Darling der Woche: Eine Ikone des Sci-Fi: Robbie, the Robot

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Darling der Woche

Ein Beitrag von Bianka-Isabell Scharmann

Er war der sanfte Riese aus „Alarm im Weltall“, der dann eine ganz eigene Karriere durch Film und Fernsehen begann: Robbie, the Robot.

Drei Männer in Raumanzügen, ein älterer in schwarzer Kleidung und ein Roboter, der eine Laserkanone hält
Still aus "Alarm im Weltall"

“I rarely use it [oxygen] myself, Sir. It promotes rust.” So begrüßte Robbie die Crew von Capt. Adams (Leslie Nielsen) nach der Landung auf dem Planeten Altair 4, als der sich über den hohen Sauerstoffgehalt freute. Von seinem Erschaffer Dr. Morbius (Walter Pidgeon), den Capt. Adams und zwei seiner Offiziere später treffen sollten und zu dessen Rettung sie eigentlich auf den Planeten kamen, war er als Diener der Menschen programmiert worden. Robbie war witzig, integer und hatte besondere Fähigkeiten. Letztendlich könnte man sagen, dass Robbie zu groß war für die Fiktion, die ihn beherbergen sollte: Vom Kinderhelden wurde er zu einer Ikone des Sci-Fi mit Gastauftritten in Filmen und Serien.

 

Robbie von Altair 4

Schaut man sich das Poster zu Alarm im Weltall (1956) an, sieht man eine bekannte Trope: die der „Damsel in Distress“. Visualisierungen eines der bekanntesten Filmplots (und auch Videospiel-Setups) zeigen meist ein Monster, das eine wehrlose, oftmals blonde Frau in den Armen trägt. Man denke nur an King Kong. Es ist ein Aufruf: Jemand muss sie retten! Ein Held wird sich schon finden, der sie aus den Fängen der Monstrosität befreit - und vermutlich weitere Schändung ihres reinen Körpers zu verhindern (blond, weiß) weiß. Da sie — natürlich — unfähig ist, sich selbst zu retten. Ein Plot, so konventionell wie er problematisch ist und schon lange als Folie verbannt gehört.

Forbiddenplanetposter_0.jpg
Poster „Alarm im Weltall“ @Public Domain

In diesem Fall spielt das Bild jedoch tatsächlich mit der Konvention. Denn das Monster auf dem Plakat ist weder blutrünstig noch grausam, sondern der integre, aufmerksame Roboter Robbie. Die Szene, die man abgebildet sieht, kommt im Film selbst nämlich gar nicht vor.

Robbie wurde von Dr. Edward Morbius nach Vorlagen der Krell, einem erfundenen, jahrtausendealten und nun ausgestorbenen Volk, konstruiert, als Hausdiener und Freund seiner Tochter Altaira (Anne Francis). Denn „Alta“ (nach dem Planeten auf dem sie geboren wurde und ein Schelm, wer hier an klassische Zuschreibungen von Weiblichkeit als natürlich, als Erde und lebensspendend denkt) und ihr Vater leben allein auf dem Planeten. Sie sind die letzten Überlebenden der Bellerophon, ein Raumschiff, das zur Erforschung des Planeten entsandt worden war. Spätestens hier wird deutlich, dass der Film eine recht freie Adaption von Shakespeares Der Sturm ist. 

Und wer bei Robbie Ähnlichkeiten zu Isaac Asimovs literarischen Robotern vermutet, könnte ebenfalls recht haben: Er trägt denselben Namen wie der kleine Roboterfreund einer seiner Kurzgeschichten und ähnlich den Drei Gesetzen der Robotik (ohne diese zu erwähnen) ist auch Robbie programmiert. Und über diese Grundstruktur hinaus besitzt Robbie erstaunliche Fähigkeiten: er kann, wenn ihm durch den Schacht in der Mitte seines Körpers Speisen, Getränke oder andere organische Substanzen (wie Edelsteine, sehr zur Freude Altas) zugeführt werden, deren Zusammensetzung analysieren und reproduzieren. Cookie (Earl Holliman), der Koch der gerade gelandeten Crew, bekommt von Robbie sogar 60 Gallonen, das sind 227 Liter, Bourbon geliefert. 

 

Die Technik hinter dem Roboter

An Robbies Konstruktion waren verschiedene Departments der Produktionsfirma des Films, MGM, beteiligt. Es war jedoch Robert Kinoshita, der alle Ideen zu einer verschmolz. Interessant ist, dass Kinoshita vor seiner Arbeit für den Film Waschmaschinen designte und so ist es kein Zufall, dass Robbies Look teilweise an diese Geräte erinnert. Und wie im Film gibt es auch tatsächlich nur einen Robbie. Es wurde kein weiteres Exemplar gebaut.

