Gefühl und Verführung

Gefühl und Verführung

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Eine feinsinnige Hommage an Lebensfreude und Liebe

Es ist ein wunderbares, harmonisches und komfortabel gestaltetes Ambiente in der Toskana, das die zudem künstlerisch durchwirkte Kulisse dieses Spielfilms von Bernardo Bertolucci aus dem Jahre 1996 darstellt. Es ist ein gleichermaßen gemächlicher wie geschehnisreicher Sommer, der die Protagonisten dieser Geschichte auf einem malerischen Anwesen versammelt. Es sind Begehrlichkeiten, Selbstfindungsbestrebungen und die Vergänglichkeit in unterschiedlichsten Aspekten, die in Gefühl und Verführung mit atmosphärisch dichter Langsamkeit thematisiert werden.
Die 19jährige US-Amerikanerin Lucy (Liv Tyler) reist zu Freunden ihrer Mutter in die Toskana, nachdem sich diese das Leben nahm und in ihrem Tagebuch Andeutungen darüber hinterließ, dass der Vater ihrer Tochter nicht derjenige ist, mit dem sie aufwuchs, sondern dass Lucy einer einmaligen Liebesnacht entstammt, welche die Mutter vor zwanzig Jahren mit einem Mann auf demselben Landsitz von Diana (Sinéad Cusack) und Ian (Donal McCann) verbrachte, wo Lucy nun inmitten einer intellektuellen kleinen Gemeinschaft zu Gast ist und als bekennende Jungfrau ihrem ersten Liebesakt entgegenfiebert – mit wem, das weiß sie allerdings noch nicht.

Die Anwesenheit der aparten Lucy, die für den Bildhauer Ian Modell sitzt und sich unauffällig als Detektivin in Sachen Vaterschaft betätigt, trägt frischen Wind, alte Erinnerungen an ihre Mutter sowie eine erotisch aufgeladene Stimmung in das idyllische Anwesen von Diana und Ian, wo sich auch der sterbenskranke Schriftsteller Alex (Jeremy Irons) einquartiert hat, der von Lucy fasziniert ist und philosophierend den einen und anderen Joint mit ihr raucht. Zu Dianas Tochter Miranda (Rachel Weisz), die mit ihrem Freund Gregory (Jason Flemyng) bereits zum nahenden Geburtstag ihrer Mutter angereist ist, gesellt sich wenig später auch ihr Sohn Christopher (Joseph Fiennes), sein Freund Niccolo (Roberto Zibetti) und dessen Bruder Osvaldo (Ignazio Oliva), so dass das junge Volk für eine Weile das Geschehen dominiert. Lucy, die als Teenager in Niccolo verliebt war, gewinnt mit seiner Ankunft einen weiteren potenziellen Kandidaten für ihre sexuelle Initiation, die allerdings noch auf sich warten lässt …

Der italienische Filmemacher Bernardo Bertrolucci hat nach seinem monumentalen Werk Little Buddha von 1993 mit Gefühl und Verführung nach langer Zeit wieder einmal in seiner italienischen Heimat gedreht, und zwar einen leichtgängigen, in kleinem Rahmen angelegten Film, der mit seinem schlichten Charme und seiner milden Ironie wie die schöngeistige Momentaufnahme einer ästhetisch anspruchsvollen Betrachtung über angestaubte bis glorifizierte Erinnerungen und Ereignisse anmutet. Auch wenn zuvorderst Lucys Belange und Befindlichkeiten bezüglich ihrer Suche nach der Identität ihres Vaters sowie ihres Begehrens, die so bezeichnete Unschuld zu verlieren die Dramaturgie vorantreiben, schwebt die Figur der recht konturenarm gezeichneten Jungfrau einer Metapher gleich innerhalb des unspektakulären Geschehens eines Sommers. Das Motiv der Vergänglichkeit sowie der Sehnsucht nach Vergangenem vagabundiert vielfältig durch den Verlauf der Geschichte, die von ihren intensiven und intimen Stimmungen lebt. Dabei entspinnt sich ein lockerer, bei Zeiten melancholischer und bewegender visueller wie dialogischer Singsang über elementare Aspekte des Daseins, die perspektivisch im Spektrum zwischen jungem erwachsenen und fortgeschrittenem mittleren Alter angesiedelt sind. Hier herrschen eine gedankliche Großzügigkeit und Gelassenheit vor, die einerseits dem Lebensgefühl der Bohème entspringen und ferner auch als Grundhaltung diesen poetischen Film auszeichnet, der jenseits moralisierender Untertöne eine feinsinnige Hommage an Lebensfreude und Liebe darstellt.

Gefühl und Verführung

Es ist ein wunderbares, harmonisches und komfortabel gestaltetes Ambiente in der Toskana, das die zudem künstlerisch durchwirkte Kulisse dieses Spielfilms von Bernardo Bertolucci aus dem Jahre 1996 darstellt. Es ist ein gleichermaßen gemächlicher wie geschehnisreicher Sommer, der die Protagonisten dieser Geschichte auf einem malerischen Anwesen versammelt.
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