Features: Zukunftsstoff(e) – Zum Verhältnis von Mode, Science-Fiction und Kostümdesign

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Ein Beitrag von Bianka-Isabell Scharmann

Kleider, die nicht von dieser Welt sind: Science-Fiction erträumt die fantastischsten Kostüme. Doch das Verhältnis von Mode, dem beliebten Filmgenre und Kostümdesign geht noch darüber hinaus, in den Bereich der Materialinnovation und sogar bis vor die Geschichte des ersten Films zurück.

Yuliya Solntseva in "Aelita: Queen of Mars"
Yuliya Solntseva in "Aelita: Queen of Mars"

Wie wird sich Eve wohl im Jahre A.D. 2000 kleiden? Wie wird sie aussehen? Die Antwort gaben führende Modedesigner aus den USA in einer kleinen Fashionshow aus dem Jahr 1939. Die erste Idee: ein wandelbares Kleid, dass frau problemlos durch den ganzen Tag trägt – dazu eine adrette Kappe und ein, wie es scheint, Visier aus Plastik. Darauf folgt ein Kleid aus Netzstoff mit aufgenähten spiralförmigen Applikationen, inklusive hochgesteckter Turmfrisur. Nummer drei ist ein rockloser Vorschlag: Schuhe mit ‚cantilevered heels‘, was sich am Ehesten mit freischwebend oder fast nicht existentem Absatz übersetzen lässt, zum Spitzenoverall mit einem elektrischen Gürtel, der den Körper auf die Veränderungen im Klima einstellen kann. Die Braut trägt ein Hochzeitskleid aus Cellophan mit einer Schleppe, die man – ähnlich wie Modell eins – mittels eines Reißverschlusses verstellen kann. Auf dem Kopf eine Lampe, keck vorne an der Stirn angebracht. Zuletzt noch etwas für den Mann: Er braucht nicht so viel Auswahl, es reicht ein einfacher Overall mit vielen Taschen und Gadgets, praktisch und funktional, die ‚candies for cuties‘ dürfen jedoch nicht fehlen.

Diese filmische Modenschau, gerade einmal eine Minute und 14 Sekunden kurz, spiegelt im Kleinen einige der zentralen Berührungspunkte und Gemeinsamkeiten von Mode und Science-Fiction wider. Ist doch beiden ein zukunftsorientiertes Moment gemein. Mode, zyklisch organisiert und die Vergangenheit für die Zukunft recycelnd sowie mit Momenten der Bricolage arbeitend, wurde auch von technologischen Innovationen in ‚neue Welten‘ getragen. „Neue Materialien und neue Technologien stehen für Zukunftsmode“ (Petzer Future Fashion). Umgekehrt war das Kostümdesign vieler Filme auch immer wieder Inspirationsquelle für Modedesigner*innen. Und ebenso haben sich einige Modedesigner*innen, darunter Jean Paul Gaultier, an der Ausstattung alternativer Weltentwürfe beteiligt. 

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Einige Worte zum Verhältnis von Kostüm und Mode vorab: Man spricht gerne mal von Filmmoden oder film fashions, die Grenzen zwischen den beiden Bereichen scheinen oft genug verwischt. Dabei gibt es wichtige Unterschiede.  So werden Kostüme für eine bestimmte Welt, ein bestimmtes Setting geschaffen, sie sind Teil der Ästhetik eines Films, der Wirkung, die ein Film auf alle unsere Sinne ausübt. Darüber hinaus werden Kostüme im Hinblick auf bestimmte Charaktere erdacht, ja Charaktere werden durch sie förmlich modelliert, helfen sie den Schauspieler*innen doch immens, sich in die Rollen zu versetzen. Gleichzeitig sollen die Charaktere für uns als Zuschauer*innen mit einem Blick lesbar sein, was oft genug zu stereotypen Kostümen führt – diese Zuschreibungen dürfen dann aber auch gerne subversive unterwandert werden (so geschehen beispielsweise in Die Tribute von Panem: Catching Fire (2013)). Kostüme können Kommentare auf Modetrends sein, sie sind jedoch mit Mode an sich nicht gleichzusetzen. Kostüme nehmen Trends auf, müssen jedoch, um Auswirkungen auf die Mode zu haben, in unserer Welt in irgendeiner Form adaptiert werden. Sonst bleiben sie Stoff, aus dem Träume gemacht sind.  

