Empfehlungen: Mit den Klassikern ins Kino

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Ein Beitrag von Sebastian Seidler

Filmstill zu The Outsiders (1993)
The Outsiders (1983) von Francis Ford Coppola

Studiocanal bringt ab November eine ganze Reihe von Klassikern erneut in die Kinos. Mit dabei sind so unterschiedliche Filme wie Francis Ford Coppolas Jugendfilm The Outsiders, David Lynchs Verwirrspiel Mulholland Drive und Jean-Pierre Jeunets Die zauberhafte Welt der Amélie. Das ist mehr als eine bloße Wiederverwertung. Es ist eine selbstbewusste Feier des Kinos, die wir dringend benötigen.

Das Kino ist in der Krise. Nicht erst seit der Corona-Pandemie schallt diese Klage durch sämtliche Gassen und Flure. Die Neuen Medien, die Möglichkeiten vom heimischen Sofa aus in die Welt der Streaming-Anbieter abzutauchen, hat den Filmpalästen zugesetzt. Dieser Wandel wird sich nicht aufhalten lassen. Es ist an der Zeit, über eine produktive Verbindung von Streaming und dem guten alten Kino nachzudenken. Gleichzeitig darf nicht vergessen werden, dass es nicht nur um die Abspielstätten geht, sondern um eine ganze kulturelle Praxis des Teilens. Zum Kino werden Filme erst, wenn wir sie gemeinsam schauen und danach darüber sprechen, schreiben und den Zauber der Geschichten feiern.

Nun ist auch richtig, dass derzeit jede Woche so viele Filme in den Kinos starten, dass man kaum hinterherkommt. Die großen Blockbuster blockieren die Leinwände, während die kleineren Filme oftmals nach einer Woche bereits wieder von den Spielplänen verschwunden sind. Warum also sollte man ausgerechnet in diesen Zeiten eine ganze Reihe von Klassikern zur Wiederaufführung bringen? Die Antwort ist einfach: Es muss sein. Eine bessere Chance um Seherinnerungen und Eindrücke zu teilen gibt es nicht.

Daher kann man die Initiative des Filmverleihs Studiocanal nur begrüßen. Ab November, jeden ersten Dienstag im Monat bringen die Franzosen die Leinwand mit Klassikern, Kultfilmen und großen Meisterwerken der Filmgeschichte zum Erstrahlen. Bislang sind die Titel von 6 Filmen bekannt – aber diese Filme haben es in sich. Den Anfang macht Francis Ford Coppolas Jugendbuchverfilmung The Outsiders in der neu geschnittenen Fassung von 2005 in einer 4K-Restauration.

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Vergangene Jugendkultur

1983 adaptierte der Regisseur den erfolgreichen Roman der Autorin S. E. Hinton, die bei der Veröffentlichung ihres Debüts gerade einmal 19 Jahre alt war und zur neuen Stimme der Jugendliteratur avancierte. Man kann die Rolle dieser Autorin für das Kino der 80er gar nicht hoch genug einschätzen. Bereits 1982 verfilmte Tim Hunter, der mit Das Messer am Ufer einen der düstersten Teenage-Angst-Filme drehen wird, den Roman Tex mit dem jungen Matt Dillon in der Hauptrolle. Dieser so charismatische Schauspieler soll zu einem prägenden Gesicht werden, denn auch Coppola besetzt ihn mehrfach. In The Outsiders und auch im selben Jahr erscheinenden Rumble Fish, der ebenfalls aus der Feder von Hinton stammt und ein dunkler Zwillingsfilm zum wesentlich helleren The Outsiders ist. Selten gab eine künstlerischere und derart vielfältige Auseinandersetzung mit dem Lebensgefühl einer Jugend als in den 80er Jahren. Mit Breakfast Club sollte noch ein Kultfilm folgen, der bis heute nichts von seinem Charme verloren hat.   

