Streaming-Empfehlungen für März 2018

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Streaming-Tipps

Ein Beitrag von Lars Dolkemeyer

Von den eisigen Weiten der Arktis über Korea nach Ostdeutschland, von Paris nach Australien und schließlich zu großen Bauwerken rund um die ganze Welt. Bei den Streaming-Anbietern wird der März alles andere als eintönig.

The Terror - Bild
The Terror - Bild

Im März zeigt Amazon Prime eine Serie über das Verschwinden im ewigen Eis der Nordwestpassage, Netflix glänzt mit zwei besonderen Perlen und MUBI bietet den Auftakt einer neuen Retrospektive. Genug Programm für kalte Tage also, während draußen der Frühling noch auf sich warten lässt.

 

Amazon Prime Video

The Terror

Im Jahr 1845 bricht in England eine Expedition unter Sir John Franklin auf, um an Bord der Schiffe HMS Erebus und HMS Terror die Nordwestpassage zu durchsegeln. Doch die Schiffe verschwinden spurlos im Eis und erst 2014 und 2016 konnten die Wracks aufgespürt werden. Zahlreiche Mythen und Geschichten ranken sich um das Schicksal der Seeleute. Nur wenige Fundstücke konnten über die Jahre in unzähligen Such-Expeditionen ausfindig gemacht werden.

Während im vergangenen Jahr die Künstlerin Leanne Shapton in der New York Times ein faszinierendes Arrangement von Artefakten der Expedition präsentierte, reiht sich nun auch Amazon Prime in die zahllosen Erzählungen und Bearbeitungen des Stoffs: Die AMC-Serie The Terror basiert auf dem gleichnamigen Roman von Dan Simmons und wird dank des Exklusiv-Deals zwischen Amazon und AMC ab dem 26. März mit den zehn Episoden der ersten Staffel im Programm des Streaming-Anbieters starten. Vor allem die hervorragende Besetzung (unter anderem Ciarán Hinds und Jared Harris) machen dabei Lust auf die neue Bearbeitung des nach wie vor faszinierenden Stoffs.

Die Taschendiebin

Mit Filmen wie Oldboy (2003) oder Durst (Bak-Jwi, 2009) ist der koreanische Regisseur Park Chan-wook international bekannt geworden. Sein jüngster Film Die Taschendiebin (Agassi, 2016) erzählt die Geschichte der Kammerdienerin Sook-hee (Kim Tae-ri), die im japanisch besetzten Korea der 1930er Jahre für die reiche Erbin Hideko (Kim Min-hee) arbeitet. Sook-hee ist jedoch nur als Dienstmädchen vom Betrüger Fujiwara (Ha Jung-woo) in den Haushalt eingeschleust worden, um das Vertrauen von Hideko zu erschleichen. Fujiwara gibt sich als Graf aus und möchte das Herz der jungen Frau gewinnen, um so an ihr Vermögen zu kommen.

Doch gerade als die Geschichte erzählt zu sein scheint, setzt der Film noch einmal neu an – mit einer gänzlich anderen Perspektive. Vor allem für das beeindruckende Produktionsdesign wurde Die Taschendiebin gelobt, für die atemberaubenden Bilder, mit denen der Film die Wendungen seiner Erzählung und Entwicklung seiner Figuren entwirft. Ab dem 2. März ist der Film im Programm von Amazon Prime zu sehen.

  • The Handmaid von Park Chan-wook
    The Handmaid von Park Chan-wook
  • Die Taschendiebin - Trailer (deutsch)

    Deutscher Trailer

  • Clip 1 - Die Pflichten eines Dienstmädchens (deutsch)

    Clip aus Die Taschendiebin

  • The Handmaiden - Trailer (englisch)

    Englischer Trailer

  • The Handmaid von Park Chan-wook
    The Handmaid von Park Chan-wook

Empfehlung aus dem Katalog: Heil

Während die populistische Rechte immer lauter tönt und immer größeren Anteil am politischen Diskurs erlangt, ist seit Februar Dietrich Brüggemanns Neonazi-Satire Heil (2015) im Programm von Amazon Prime: Als der afrodeutsche Autor Sebastian Klein (Jerry Hoffmann) bei einer Lesereise durch Ostdeutschland von Nazis entführt wird, verursacht ein Schlag auf seinen Kopf schweren Gedächtnisverlust. Von nun an wiederholt Jerry alles, was man ihm vorsagt.