 

Filmstoff Negativ

Noch bevor Science-Fiction-Filme uns ihre Vorstellungen von einer anders geschneiderten Zukunft oder einer dystopischen Alternative zeigen sollten, entwarf der Science-Fiction-Autor Prinz Vladimir Odoevskij schon im Jahr 1835 in Das Jahr 1835 aus Kristallstoffen gefertigte Kleidung. In diese waren andere Organismen eingearbeitet wie Schmetterlinge und Pflanzen. Kreationen von kurzer Lebensdauer. Er stellte sich außerdem vor, dass Frauen elektrische Accessoires tragen würden – nach knapp zweihundert Jahren wirken diese Ideen immer noch (fast) avantgardistisch. 

Denn gerade mit Blick auf die smart textiles ist auch filmisch noch einiges herauszuholen. Der Grund dafür ist möglicherweise die narrative Funktion der Kostüme: Denn wie sollen die Zuschauer*innen erkennen, dass ein Oberteil beispielsweise auditive Eindrücke mittels Sensoren an die Haut überträgt (so gesehen bei dem Label cutecircuit)? Dafür gibt es nur eine Lösung: Charaktere müssen die besonderen Fähigkeiten im Film immer wieder zu Sprache bringen. Die besonderen Materialien aus denen die Kleidung der Superheld*innen besteht (ich denke hier etwa an Superman), werden schließlich auch immer wieder thematisiert. Von außen kann niemand ihnen ihre Außergewöhnlichkeit ansehen.

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Wieder in der Zeit zurück: Dass es dann überhaupt zum Film kam, ist tatsächlich einer Innovation in der Bekleidungsindustrie zu verdanken. Zelluloid wird als das erste Thermoplastik angesehen und wurde anfangs für Kleidung verwendet: Man stellte Krägen und Hemdmanschetten aus dem halbsynthetischen Kunststoff her, Schmuck und Haaraccessoires. Erst später wurde es für den Film entdeckt. Eine wissenschaftliche Entdeckung, die Mode und Film, Wissenschaft und Fiktion noch vor dem ersten Flackern der bewegten Bilder auf einer Leinwand historisch gesehen unwiderruflich miteinander vernähen sollte. Und aktuell feiert Celluloid im Bereich der Mode, zu dem Zeitpunkt wo es aus der Filmproduktion fast verschwunden scheint, ein kleines Comeback, wird es doch als eine mögliche nachhaltige Faser gehandelt. 

An die ersten Erfolge in der synthetischen Stoffherstellung knüpften Textilhersteller bald an: Nachdem das Nitroverfahren den Weg für Film ebnete, folgte bald darauf die Entdeckung der Viskose. Aus dieser wiederum wird Jersey hergestellt, das Material, das Coco Chanel in den 1920er Jahren salonfähig machte. Im Jahr 1935 wurde Nylon entwickelt, 1939 die erste Fabrik in den USA gegründet. Im Zuge des Zweiten Weltkriegs wurde Nylon zu einem wichtigen Kriegsstoff: Zelte, Seile, Flugzeugtanks und Fallschirme stellte man damit her. 

Jane Fonda in "Barbarella"; © Paramount Home Entertainment
Jane Fonda in „Barbarella“; © Paramount Home Entertainment

In den 1950er Jahren wurde dann eine ganze Reihe von neuen Stoffen entwickelt, die die Mode weiter demokratisieren sollte, waren sie doch um einiges günstiger als Naturfasern wie Seide und Taft. Kunstseide statt Seide für Seidenkleider, Nylonhemden für die Männer, Perlonkleidchen für die Mädchen. Kleidung konnte nun billiger und bunter werden, sie konnte problemlos zum Glänzen und Schimmern gebracht werden. Materialinnovationen, die den Weg für die Kostüme der Science-Fiction ebneten.