Doch gerade The Outsiders ist nicht einfach ein Film über Jugendkultur. Die Geschichte zweier rivalisierender Banden aus unterschiedlichen sozialen Klassen, deren Auseinandersetzung tödliche Folgen hat, ist selbst konzentrierteste Jugendkultur. Der Geist von James Dean schwebt als melancholischer Verweis über allen Dingen; auch hier wissen die Jugendlichen nicht, was sie tun und können doch nicht anders. Der Cast versammelt auch alle künftigen Jungstars, von denen einige dann zum legendären Brat Pack gezählt werden – Schauspieler_Innen aus einer Generation, die häufig in Filmen über jugendliches Aufbegehren mitwirkten: der bereits erwähnte Matt Dillon, Emilio Estevez (der Bruder von Charlie Sheen), Tom Cruise und Diane Lane.

Bringt man diesen besonderen Film nun 38 Jahre nach seinem Erscheinen erneut ins Kino, kommt man nicht umhin, dieses melancholische Lebensgefühl, das für eine ganze Generation prägend war, in ein Verhältnis zur Gegenwart zu setzen. Was bedeutet diese Geschichte für die heutige Jugend in diesen pandemischen Zeiten? Welcher Austausch kann in diesen Bildern seinen Ausgang nehmen? Dieser Horizont der Auseinandersetzung wird durch diese Wiederaufführung aufgemacht. Jedoch warten noch ganz andere Kunstwerke auf ihre generationenübergreifende Wiederentdeckung.

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Amélie oh Amélie!

Mit dem zweiten Film der Retro-Reihe springt man dann weit in die Zukunft. Die fabelhafte Welt der Amélie von Jean-Pierre Jeunet begründete die Karriere von Audrey Tautou und verzauberte bei seinem Erscheinen 2001 das Kinopublikum mit einem ultra-romantischen Humanismus. Regisseur Jeunet lässt seiner immer schon verspielten Kreativität freien Lauf und scheut nicht vor kitschiger Fantasie zurück. Ganz im Gegenteil. Er huldigt ohne jede Scham der Vorstellungskraft, die den schnöden Alltag übersteigt und erschafft mit Amélie eine kindlich-naive Heldin, die sich mehr um das Leben ihrer Mitmenschen in Paris kümmert als um ihre eigenen Träume; natürlich dreht sich alles um die Liebe.

Man könnte den Verdacht hegen, dass diese überbordende und bunte Form des Kinos, wie sie später auch Michel Gondry in Science of Sleep zelebrierte, aus der Zeit gefallen sei. Allzu grimmig und zynisch unterkühlt ist unsere krisengebeutelte Gegenwart. Aber genau dieser Kontrast macht die Rückkehr von Amélie so spannend. Auch weil der Film von der Kunst des Kinos selbst handelt. Und irgendwie steht mit Annette von Leos Carax ein Film in den Startlöchern, der in eben dieser Tradition des französischen Kinos steht. So war bereits Holy Motors eine erwachsenere Variante dieser von Amélie ausgelebten Vorstellungskraft, die Carax voll und ganz der Leinwand zuschreibt. Ist nicht die Heldin aus Jeunets Film die Regisseurin ihres eigenes Lebens? Und können wir etwas von diesem Leben lernen?

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Dunkle Straßen und beharrliche Erinnerungen

Wer es dann doch dunkler mag, der muss sich ein wenig gedulden. Im Februar 2022 darf man mit David Lynch eine Reise über den Mulholland Drive wagen, was immer auch einen Abstieg in die verschlungenen Gehirnwindungen des Regisseurs bedeutet. Rätselhaft und verführerisch ist dieser Film, den nicht wenige für das große Meisterwerk des Amerikaners halten. Was an der Oberfläche eine Geschichte über die Suche einer Schauspielerin mit Gedächtnisverlust nach ihrer Identität ist, wird zu einem kaleidoskopischen Horrorfilm über die Schattenseiten von Hollywood. Intrigen, Affären und rätselhafte Gestalten bevölkern die Straßen von L.A. und machen diesen Film zu einem Ereignis. Einen besseren Anlass, um nach dem Kinobesuch in einer Bar über mögliche Erklärungen zu streiten, kann es kaum geben. Nein, diesen Film sollte man immer gemeinsam sehen.

