Bernardo Bertolucci

Bernardo Bertolucci

Bernardo Bertolucci, 1940 in der Nähe von Parma als Sohn des Lyrikers und Kritikers Attilio Bertolucci geboren, brach sein Literaturstudium in Rom ab, als er 1961 Pier Paolo Pasolini begegnete und wurde dessen Assistent bei Accatone (Accatone — Wer nie sein Brot mit Tränen aß). Ein Jahr später schrieb er das Drehbuch für seinen ersten Film La Commare Secca, der in Venedig uraufgeführt wurde.

1964 folgte Prima Della Rivoluzione (Vor der Revolution), ein fast autobiographischer Film über einen jungen Intellektuellen aus Parma. Bertolucci arbeitete als Dokumentarfilmer für das Fernsehen, unter anderem La Via del Petrolio, bis ihn Sergio Leone 1968 bat, das Szenario für Once upon the Time in the West (Spiel mir das Lied vom Tod) zu verfassen.

Im Laufe der Jahre schrieb er weitere Drehbücher: zu Gianni Puccinis Ballata da un Miliardo (1966), Gianni Amicos L`Inchiesta (Die Untersuchung, 1971) und im Jahre 2000 zu Clare Peploes The Triumph of Love. Mit dem Living Theatre drehte er die experimentelle Episode „Agonia“ für den Kompilationsfilm Amore e Rabbia (Liebe und Zorn, 1967), an dem u.a. auch Pier Paolo Pasolini und Jean-Luc Godard mitwirkten. Im Jahre 1969 drehte er La Strategia del Ragno (Die Strategie der Spinne).

Weltweite Aufmerksamkeit erlangte er durch Il Conformista (Der Konformist / Der große Irrtum) nach Alberto Moravias Roman über die Karriere eines bürgerlichen Intellektuellen im Faschismus. Große Resonanz in der Kritik und beim Publikum erzielte 1972 das kommerziell erfolgreiche, aber das wegen seiner sexuellen Freizügigkeit sehr umstrittene Drama Ultimo Tango a Parigi(Der letzte Tango in Paris) mit Marlon Brando und Maria Schneider in den Hauptrollen. Der Film brachte Bertolucci eine Oscar-Nominierung für die „Beste Regie“ ein, in seinem Heimatland entzog man ihm dagegen das Wahlrecht und Maria Schneider wurde aus Italien „verbannt“. Der Spezialist für anspruchsvolles Kino begeisterte vier Jahre später das Publikum mit seinem zweiteiligen Jahrhundertepos 1900 (1900 — Gewalt, Macht, Leidenschaft und 1900 — Kampf, Liebe, Hoffnung). Der Kampf zwischen Linken und Faschisten über zwei Generationen hinweg mit Robert De Niro und Gérard Depardieu zählt zu den Meilensteinen europäischen Kinos. Danach folgten 1979 La Luna (La Luna) und 1981 La Tragedia di un Uomo Ridicolo (Die Tragödie eines lächerlichen Mannes).

Bertoluccis Orientalismus-Phase beginnt mit The Last Emperor (Der letzte Kaiser), die wahre Geschichte von Pu Yi, Chinas letztem Kaiser. Nach vier Jahren Vorbereitung und Dreharbeiten in Pekings Verbotener Stadt war das Meisterwerk 1985 beendet und wurde zum internationalen Hit, ausgezeichnet mit neun Oscars, darunter für die „Beste Regie“ und als „Bester Film“. 1990 adaptierte Bertolucci Paul Bowles berühmten Roman The Sheltering Sky über den Ausbruch aus bürgerlicher Normalität. The Sheltering Sky (Himmel über der Wüste) wurde in der Sahara mit Debra Winger und John Malkovich gedreht. Zwei Jahre danach kehrte er in den Gernen Osten zurück, um Little Buddha (Little Buddha), die Suche nach Spiritualität in der Moderne, in Nepal und den Klöstern des Himalaya-Staates Bhutan zu realisieren. Drei Jahre später führte ihn Stealing Beauty (Gefühl und Verführung) nach Italien zurück, die Hauptdarsteller in diesem in der Toskana angesiedelten Film über Leben, Liebe und Tod waren Liv Tyler, Donal McCann und Sinead Cusack.

Seinen Film Shandurai und der Klavierspieler aus dem Jahre 1998 beschreibt Bertolucci als „ein Stück Kammermusik für das Kino“. Shandurai und der Klavierspieler wurde mit Thandie Newton und David Thewlis in Rom und Kenia gedreht.

Bevor er 2003 Die Träumer beendete, steuerte er noch einen zehnmütigen Beitrag über die Frage nach der Zeit, Histoire d’Eaux, zu dem Kompilationsfilm Ten Minutes Older: The Cello (Ten Minutes Older: The Cello) bei.

Filmographie — Bernardo Bertolucci (Auswahl)

2007
Bel canto

2003
Die Träumer (The Dreamers)

2002
Ten Minutes Older – The Cello

1998
Shandurai und der Klavierspieler (L’assedio)

1996
Gefühl und Verführung (Stealing Beauty)

1993
Little Buddha

1990
Himmel über der Wüste (The Sheltering Sky)

1986
Der letzte Kaiser (The Last Emperor)

1980
Die Tragödie eines lächerlichen Mannes (La tragedia di un uomo ridicolo)

1978
La Luna

1976
1900
2. Teil: Kampf, Liebe, Hoffnung

1975
1900
1. Teil: Gewalt, Macht, Leidenschaft

1972
Der letzte Tango in Paris (L’ultimo tango a Parigi)

1969
Der grosse Irrtum (Il conformista)
Die Strategie der Spinne (Strategia del ragno)

1968
Partner (Il sosia)
Liebe und Zorn (Amore e rabbia)

1966
Der Weg des Öls (TV) (La via del petrolia)

1963
Vor der Revolution (Prima della rivoluzione)

1962
Gevatterin Tod (La commare secca)
Himmel über der Wüste von Bernardo Bertolucci
Himmel über der Wüste von Bernardo Bertolucci
Kritik

Himmel über der Wüste (1990)

Für Melancholiker oder solche, die es werden wollen, ist es ein heftiges Vergnügen, sich in entsprechender Stimmung ein großartiges Werk des berühmt-berüchtigten Bernardo Bertolucci anzuschauen. Himmel über der Wüste / The Sheltering Sky nach einer Romanvorlage von Paul Bowles mit einer heiß-kalten […]
Gefühl und Verführung von Bernardo Bertolucci
Gefühl und Verführung von Bernardo Bertolucci
Kritik

Gefühl und Verführung

Es ist ein wunderbares, harmonisches und komfortabel gestaltetes Ambiente in der Toskana, das die zudem künstlerisch durchwirkte Kulisse dieses Spielfilms von Bernardo Bertolucci aus dem Jahre 1996 darstellt. Es ist ein gleichermaßen gemächlicher wie geschehnisreicher Sommer, der die Protagonisten […]