Mit Materialinnovationen kam es auch zu wirklichen Neuerungen in der Mode: Mary Quants und Paco Rabannes Designs aus den 1960er Jahren repräsentierten Future-Chic, sie waren auf der Höhe der Zeit, wahrgewordene und tragbare Science-Fiction. Diese Innovationen waren es dann auch, die die Kostüme von Barbarella (1968) ermöglichten – das kurze, grüne Minikleid mit Plastikapplikationen war von Rabannes Entwürfen inspiriert. Insgesamt achtmal wechselt Jane Fonda als Barbarella ihr Outfit, etwaige zerrissene Versionen einzelner Looks nicht mitgezählt. Fell, Plastik, Miniröcke und flache Absätze, Overknee Boots und hautenge Leggings: Barbarella ist ein Film, der die Pop-Art der 1960er Jahre förmlich atmet. Science Fiction Fashion, eine ebenfalls filmische Modenschau (1968), bringt den Geist der Zeit auf den Punkt: Der Traum vom Weltraum, futuristisch anmutende Materialien und moderne Schnitte. Von nun an fliegt man in Kunststoffen durchs All. Und der an Obsession grenzende Futurismus der 1960er wurde von William Klein in Who Are You, Polly Maggoo? (1966) in der Eröffnungssequenz parodiert: die scharfen Kanten der Aluminiumkleider schneiden den Models wirklich ins Fleisch. 

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Filmstoff Positiv

Eine Dekade zurück zu Alarm im Weltall (1956). Der Film taucht in den meisten Rezeptionen des Verhältnisses Science-Fiction-Kostüm und Mode kaum auf. Doch der Eindruck, dass er unwichtig ist, täuscht. Denn für die 1950er Jahre sind die Kleider, die Alta (Anne Francis) trägt, futuristisch: Mini wurde es erst in den 1960ern, in den Fünfzigern dominierte der ‚New Look‘ mit ausgestelltem Rock und schmaler Taille. Insofern gelingt es Alarm im Weltall, eine modisch moderne Zukunft mittels der Kostüme zu imaginieren: Sechziger Jahre Mini-Kult und Jugendlichkeit. Eines von Altas Kleidern fällt jedoch aus der Reihe: die bodenlange, weiße Robe, die sie extra von Robbie für Kapitän Adams (Leslie Nielson) hat anfertigen lassen. Die Drapierung des Stoffs lässt eindeutig erkennen, dass griechische Statuen hier der Inspiration Pate standen. Nimmt man dieses Kleid als Anlass, sich in anderen zeitgenössischen Produktionen umzuschauen, so ist dieses das am wenigsten futuristische und wirft auch auf die anderen Kleider ein leicht anderes Licht: Grace Kelly trägt in Die oberen Zehntausend (1956) in der Poolszene eine ähnlich drapierte, weiße Robe wie Anne Francis. Der Badeanzug darunter wiederum erinnert stark an die kurzen Kleidchen Altas. Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Inspiration für futuristische Kostüme bereits vorhandene Ideen aufnimmt und diese in anderen Kontexten umsetzt: Bademodenschnitte als Alltagkleidung ergeben etwas bisher Unerhörtes, was Atlas’ Fremdheit unterstreicht.

Anders als die in Alarm im Weltall verwendeten, lösen die Kostüme von Aelita: Queen of Mars (1924) bis heute Begeisterungsstürme aus: Der Film gilt bis heute als einer der ikonischsten und futuristischsten des Genres. Die Kostüme, die als wegweisend für Science-Fiction in den 1920er und 30er Jahren galten, schuf die Künstlerin Aleksandra Ekster. Die konstruktivistischen Kreationen, die die Marsbewohner*innen und allen voran Aelita selbst tragen, wirken aus heutiger Sicht wie haute couture, Entwürfe höchster Schneiderkunst. Der Eindruck täuscht jedoch. Denn in Hinsicht auf die Kostüme und auch mit Blick auf den Kontext sowie die Narration des Films stellt sich Aelita durchaus als widersprüchlich dar. Um dies in Hinsicht auf die Filmstoffe zu illustrieren, lasse ich Ekster selbst zu Wort kommen:

„Because of their properties, elastic fabrics, such as some types of silk, could be used to design clothes for movement (dancing, for example) and to conceive more complicated shapes (circles, polygones). This type of garment, which is ‘constructed’ according to the dynamics of the body’s movements, must be composed out of mobile elements. A heavier material is suitable for a more peaceful form (square, polygon, etc.) and could be used for slower movements (walking or running)” (Aleksandra Ekster The Constructivist Dress 1923). 

