Darling der Woche: Wie klingt der Weltraum? - In Gedenken an Peter Thomas

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Darling der Woche

Ein Beitrag von Katrin Doerksen

Der Kommandostand in "Raumpatrouille Orion"
Der Kommandostand in "Raumpatrouille Orion"

Einer der Gründe, wieso die ARD-Science-Fiction-Serie Raumpatrouille Orion auch Jahrzehnte nach ihrem ersten Erscheinen noch so beliebt ist, liegt in ihrem Einfallsreichtum. Das knappe Budget bewegte die Macher zu Improvisationen: Bügeleisen und Badewanneneinläufe bildeten Elemente der Kommandozentrale, geworfene Reiskörner imitierten vor der Kamera einen Lichtsturm. Nicht weniger überschäumend in ihrer Kreativität war jedoch die Musik der Serie.

„Da ich noch nie im Weltraum war — und die Regisseure auch nicht, konnte keiner sagen, wie die Musik sein sollte.“

So erklärt es Peter Thomas, der Komponist der Serienmusik, die zu einer seiner größten Erfolge werden sollte.

Am 17. Mai 2020 ist Peter Thomas in seiner Wahlheimat Lugano gestorben. Er wurde 94 Jahre alt. Ein Leben liegt hinter ihm, das angefüllt war von Musik. 1925 in Breslau geboren, begann Peter Thomas‘ Karriere ganz klassisch: mit einem Studium im Nachkriegsberlin, wo er abends in den Bars für die Allierten Swing und Jazz spielte. Durch Umwege über Radio und Fernsehen kam er schließlich zum Film und wurde zum wahrscheinlich einflussreichsten deutschen Filmkomponisten der 1960er Jahre.

 

Der Grund für seinen Erfolg: Wohl sein Einfallsreichtum. Für die Roboterstimme am Anfang von Raumpatrouille Orion sprach Thomas in einen Vocoder, den man im Zweiten Weltkrieg zur Verschlüsselung von Nachrichten verwendet hatte. Später sollten die Musiker von Kraftwerk die Idee aufnehmen - mittlerweile ist sie in der Popmusik zuhause.

Gemeinsam mit dem Toningenieur Hansjörg Wicha entwickelte Thomas später das Thowiphon, eine Vorform des Synthesizers. Halleffekte und rückwärts ablaufende Bandmaschinen, Geräusche, Schreien und Stöhnen bereicherten seine Kompositionen ebenso wie Jazz, Klassik und Zwölftonmusik. Eine Art musikalisches Renaissance-Genie, ein unbeirrbarer Avantgardist.

 

Klar, dass Peter Thomas‘ Können auch außerhalb der Landesgrenzen nicht unentdeckt blieb. Faith-No-More-Sänger Mike Patton gehört zu seinen Fans, Samples seiner Kompositionen finden sich bei der britischen Rockband Pulp ebenso wie bei den Rappern von Public Enemy oder den norwegischen Elektronikern von Röyksopp - und George Clooney verwendete Thomas‘ Stücke aus Edgar Wallace sogar für sein Regiedebüt Geständnisse — Confessions of a Dangerous Mind.

Kurz: Wer den Namen Peter Thomas noch nicht gehört hat, darf seinen Allerwertesten darauf verwetten, dass er auf jeden Fall schon seine Musik gehört hat. 18 Edgar-Wallace-Filme, die Jerry-Cotton-Reihe sowie Winnetou und sein Freund Old Firehand, die Fanfare der Constantin-Film, die BRD-Filme von Zbynek Brynych und Episoden von Der Kommissar, Derrick und Der Alte — sie alle wären ohne die Musik von Peter Thomas immer noch sehens- aber ein gutes Stück weniger hörenswert.

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