Filmgeschichte(n): Der Paramount Act und die Regierung Trump

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Filmgeschichte(n)

Ein Beitrag von Christian Neffe

Das Eingangstor der Paramount Pictures an der Melrose Avenue (2008)
Das Eingangstor der Paramount Pictures an der Melrose Avenue (2008)

Sollen Filmverleiher ihre eigenen Kinos betreiben können? Diese Frage beschäftigte vor 71 Jahren den Supreme Court in den USA. Die Entscheidung fiel damals eindeutig aus: Mit 7 zu 1 stimmten die Richtern (zu diesem Zeitpunkt war der Supreme Court ausschließlich von Männern besetzt) im Mai 1948 für „Nein“. Daraufhin ging ein Ruck durch die Filmlandschaft. Es war eine Entscheidung, die auch dazu beitrug, das Ende der Goldenen Ära Hollywoods einzuleiten. Vor allem aber war es eine Entscheidung, die der Existenzsicherung kleinerer Studios half. Aktuell läuft diese Entscheidung Gefahr, revidiert zu werden.

Blick zurück. Vor 1948 war es in den USA Usus, dass große Studios — namentlich Paramount, Metro-Goldwyn-Mayer, Warner Bros., Fox und RKO - Anteile an oder gleich ganze Kinos besaßen und restriktive Verträge mit den Betreibern unterhielten. Die verpflichteten sie etwa dazu, die kommenden Filme der Studios ungesehen ins Programm aufzunehmen. Das US-Justizministerium ging 1938 dagegen vor, bezog sich auf das Kartellrecht, mit dem damals größten Studio Paramount als Hauptangeklagtem.

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Das „Paramount“ Logo in den 1940ern und 50ern (c) Paramount Pictures (Public domain)

In einer 1940 von einem New Yorker Gericht vorgeschlagenen Einigung wurde unter anderem das sogenannte „Blockbuchen“ (Filme konnten nur im Paket von den Kinos gebucht werden) auf fünf Filme beschränkt und das „Blindbuchen“ gänzlich untersagt. Die Studios legten wenig später einen Gegenentwurf vor. Daraufhin strengte die Society of Independent Motion Picture Producers einen neuerlichen Prozess gegen die Big Five und die Little Three (Columbia, Universal und United Artists) an — und verlor. Die US-Regierung zog schließlich vor den Obersten Gerichtshof. Dessen Urteil sicherte ab 1948 die Existenz unabhängiger Lichtspielhäuser, gab den Weg frei für Arthouse-Kino und Filme aus dem Ausland, die vermehrt Platz auf den Leinwänden im Land fanden. Die Studios, so die Richter*innen, mussten sämtliche Anteile, die sie an Kinos hatten (damals 17 Prozent), abgeben. Blockbuchen wurde gänzlich untersagt. 

Seit kurzem scheint diese einst wegweisende Gerichtsentscheidung aber auf der Kippe zu stehen. Im November gab das US-Justizministerium bekannt, dass es Pläne für eine Revision des Urteils gebe. Begründet wurde dies mit der sich inzwischen drastisch gewandelten Medienlandschaft. Die Regularien seien obsolet: 

“We cannot pretend that the business of film distribution and exhibition remains the same. […] Today, not only do our metropolitan areas have many multiplex cinemas showing films from different distributors, but much of our movie-watching is not in theaters at all.” - Makan Delrahim, US-Justizministerium

Die National Association of Theatre Owners warnte sogleich vor einer massiven Gefahr für die cineastische Vielfalt und die Kinos, die nicht den drei großen Ketten (AMC Entertainment, Regal Entertainment und Cinemark Holdings) angehören: „Consumers will face increasingly limited choices at the box office, and, without the possibility of a theatrical run, many films will no longer be made, limiting the availability of choices through home entertainment platforms as well.“

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US-Justizministerium (c) Sebmol via Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Auch der Journalist David Sims äußerte im The Atlantic seine Bedenken über die Pläne des Justizministeriums: Kleinere, experimentellere Studios wie A24, Neon oder IFC „could find themselves crowded out by block booking and blind buying. Especially in a movie age when big studios are backing away from financially risky projects, that outcome could be disastrous for cinemagoers and artists alike.“

Nötig seien stattdessen — so Sims — noch schärfere Restriktionen. Denn weder Disney (die derzeit ein Drittel aller Kinoerlöse erzielen) noch Netflix (die den Streamingmarkt dominieren und damit beginnen, erste Kinos zu kaufen) seien vom Paramount Act betroffen. 

A hypothetical Disney-owned theater chain that prioritized Disney films for its screens would squeeze an industry that’s already struggling to offer a breadth of options to consumers, thanks to the overwhelming success of family-friendly brand-name blockbusters. — David Sims

Spätestens seitdem 20th Century Fox von Disney geschluckt wurde, ist bekannt, dass im US-amerikanischen Kartellrecht wohl etwas im Argen liegt. Dass nun jedoch die Grenzen zwischen Filmverleih und Kinobetrieb (wieder) gänzlich eingerissen werden sollen, könnte eine ohnehin bedenkliche Entwicklung verstärken, die sich auch auf unserer Seite des Atlantiks bemerkbar machen dürfte.

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