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Ekster gehörte zur russischen Avantgarde, die, wie Radu Stern in Against Fashion (2004) schreibt, Mode als ein essenziell bourgeoises Phänomen ablehnte und daher davon überzeugt war, dass Mode zusammen mit der sozialen Klasse, die sie hervorgebracht hatte, untergehen würde. Ekster versuchte zwar, für die Frauen der Arbeiterklasse zu entwerfen, aber eine gewisse formale Eleganz hat sie nie aufgegeben. Ihren Designs, auch sichtbar in den Kostümen für Aelita, ist ein Paradox inhärent: Sie sind konstruiert und nicht geschnitten, ihre Einfachheit wird jedoch von den künstlerischen Ansprüchen überstrahlt. Wie die Narration, bilden auch die Kostüme die Komplexität des sowjetischen Lebens in den 1920ern ab. 

Den Einfluss Aelitas spürt man sehr deutlich in den Entwürfen von Gordon Conway für High Treason (1929). Dazu noch ein wenig Inspiration von Metropolis (1927) und ein Augenmerk auf die Avantgarde-Designs von Léon Bakst für die Ballet Russes. Die geometrischen Formen, die Röcke, die über die Hosen gelegt werden – trotz des Blicks in die Zukunft bleiben auch diese Kostüme, wie im Falle so vieler anderer Science-Fiction-Filme, der Gegenwart verhaftet. High Treason muss letztlich unbedingt vor dem Hintergrund des Jazz Ages gesehen und gelesen werden. 

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Während vielen Science-Fiction-Filmen zu eigen ist, ein positives Bild der Zukunft zu zeichnen und somit, angewiesen auf die Imaginationskraft der Kostümdesigner*innen, diese auch durch Kostüme überzeugend auszugestalten, verhandeln viele andere Science-Fiction-Filme dystopische Zukunftsentwürfe oder präsentieren gar ganze alternative Welten, Galaxien und unbekannte Lebensformen. 

Ein modisch sehr einflussreicher Film war und ist Blade Runner (1982). Die Kostüme wie auch der gesamte Film von Ridley Scott wirken dank der klugen Ausstattung recht zeitlos. Ein Film, der 40 Jahre in der Zukunft spielt, aber die Mode von vor 40 Jahren als Referenz setzt, so Scott über die Idee hinter der Gestaltung. Und dieses Retro-Feeling gemischt mit Film-noir-Elementen plus hier und da durchscheinendem Bezug auf die Ästhetik der 1980er Jahre samt einer kleinen Prise Futurismus ist in jeder Falte zu sehen und zu spüren. Michael Kaplan und Charles Knode, die Kostümdesigner des Films, kreierten für den Charakter der Rachel (Sean Young) Kostüme mit breiten Schultern und schmaler Taille samt Bleistiftröcken und belebten damit die Silhouette der Film-Noir-Heldinnen der 40er Jahre wieder. Gespiegelt wird die Heldin im Film-noir-Detektiv, Harrison Ford als Rick Deckard, der hier, ganz dem Genre entsprechend, einen großen Mantel mit breitem Revers (es muss sich hochklappen lassen!) über einer Art Anzug trägt. Und für Daryl Hannahs Pris schufen sie einen aktuellen Eighties-Look im Stil der Punks mit einem Hauch Street-Fashion, futuristisches Waschbär-Make-Up inklusive. 

Auf Alexander McQueen wie auch auf Jean Paul Gaultier hat Blade Runner eine nachhaltige Wirkung entfaltet, widmeten beide Designer doch mehrere Kollektionen dem Film und ihren zentralen Figuren. Eine davon ist McQueens 98/99 Herbst/Winter-Kollektion, in der er die hohen Schultern, die Streifen von Rachels Mantel und Kostüm inklusive der Haartolle zitiert. Pris’ Augen-Make-Up war sowohl bei Gaultier als auch bei McQueen auf den Laufstegen zu sehen. 

