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Rauchen im Film

Ein Beitrag von Redaktion

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Filmstill zu Smoke (1995) von Wayne Wang
Smoke (1995) von Wayne Wang

Die Zigarette gehörte früher zum Krimi wie die Schusswaffe. Film Noir ohne Zigarette: geht gar nicht. Doch schon in den 1970er-Jahren änderte sich einiges im US-Film. Beispielsweise kam Serienkommissar Kojak (alias Telly Savalas) irgendwann ohne Zigarillos aus — plötzlich war er nur noch mit Lolli im Mund zu sehen, weil sich die Zuschauer über seinen früheren hohen Tabakkonsum beschwert hatten. In deutschen Krimis rauchten die Kommissare dagegen noch einige Zeit länger. Der Alte (alias Erik Ode) beispielsweise hüllte sich noch lange in dichte Rauchschwaden. Und auch Schimanski (alias Götz George) nutze noch in den 1980er-Jahren im Tatort die Zigarette, um seine grauen Zellen anzuregen. Heutzutage ist es allerdings auch in deutschen Film-Kommissariaten eher verpönt, zu rauchen.


Die Zigarette als Requisite — wie als Auslaufmodell
In vielen Filmen und Serien waren Zigaretten erstmal etwas völlig Normales. Und dabei oft eine beliebte Requisite. Es gibt berühmte Charaktere, die erst mit der Zigarette „perfekt“ wurden — wie z.B. James Bond. Oder waren ohne Zigarette hinsichtlich ihrer Coolness kaum vorstellbar — wie z.B. die Protagonisten in „Pulp Fiction“. Für manche Schauspieler wie Sharon Stone oder Marlon Brando war die Zigarette gar ein prägendes Stilmittel. In den 1960er-Jahren hat fast jede/r geraucht, Frauen wie Männer. Früher gab es in Filmen auch häufig „die Zigarette danach“.

Film und Fernsehen sind immer auch ein Spiegel aktueller Trends und der Gesellschaft. Deshalb verwundert es wenig, dass mittlerweile in immer mehr Filmen die E-Zigarette auftaucht — wie z.B. ein qualmender Johnny Depp in „The Tourist“.


Soziale Aufgaben der Medien
Sowohl Fernsehsender wie auch Filmproduzenten sind sich ihrer sozialen Vorbildfunktion im Allgemeinen durchaus bewusst. Deshalb ist es wichtig, dass sich diese kritisch mit dem Thema Rauchen auseinandersetzen. Zahlreiche Studien belegen, dass insbesondere Jugendliche ihre Filmhelden gerne nachahmen. Zigarettenabstinenz in Szenen muss demnach vor allem für positive Rollen gelten, mit denen sich gerade jüngere Zuschauer identifizieren — also solche, denen sie eher nacheifern.

 

Rauchen im Film dramaturgisch behandeln
Rauchen ist ohne Frage gesundheitsschädlich, aber existiert im Kinofilm eben auch als „kulturelle Praxis“ und ist dort dramaturgisch gesehen nicht zwangsläufig unwichtig. Es kann stattdessen von Bedeutung sein, ob der oder die ProtagonistIn im Film raucht. Die allermeisten Figurenzeichnungen lassen sich nicht eindeutig auf nur Gut oder nur Böse reduzieren. Der jeweilige Kontext ist wesentlich — auch das Rauchen im Film sollte dies für sich in Anspruch nehmen dürfen.

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