Bücher: She was some kind of a woman – Zwei neue Bücher über Marlene Dietrich

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Bücher

Ein Beitrag von Sonja Hartl

"Marlene Dietrich. Augenblicke eines Lebens" von Julian Voloj und Claudia Ahlering
"Marlene Dietrich. Augenblicke eines Lebens" von Julian Voloj und Claudia Ahlering

„Diva, Hollywoodstar, Stilikone“ titelt die eine Pressemitteilung zu einem neuen Buch über sie. „Die Stilikone und „Influencerin“ par excellence“ die andere. Stil ist wichtig, wenn über Marlene Dietrich gesprochen wird, es gibt viele legendäre Bilder von ihr – aus Filmen und von Auftritten. Längst ist bekannt, dass sie zeitlebens an ihrem eigenen Mythos gestrickt hat und dieses selbst entworfene Bild über ihren Tod hinaus Bestand hat. Biographien gibt es mittlerweile so einige. Nun aber nähern sich zwei Bücher der Schauspielerin nochmals an. 

 

Marlene Dietrich im Comic

Knesebeck Verlag
Knesebeck Verlag

Auf nur 140 Seiten versammelt die Comic-Biographie von Julian Voloj (Autor) und Claudia Ahlering (Illustratorin) „Augenblicke des Lebens“ von Marlene Dietrich. Den Rahmen gibt ein Interview, das ein Journalist mit Marlene Dietrich führt. Durch seinen Besuch in ihrer Pariser Wohnung erinnert sie sich an ihre Anfänge in Berlin, die Ehe mit Rudolf Sieber, der erste große Durchbruch mit Der Blaue Engel, die ersten Jahre in Hollywood und die Entwicklung dieser übergroßen Persona, an der Josef von Sternberg beteiligt war: in seinen Filmen nahm das öffentliche Bild von Marlene Dietrich seinen Anfang, auf das der Comic gleich zu Beginn verweist: Auf der ersten Seite ist ein einziges Bild, Marlene Dietrich im weißen Mantel, darunter ein paillettenbesetztes weißes Kleid, dazu in geschwungener Schrift der Anfang eines ihrer bekanntesten Lieder. In den folgenden Bildern wird mehr von diesem Auftritt gezeigt, hier ist der ganze Mythos zu erkennen: Diese schöne, kühle Frau auf der Bühne, das nahezu gesichtslose Publikum hört ihr zu – und zugleich ist da diese Aura der Unnahbarkeit. 

Julian Voloj, Claudia Ahlering/Knesebeck Verlag
Julian Voloj, Claudia Ahlering/Knesebeck Verlag

Schon hier zeigt sich, was diesem Band in der Folge immer wieder gelingen wird: Er versammelt die wichtigen Eckpunkte von Marlene Dietrichs Leben. Wer kaum etwas von ihr weiß, erfährt das Wesentliche, ohne dass es jemals erratisch oder aufgezählt wirkt. Dazu aber gelingt es Voloj und Ahlering immer wieder, besondere Atmosphären zu erzeugen: die große, lebenslange Zuneigung zwischen den Eheleuten, die sehnsüchtige Liebe mit Jean Gabin, das leidenschaftliche Engagement gegen den Nationalsozialismus, die Entrüstung als Marlene Dietrich die fortan verleugnete Schwester wiederfand, der letzte Karriereschritt als Sängerin und das Ende in Paris. Man taucht tief ein in dieses Lebens, ohne dass dieser gut recherchierte Band jemals behauptet, nur so kann es gewesen sein. Vielmehr entsteht insbesondere aufgrund der oftmals zarten Bilder schon früh der Eindruck, hier erinnere sich oder träume jemand – und beim Lesen ist man nur allzu bereit, in diese Träumereien einzusteigen. Bisweilen haben diese Erinnerungen eine subjektive Perspektive, die abermals den Moment vor Augen führen. Dazu trägt auch bei, dass die zu sehenden historischen Personen nicht exakt nachgebildet sind. Sie sind zu erkennen, keine Frage. Aber hier steht die Wahrnehmung über der exakten Abbildung. Dadurch ist im Zusammenspiel von Text und Bild in diesem Band sehr viel über das Leben von Marlene Dietrich zu erfahren – sowohl über das Märchenhafte als auch Harte, über die Arbeit und den Zauber, der damit verbunden ist. 