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Jean Paul Gaultier selbst hat schon mehrfach für Filme designt. So stammen beispielsweise die Entwürfe für Das fünfte Element (1997) aus seiner Feder. Besonders das weiße Ganzkörperstück für Jovovich’s Charakter Leeloo ist in Mode- wie auch Filmgeschichte gleichermaßen eingegangen. Und Gerüchten zufolge soll Gaultier den gesamten Hintergrund der Palastszene in Catching Fire ausgestattet haben.

Worin sich viele Filme einig sind: Man(n) trägt Uniform. Das beginnt schon in den 1920er Jahren: die Uniformen in High Treason ähneln auf gespenstische Art und Weise sehr stark dem, was wir erst vor kurzem an den Funktionären in Die Tribute von Panem bewundern durften. Uniformen sind zwar auch Moden unterworfen, aber deren Variation über Jahrhunderte hinweg hält sich definitiv in Grenzen – ähnlich wie der Anzug, der ja bekanntlich als die Uniform des Mannes in der realen Welt gilt. Betrachtet man beispielsweise die Astronaut*innenanzüge aus Filmen, so stellt man beginnend mit Der Tag, an dem die Erde stillstand (1951) über 2001: A Space Odyssee (1968) und Barbarella (1968) über The Last Star Fighter (1984) bis hin zu Interstellar (2014) eindeutig fest, dass die Anzüge sich in ihrer Grundkonfiguration kaum verändert haben – mit den an die vorherrschenden Trends vorgenommenen, kleinen Anpassungen versteht sich. So sollte man denn auch für modische Hinweise nicht auf die Hauptfiguren schauen, sondern eher mal in den Hintergrund – und auf die Frauen, wie ich es hier schwerpunktmäßig getan habe. Denn Mann, insofern lag die Modenschau aus 1939 richtig, trägt in der Science-Fiction praktische, funktionale Kleidung. 

Filme können Einfluss auf die Mode nehmen, The Matrix, Gattaca und die Mad-Max-Reihe gehören neben den bereits genannten definitiv dazu. Modedesigner*innen fühlen sich von dem Genre angezogen, werden durchaus selbst darin tätig, um ihrer Imagination freien Lauf zu lassen oder lassen sich von ihr zu fantastischen und outlandishen Entwürfen inspirieren. Nicht zuletzt werden beide, Mode und Film, vom wissenschaftlichen Fortschritt beflügelt, Narrationen werden durch neue Erkenntnisse inspiriert, Technologien inkorporiert und Innovationen in der Textilherstellung versprechen neue Formen und Symbiosen zwischen Körper, Textil und Technologie. 

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Es wird zurzeit beispielsweise ein Verfahren entwickelt, dass es möglich macht, Kleidung direkt auf den Körper aufzusprühen. Accessoires und Kleidungsstücke aus dem 3D-Drucker gibt es schon. Digitale Prints haben die Modedesigns von Designerinnen wie Mary Katrantzou erst möglich gemacht und Iris van Herpens neueste Couture-Entwürfe sehen aus wie nicht von dieser Welt – auch dank neuester, digitaler Herstellungsmöglichkeiten. 

Film und Mode standen sich im Genre der Science-Fiction in der Vergangenheit schon einmal näher als heute: Filme, die wie Blade Runner ganz bewusst mit der Mode arbeiten sieht man heute eher selten. Was wäre also, wenn sich die beiden dieser so fruchtbaren Partnerschaft wieder stärker bewusst werden würden und gemeinsam an futuristischen Ideen arbeiten würden, um den Gebrauch, die Möglichkeiten und etwaigen negativen Konsequenzen von smart textiles auszuloten? Für Gentechnologie (Gattaca), Computertechnologie (The Matrix) und Social Media (The Circle 2017 oder auch Folgen der Serie Black Mirror) und andere Bereiche gibt es ungezählte Beispiele. Das wäre Science-Fiction, die – wieder einmal – Film- und Modegeschichte schreiben könnte. 

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