Sven (Benno Fürmann) erkennt eine einmalige Gelegenheit für seine rechtsradikale Partei und nutzt Sebastian für seine Öffentlichkeitsarbeit. Als Sebastians Freundin Nina (Liv Lisa Fries) ihren Freund bei einem Auftritt sieht, macht sie sich auf den Weg, ihn aus den Fängen der Nazis zu befreien. Wenn auch nicht alle Pointen des Films gelingen, nicht jeder Witz und jedes Klischee vor Einfallsreichtum sprüht, so überrascht Heil doch immer wieder mit scharfen Beobachtungen und grandiosen satirischen Einfällen.

 

Netflix 

Nocturama

Eine Gruppe Jugendlicher bewegt sich durch Paris, jeder für sich, jeder als Teil eines gemeinsamen Plans: sie wollen einen großen Anschlag auf die französische Hauptstadt verüben. Nach der Tat verschanzen die Jugendlichen sich in einem Kaufhaus vor dem Zugriff der Polizei. Regisseur Bertrand Bonello zeigt mit Nocturama (2016) aber nicht einfach einen Film über Terrorismus oder eine Studie des Zeitgeschehens.

Ähnlich wie es in Der Pornograph (2001) nicht einfach um Pornographie geht und schon gar nicht um eine einfache Haltung dazu oder wie Haus der Sünde (2011) auf gleiche Weise kein einfacher Film über Prostitution ist, entwirft auch Nocturama mit seinen jugendlichen Protagonisten, ihrer revolutionäre Gruppierung und mit seinem einzigartigen Setting in einem Kaufhaus ein gänzlich anderes und unkonventionelles Bild des Gegenstands. Nicht vielen Filmen und Regisseuren gelingen Eindrücke, wie Bonello sie in seinen Werken zeigt. Nocturama sollte unbedingt gesehen werden, seit Februar ist der Film im Programm von Netflix verfügbar.

  • Nocturama von Bertrand Bonello
    Nocturama von Bertrand Bonello
  • Nocturama - Trailer (OmeU)

    Trailer

  • Nocturama - Teaser Trailer (OF)

    Teaser Trailer

Emo the Musical

Das Musical feiert nicht nur auf den Bühnen der Welt ungebrochen große Erfolge, auch im Kino zeigte La La Land (2016), wie lebendig das Genre ist. Der australische Debütfilm Emo the Musical (2016) wählt dabei einen ganz eigenen Zugang als die große Hollywood-Hommage: Ethan (Benson Jack Anthony) ist ein Emo. Dunkle Klamotten, schwarze Frisur und – natürlich – sorgfältig gepflegter Weltschmerz. Nachdem Ethan versucht, sich mitten auf dem Schulhof umzubringen, wird er an eine andere Schule versetzt. Dort findet er zwar in der Emo-Schulband Worst Day Ever eine Gruppe, die ihn akzeptiert, statt ihn bloß zu mobben, gleichzeitig verliebt Ethan sich aber in die überzeugt-christliche Trinity (Jordan Hare).

Diese versucht wiederum Ethan von ihrem Glauben zu überzeugen und gerät damit zunehmend zwischen ihn und die Band. Dem Film gelingt es, auf der einen Seite einfühlsam mit schwierigen Themen wie Mobbing und Depression umzugehen, während er auf der anderen Seite mit seiner einfallsreich-überspitzten Zeichnung des sozialen Gefüges an einer durchschnittlichen Highschool eine bewegende und amüsante Ergänzung zu Reihen wie High School Musical (2006-2008) darstellt. Der wunderbare kleine Film ist seit Februar im Angebot von Netflix.

 

MUBI 

Heinz Emigholz: Architektur als Autobiografie

Der Dokumentar- und Experimentalkünstler Heinz Emigholz wird von MUBI im ersten Teil einer Retrospektive zu seiner Reihe Architektur als Autobiographie vorgestellt. In insgesamt neun Filmen, von denen vier zurzeit bei MUBI zu sehen sind, fängt Emigholz die Bauwerke bedeutender Architekten ein. Der erste Teil der Retrospektive zeigt die Kurzfilme Sullivans Banken (2000) und Maillarts Brücken (2000), die sich den Bankgebäuden und Brücken der Architekten Louis H. Sullivan und Robert Maillart widmen.

