich der zwei Jahre zuvor erschienene, aber deutlich sperrigere Low-Budget-Streifen Following.

Der Fall Alfred Hitchcock ist dem nicht ganz unähnlich. Hier allerdings wurde der Irrtum vom Meister selbst in Umlauf gebracht. „The Lodger [Der Mieter, 1927] was the first true ‚Hitchcock movie‘ “, sagte er im Verlaufe seiner Gespräche mit Francois Truffaut. Der daraufhin erwiderte: „The Lodger was really the first Hitchcockian picture, primarily through the theme that recurs in almost all of your later works: a man accused of a crime of which he’s innocent.“

„True“ und „Really“ — zwei Einschränkungen also. Hitchcocks erster als Regisseur realisierter Spielfilm (wenn man den unvollendeten Number 13 von 1922 ausblendet) war tatsächlich The Pleasure Garden, zu Deutsch: Irrgarten der Leidenschaft. Nach mehreren Engagements als Regieassistent von Graham Cutts erhielt er 1925 von seinem Produzenten Michael Balcon den Auftrag für den ersten eigenen Film. Basierend auf dem gleichnamigen Buch von Marguerite Florence Laura Jarvis, die es unter ihrem männlichen Pseudonym Oliver Sandys 1923 veröffentlichte, hatte Eliot Stannard (Der Mieter, Abwärts) das Drehbuch verfasst. Die Dreharbeiten zu der deutsch-englischen Koproduktion fanden in München und Italien (dort on-location) statt. Alma Reville, Hitchcocks spätere Ehefrau, übernahm den Schnitt.

Rückblickend muss man sagen, dass die oben genannten Einschränkungen zwar richtig waren — nichtsdestotrotz ist Pleasure Garden ein auch heute noch sehenswertes Debütwerk des Meisters des Suspense und lässt zumindest in Teilen dessen spätere kreative DNA erkennen. Der Film beginnt in dem titelgebenden Varieté-Theater, im Fokus stehen die dort seit Längerem arbeitende Patsy (Virginia Valli) und die neu ankommende Jill (Carmelita Garaghty), die bei Ersterer vorerst unterkommt. Ihre Freundschaft wird auf die Probe gestellt, als Patsy zunehmend erfolgreicher wird, gar von einem Fürsten (Karl Falkenberg) umgarnt wird und dafür ihren Verlobten Levet (Miles Mander) fallenlässt. Patsy verliebt sich parallel dazu in Levets Freund und Kollegen Hugh (John Stuart) und heiratet ihn. Doch die Liebe übersteht nicht mal die Flitterwochen, und als Hugh wieder im Ausland arbeitet, sucht er sich dort gleich eine Geliebte. Es kommt zur Konfrontation, und schließlich kommen Patsy und Levet — wie es der Film zuvor andeutet — zusammen.

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Die Handlung liest sich wie eine dieser klassischen (US-)Stummfilm-Romanzen, wie es sie damals zu Hunderten gab. Oberflächlich betrachtet ist der Film auch genau das. Doch blitzen hier und da bereits ein paar später typische Hitchcock-Elemente auf. Etwa die gewitzte, selbstbewusste, auf eigenen Füßen stehende Frauenfigur der Patsy (auch, wenn das Drehbuch sie im letzten Drittel zur Damsel in Distress macht). Oder das Motiv der Schuld, die Jill und Hugh befällt. Ebenso ein Hauch von Erotik, ein auffälliger Matchcut, eine Licht- und Schattenstimmung im Stile des deutschen Expressionismus, die Montage, die in der Gegenüberstellung von Betrachter und Betrachteter klare Assoziationen hervorruft, und die generell schwungvolle Inszenierung samt regelmäßigen Schauplatzwechseln.

Seine Premiere feierte Pleasure Garden im November 1925 in München — in Hitchcocks Heimat England dauerte es jedoch bis zum Januar 1927. Das war vor genau 95 Jahren. Grund dafür war, dass der Geldgeber C.M. Woolf alles andere als begeistert von dem Film war und zudem von Graham Cutts, der angesichts des schnellen Aufstiegs seines ehemaligen Lehrlings reichlich missgünstig war, dazu angestiftet worden sein soll, Pleasure Garden auf Eis zu legen. Ein ähnliches Schicksal ereilte übrigens auch Hitchcocks zweiter Film Der Bergadler (1926), bevor der sich anbahnende Erfolg von Der Mieter schließlich doch noch für die Aufführung der Erstlingswerke in England sorgte.

Das weitere Schicksal von Pleasure Garden war eine wahre Odyssee. Viele Jahrzehnte lang waren zwei verschiedene, um mehrere Minuten und damit auch plotrelevante Szenen gekürzte Fassungen im Umlauf, bei denen bedauerlicherweise auch die filigran-opulenten Zwischentitel durch optisch fade Texttafeln ausgetauscht wurden. Erst Anfang der 2010er gelang dem British Film Institute (BFI) eine aufwendige Restaurierung (siehe Trailer oben), die dem Original würdig ist. Wo man die allerdings derzeit erwerben kann, ist unklar… Wer sich hingegen mit einer der abgespeckten älteren Fassungen begnügen kann, (auch die sind noch sehbar und sehenswert), wird auf YouTube fündig:

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