 

Die Kleider der Marlene Dietrich

Langenmüller
Langenmüller

Einen anderen Ansatz wählt Gabriele Katz in ihrer Biographie über Marlene Dietrich: Sie versucht, die Lebensgeschichte von ihr anhand ausgewählter Kleider ihres Lebens zu erzählen – und sich damit auch eingehend mit dem Aufbau ihres Images zu beschäftigten. Tatsächlich stehen die Kleider von Marlene Dietrich im Mittelpunkt: Immer wieder ist zu lesen, was sie getragen hat, wie sie für ihre Filmrollen die Kostüme oftmals in Zusammenarbeit mit den Kostümbildnern oder auch Modedesignern entwickelt hat. Diese minutiöse Vorbereitung ist interessant zu lesen – zumal Kostüme auch ein Aspekt der Filmarbeit bzw. der Auseinandersetzung mit Filmen ist, der oftmals kaum beachtet wird. Auch wird dadurch deutlich, welchen Einfluss Marlene Dietrich auf die Mode und den Stil ihrer Lebensjahre hatte. 

Allerdings schweift die Autorin immer wieder in kurze Exkurse zu der Kleidung anderer Schauspielerinnen ab. Vor allem aber fehlt eines in einem Buch über die „Kleider ihres Lebens“: Bilder dieser Kleider. Wie im Nachwort zu lesen ist, gibt es eine digitale Aufarbeitung der textilen Bestände aus dem Nachlass, dazu kommen natürlich Film- und Publicity-Stills. In das Buch jedoch haben zu wenige Bilder Eingang gefunden. Denn dieses Buch ist immer dann überzeugend, wenn erzählt wird – auch mithilfe von Zeichnungen – was hinter bestimmten Kleidungsstilen steckt. Und gerade weil es über Marlene Dietrich schon so viele Bücher gibt, wäre hier eine stärkere Konzentration auf diesen Aspekt wünschenswert gewesen. 

Julian Voloj, Claudia Ahlering: Marlene Dietrich. Augenblicke eines Lebens. Knesebeck Verlag 2021. 128 Seiten. 24 Euro. 
Gabriele Katz: Marlene Dietrich. Die Kleider ihres Lebens. Langenmüller 2021. 320 Seiten. 24 Euro. 

  • Methode Rainer Werner Fassbinder: Eine Retrospektive.
    Methode Rainer Werner Fassbinder: Eine Retrospektive.

    Fassbinder Forever

    Derzeit findet in der Bundeskunsthalle in Bonn bis zum 6. März 2022 eine Retrospektive zu dem Werk von Rainer Werner Fassbinder statt, der einige unvergessliche Werke geschaffen hat. Parallel dazu ist ein Ausstellungskatalog erschienen, der ein umfassendes Porträt Fassbinders sowie seine 45 Spielfilme und 25 Theaterstücke mit der damaligen deutschen Lebensrealität verbindet. Mit Beiträgen u.a. von Udo Kier, Elisabeth Bronfen, Wolfram Schütte, Michael Töteberg und Barbara Vinken. 

    Methode Rainer Werner Fassbinder: Eine Retrospektive. 272 Seiten. 350 Abbildungen. 48 Euro. Hantje Cantz Verlag 2021.

  • Patrick Lohmeier: Columbo, Columbo – das Buch zur Fernsehserie mit Peter Falk
    Patrick Lohmeier: Columbo, Columbo – das Buch zur Fernsehserie mit Peter Falk

    Eine Frage habe ich noch … 

    Geschätzt habe ich alle 69 Folgen mindestens einmal gesehen – und bin vermutlich nicht die einzige, die sich sofort an bestimmte Details erinnert, wie den Hund namens Hund. Columbo ist eine legendäre Fernsehserie, in der Verbrechen im Grunde genommen Rätsel sind, die ein Ermittler im zerknautschen Mantel löst. Peter Falk spielte den Polizisten, seine Gegenspieler wurden von Johnny Cash oder Willam Shatner verkörpert, Steven Spielberg und Jonathan Demme haben unter anderem Regie geführt. Diese Details und vieles andere mehr ist in Patrick Lohmeiers über Crowdfunding finanzierten Buch zu finden, das sich liebevoll, aber nicht unkritisch mit der Serie beschäftigt. 

    Patrick Lohmeier: Columbo, Columbo – das Buch zur Fernsehserie mit Peter Falk. 370 Seiten. Direkt beim Autor zu erwerben für 21,99 Euro (Print), 11,99 (E-Book) (Link: https://www.bahnhofskino.com/p/columbo.html)

  • Robert Lorenz: Traumafabrik. Hollywood im Film.
    Robert Lorenz: Traumafabrik. Hollywood im Film.

    Hollywood

    Auch dieses Buch ist als Book on demand erhältlich – und bestätigt noch einmal, dass es fernab von wissenschaftlichen Publikationen und Biografien das Filmbuch schwer hat bei deutschsprachigen Verlagen. Robert Lorenz hat sich anhand von 23 Filmanalysen aus 50 Jahren Hollywoodkino mit den Filmen auseinandergesetzt, in denen Hollywood sich selbst thematisiert. Dazu gehören natürlich Sunset Boulevard und The Last Tycoon, aber auch neuere Werk wie The Artist. Ein detailreiches und gutes Filmbuch über Hollywood. 