In D’Annunzios Höhle (2005) filmen vier befreundete Filmemacher gemeinsam mit Emigholz die Zimmer der Villa am Gardasee, die der italienische Schriftsteller Gabriele d’Annunzio bis zu seinem Tod bewohnte und mit dem Architekten Giancarlo Maroni in ein Museum verwandelte. Goff in der Wüste (2003) zeigt 62 Gebäude des US-amerikanischen Architekten Bruce Goff und dessen unkonventionellen Stil einzigartiger Originalität. Die beiden Kurzfilme sind bis zum 6. und 7. März zu sehen, die beiden längeren Arbeiten bis zum 16. und 17. März.

So finster die Nacht 

Nicht oft genug kann man Tomas Alfredsons berührenden Vampirfilm So finster die Nacht (Låt den rätte komma in, 2008) empfehlen. Oft genug sehen kann man ihn schon gar nicht: Das 12-jährige Mädchen Eli (Lina Leandersson) zieht in das Nachbarhaus von Oskar (Kåre Hedebrant), der von seinen Klassenkameraden schwer gemobbt wird. Eines Abends begegnet er Eli auf dem Spielplatz vor dem Haus und die beiden freunden sich an. Schnell stellt Oskar fest, dass mit dem ebenso eigenartigen wie faszinierenden Mädchen etwas nicht stimmt. Trotzdem bleibt Oskar an Elis Seite und gemeinsam bieten die beiden der Welt die Stirn.

In wundervollen Bildern, die von der Tristesse des Alltags, von der düsteren Bedrohung für das Vampir-Mädchen und von der besonderen Wärme der Freundschaft zwischen den beiden Kindern erzählen, inszeniert Tomas Alfredson einen der beeindruckendsten Vampir-Filme des Genres, dessen US-Remake Let Me In (2011) kaum eine ähnlich dichte Atmosphäre erreicht. Das Meisterwerk, mit dem Alfredson international bekannt wurde, ist noch bis zum 18. März in der Auswahl von MUBI verfügbar.

  • So finster die Nacht / Lat den rätte komma in von Thomas Alfredson
    So finster die Nacht / Lat den rätte komma in von Thomas Alfredson
  • Let the Right One in - Trailer (OmEU)

    Trailer

  • So finster die Nacht / Lat den rätte komma in von Thomas Alfredson
    So finster die Nacht / Lat den rätte komma in von Thomas Alfredson
  • So finster die Nacht / Lat den rätte komma in von Thomas Alfredson
    So finster die Nacht / Lat den rätte komma in von Thomas Alfredson
  • So finster die Nacht / Lat den rätte komma in von Thomas Alfredson
    So finster die Nacht / Lat den rätte komma in von Thomas Alfredson

Zweimal Pasolini: Accattone und Große Vögel, kleine Vögel

Pier Paolo Pasolini gehört zu den bedeutendsten Regisseuren des italienischen Kinos. MUBI bietet nun die Gelegenheit, zwei Einblicke in das Schaffen des Künstlers zu erhalten: In seinem Debütfilm Accattone (1961) erzählt Pasolini die Geschichte des Zuhälters und Bettlers Accattone (Franco Citti), der am Rande der Gesellschaft versucht, sein Auskommen zu finden, immer wieder aber scheitert.

Gegen die schwer drückende Last der bitteren Bilder in Accattone, die seinerzeit die Kritik erregten, bietet Große Vögel, kleine Vögel (Uccellacci e uccellini, 1966) leichtere Töne: Ein Vater (Totò) wandert mit seinem Sohn (Ninetto Davoli) durch die italienische Provinz. Ihnen geht es gut und sie machen sich wenig Gedanken um die Welt. Doch dann begegnet ihnen ein Rabe, der sie in ein Gespräch über die Ungerechtigkeit und Grausamkeit unter den Menschen verwickeln möchte. Ein wirkliches Interesse daran, die Welt zu verändern, ist bei den beiden allerdings schwer zu wecken. Die Filme sind noch bis zum 13. und 14. März im Angebot von MUBI zu sehen.

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