Das Design des Roboters atmet die 1950er: Es entspricht dem, was man sich vorstellte, wie die Zukunft aussehen würde. Blinkende Augen an den Seiten, Ohren, die wie Radare alles in der Umgebung ‚hören‘, ein Hirn in der Mitte, dem man beim Arbeiten zuschauen kann. Schließlich ein Mund aus Neon-Röhren, der aufleuchtet, sobald Robbie spricht. Die Größe sollte nicht, wie im Fall von anderen Filmrobotern (man denke an ‘Gort‘ aus Der Tag, an dem die Erde stillstand (1951) oder Maria aus Metropolis (1927), die beide klar der menschlichen Form folgen und als Menschen in Anzügen erkennbar sind) auf den Typen hinter der Maske hinweisen. Daher wurde Robbie so von Kinoshita konstruiert, dass er um einiges größer war: Der Mensch sollte eliminiert werden, um die Zuschauer*innen zum Spekulieren zu veranlassen.

Aufgrund des Klirrens und Surrens, der lauten Arbeit der einzelnen Klappen und Ventile, musste der Dialog in jeder Szene, in der Robbie auftauchte, neu eingesprochen werden. Der Roboter gab so einen ohrenbetäubenden Lärm von sich, dass es unmöglich war, den Original-Sound zu benutzen.

 

Robbie in Film und Fernsehen

Weil Robbie auf so starke Resonanz vor allem bei den jüngsten Zuschauer*innen gestoßen war, wurde tatsächlich von Alarm im Weltall eine Version ohne Liebesplot geschnitten. Es gab Matinees extra für Kinder, nur mit ihrem Helden, Robbie the Robot. Aber es waren nicht nur Kinder, bei denen der Roboter starke Zuneigung und Begeisterung ausgelöst hatte.

Das ist der Grund für Robbies erstaunliche Karriere nach und außerhalb von Alarm im Weltall. Er war der erste Schauspieler, der sich selbst spielte - bevor es andere ihm nach tun sollten. In The Invisible Boy (1957) hatte Robbie dann seinen ersten Auftritt als eigenständige Person – als eben Robbie, the Robot. Auf diesen folgte dann direkt in 1958 in The Thin Man sein Fernsehdebüt. Joe Dante war ein großer Fan des Roboters und musste ihn daher unbedingt in seiner B-Movie-Produktion Hollywood Boulevard haben: ein Film zu großen Teilen aus Footage des New World Produktionsarchivs. Und in Gremlins (1984) verzichtete Dante ebenfalls nicht auf seinen Helden und setzte ihm zur Krönung noch einen Cowboy-Hut auf.

Insgesamt kam Robbie in sieben Filmen vor (ohne Alarm im Weltall). Die Zahl wird von seinen 27 Fernsehauftritten noch überboten. Manchmal wurde sein Körper auch leicht verändert, wie zum Beispiel in der Folge Uncle Simon der Serie The Twilight Zone (1963), wo er einen kastenförmigen Kopf erhielt, der ganz unter dem Glasdom steckte. “How do you do – I am the mechanical man“ – anderer Kopf, selber Körper – Barbara nennt ihn “Frankenstein”. 

In einer Folge von Mork & Mindy (1979) bringt Mork, gespielt von Robin Williams, Robbie hier als Roboter mit Namen Chuck mit nach Hause. Williams hat wohl nicht geahnt, dass er irgendwann einmal auf der anderen Seite sein und selbst im Roboterkostüm stecken würde – als Andrew in Der zweihundert Jahre Mann. Seinen bisher letzten Auftritt hatte Robbie in Stacked (2005). 

 

 

Damit endet jedoch nicht die Geschichte des Kostüms aus Alarm im Weltall: Es gab zum Beispiel Fans wie Fred Barton, die Robbie nachbauten. Es gibt Reproduktionen, die für 32.000 Dollar als Sammleredition in Lebensgröße verkauft werden. „A lot of people want this for their office“, sagte Barton in einem Interview. Der tatsächliche Roboter aus dem Film wurde dann in 2017 bei einer Auktion versteigert — für die unglaubliche Summe von 5,3 Millionen Dollar. Damit ist er das zweit-teuerste Filmprop, das je versteigert wurde — nach dem Aston Martin aus James Bond. 

Robbie war und ist Teil vieler Leben: Er prägte eine ganze Generation von Filmschaffenden und Fans, er war Begleiter und Idol und inspiriert bis heute Menschen, die im Bereich der Robotiks arbeiten. Kinoshita hat Robbie zwar seine endgültige Form gegeben und ein Film hat ihn zum Leben erweckt, aber lebendig erhalten haben ihn die Herzen der Fans, auf der Leinwand, im Fernsehen und als Figur zum Anfassen und Sammeln.

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