Dies gilt auch für den Sci-Fi-Klassier Total Recall des niederländischen Provokateurs Paul Verhoeven, der derzeit mit seinem Nunsploitation-Drama Benedetta die Kritiker auf der ganzen Welt spaltet. In der neuen 4K-Restauration dürfen Arnold Schwarzenegger und Sharon Stone im Verwirrspiel um falsche Träume und echte Erinnerungen um ihr Leben kämpfen. Eine Firma bietet in der Zukunft Erinnerungsimplantate an, die einen Bauarbeiter plötzlich zu einem Geheimagenten werden lassen. Alle Wege führen zu einem gefährlichen Geheimnis auf dem Mars.

Nicht nur, dass Total Recall mit den typischen ironischen Brechungen arbeitet, die Verhoeven bereits 1987 in Robocop zelebrierte und die er in Starship Troopers dann auf die Spitze treiben wird. Der Film zeigt auch eine haptische Zukunftsversion, die weit entfernt ist von den mitunter glatten CGI-Effekten der Gegenwart. Den Actionszenen haben einen körperlicher Rhythmus echter Menschen und die auf der Leinwand entstehende Welt platzt beinahe vor absurden und kreativen Einfällen.

 

Kriminalfälle und lebensverändernde Frauenfreundschaften

Der älteste Film der Reihe ist die Agatha Christie-Verfilmung Tod auf dem Nil von 1977. Unvergessen ist darin Peter Ustinov als genialer Detektiv Hercule Poirot, der auf einem Luxusdampfer einen Mord aufdecken muss. Ohne große Effekte zieht dieser Film seine Spannung aus dem fantastischen Figurenensemble: Jeder könnte der Mörder sein. Auch dieser Film prägte eine ganze Generation, ermöglichte den Zuschauer_Innen mit dem Helden das Rätsel zu entwirren. Unter anderem auf diesen Film bezog sich auch der herrlich altmodische Krimi-Erfolg Knives Out von Rian Johnson, der Daniel Craigs Benoit Blancs an die strategische Schrulligkeit von Poirot anknüpfen lässt. Tod auf dem Nil ist ein Film, bei dem man sein Popcorn wunderbar mit den Großeltern teilen kann.

Den bisherigen Abschluss der Reihe macht dann im kommenden April Jon Avnets berührender Film Grüne Tomaten. Die frustrierte Hausfrau Evelyn (Kathy Bates) trifft auf die lebenslustige Ninny (Jessica Tandy), die eine Geschichte über eine aufregende Freundschaft in den 30er-Jahren erzählt. Mit lakonischem Humor und großer Menschlichkeit erzählt dieser unsentimenale Film von unbedingter Freundschaft, selbstbewusster Weiblichkeit und den Hürden der Emanzipation. Das Erzähltempo mag den heutigen Sehgewohnheiten etwas langsam erscheinen, doch reflektiert Grüne Tomaten damit auch den damaligen den Zeitgeist und damit eine erholsame Entschleunigung für unsere gehetzten Seelen.

Genau darin, dass sich Zeitgeschichte, Sehgewohnheiten und eine jeweils andere mögliche Zukunft in diesen Filmen spiegeln und brechen, zeigt die Notwendigkeit einer solchen Retrospektive. Durch diese so unterschiedlichen Werke dürfen wir Gemeinsamkeiten, Unterschiede und vielleicht auch das Kino als Ort der Begegnung wiederentdecken. Während die Neuerscheinungen uns immer schneller weitertreiben, uns mit dem Reiz des Neuen verführen, bietet uns Studiocanal eine Möglichkeit des Innehaltens. Es gibt in der Filmgeschichte so viel zu entdecken. Eine richtig gute Aktion, dieses Best of Cinema.    

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