    Robert Lorenz: Traumafabrik. Hollywood im Film. Books on Demand 2021. 508 Seiten. 29,90 Euro. Ein Auszug aus dem Buch ist im CrimeMag zu lesen. 

  • Kerstin Parth et al. (Hrsg.): Aus der Werkstatt: Jessica Hausner
    Kerstin Parth et al. (Hrsg.): Aus der Werkstatt: Jessica Hausner

    Regisseurin im Porträt

    Nach Barbara Albert ist Jessica Hausner der zweite Band der Buchreihe „Aus der Werkstatt“ gewidmet, die im Verlag Sonderzahl erscheint. Darin haben die Herausgeber*innen Laura Ettel, Jana Libnik, Kerstin Parth und Nicolas Pindeus ein ausführliches Gespräch mit der Regisseurin geführt, in dem sie von ihrem Leben und Arbeiten erzählt. Besonders interessant sind die Einblicke in ihre Filmarbeit, in denen sie inszenatorische Entscheidungen erläutert. Ein sehr informativer Band, der mit Storyboards, Setfotos und persönlichen Texten abgerundet wird. 

    Kerstin Parth et al. (Hrsg.): Aus der Werkstatt: Jessica Hausner. Sonderzahl 2021. 180 Seiten. 16 Euro. 

  • Filmgeschichte kompakt
    Filmgeschichte kompakt

    Filmgeschichte

    Manchmal werden Wünsche erfüllt, die man noch nicht einmal geäußert hat: Bei edition text + kritik startet eine neue Buchreihe namens „Filmgeschichte kompakt“. Jeder Band wird sich der Filmgeschichte eines Landes oder einem nationalen Spezialthema widmen, den Auftakt machen nun „Der japanische Film“ von Kayo Adachi-Raube und „Der Film im Nationalsozialismus“ von Wolfgang Jacobsen. Beide Bände sind empfehlenswert: Adachi-Raube gelingt es auf rund 120 Seiten wichtige Filme und Regisseur*innen vorzustellen sowie politische, gesellschaftliche und technische Entwicklungen zu umreißen. Dazu präsentiert sie einen Kanon des japanischen Films der vergangenen 20 Jahre. Jacobsen schreibt sowohl über die ideologischen Voraussetzungen des nationalsozialistischen Films als auch über Filme und zeitgenössische Reaktionen. Dazu kommen Zitate aus der einschlägigen Literatur. 

    Kayo Adachi-Rabe: Der japanische Film. edition text + kritik 2021. 126 Seiten. 19 Euro.
    Wolfgang Jacobsen: Der Film im Nationalsozialismus. edition text + kritik 2021. 132 Seiten. 19 Euro.

  • Jonathan Coe: Mr. Wilder und ich.
    Jonathan Coe: Mr. Wilder und ich.

    Romanbiographie

    Im Sommer 1976 reist die junge Griechin Calista durch die USA und hat sich auf dem Weg mit der gleichaltrigen Gill angefreundet. In Los Angeles nun soll sich Gill mit einem Freund von ihrem Vater treffen und nimmt Calista mit. Bei dem älteren Herrn handelt es sich um Billy Wilder, mit dem sich Calista nicht nur anfreundet, sondern sie wird ihm auch bei den Dreharbeiten zu seinem Film Fedora helfen. Voller Anspielungen auf Filme und Hollywood hat Jonathan Coe vor allem über die Liebe zum Film geschrieben – und entwirft fast nebenbei eine Biographie von Billy Wilder. Eine schöne Spätsommerlektüre. 

    Jonathan Coe: Mr. Wilder und ich. Übersetzt von Cathrine Hornung. Folio Verlag 2021. 280 Seiten. 22 Euro.

  • Lawrence Schiller: Marilyn & Me.
    Lawrence Schiller: Marilyn & Me.

    Wiederauflage

    Im Taschen Verlag erscheint eine Neuausgabe des Buchs Marilyn & Me von Lawrence Schiller, in dem der Fotograf von seiner Begegnung mit Marilyn Monroe drei Monate vor ihrem Tod erzählt. Mit mehr als 100 Bildern und Outtakes von ihrem letzten Film ist dieses Buch eine Fundgrube – und zeugt auch von der ungebrochenen Faszination für Marilyn Monroe. Zumal erst in diesem Frühjahr auch der Roman Blond von Joyce Carol Oates im Ecco Verlag abermals erschienen ist. Aber mit Marilyn Monroe ist es wie mit Marlene Dietrich: man kommt offenbar nicht von ihnen los. 

    Lawrence Schiller: Marilyn & Me. 200 Seiten. Taschen Verlag 2021. 50 Euro. 

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