Napoleon (2002)

Napoleon (2002)

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Eine historische Narration aus der fiktiven Perspektive des Generals

Der französische Kaiser Napoléon I. (Christian Clavier), einstiger General Napoléon Bonaparte, befindet sich seit Oktober 1815 in der Verbannung auf der südatlantischen Insel St. Helena. Es ist die dort lebende junge Engländerin Betsy Balcombe (Tamsin Egerton), des Französischen mächtig, der Napoléon allmählich im Rahmen einer ungewöhnlichen Freundschaft seine bewegte und bewegende Lebensgeschichte erzählt. Dies ist die Konstellation der vierteiligen TV-Serie Napoleon unter der Regie des Kanadiers Yves Simoneau, die als multinationale Kooperation im Jahre 2002 mit einem Budget von über 40 Millionen Euro sowie einem illustren Star-Ensemble produziert wurde und nun bei StudioCanal erneut auf DVD erscheint.
Als der junge, aus Korsika stammende General Napoléon Bonaparte im postrevolutionären Frankreich die so aparte wie gesellschaftlich ambitionierte Witwe Joséphine de Beauharnais (Isabella Rossellini) kennen und lieben lernt, entsteht daraus rasch eine eheliche Verbindung. Während Joséphine sich dennoch weiterhin in den feinen aristokratischen und politisch bedeutsamen Kreisen der Hautevolee mit diversen Liebhabern verlustiert, avanciert Bonaparte in den internationalen Kriegswirren des ausklingenden 18. Jahrhunderts zu einem geschickten Feldherrn, der sich rasch erhebliches Ansehen innerhalb der Armee und beim französischen Volk erobern kann. Auch auf politischer Ebene erhält der gebildete und ehrgeizige General nach anfänglichen Unstimmigkeiten bald förderliche Unterstützung in Person des Außenministers Talleyrand (John Malkovich) sowie des Polizeiministers Fouché (Gérard Depardieu) und wird zum 1. Konsul der französischen Republik ernannt. Doch seine kämpferische wie sensationelle Laufbahn streckt sich ihrem Höhepunkt erst entgegen, als ihm die Kaiserkrone angeboten wird, die er sich mit dem Segen Papst Pius VII. (John Wood) selbst auf das energische Haupt setzt …

Bei derartig oppulent angelegten, prächtig ausgestatteten Historienfilmen, die zudem serienhaft mit populären Mitwirkenden für ein breites Fernsehpublikum produziert worden sind, liegt der Fokus meist – wie auch hier – auf dem geschichtlich verbrämten Unterhaltungswert und der Selbstwirksamkeit als fachkundig aufgewertetes Drama mit brauchbaren Hintergrundkenntnissen. Dabei fällt natürlich dem Ensemble und seinem Agieren – zuvorderst der bekannten Hauptfigur – die Rolle zu, seine Zuschauer durch möglichst pointiertes und markantes Auftreten unmittelbar zu berühren und bestenfalls zu begeistern, mitunter auch unabhängig von den Gesamtzusammenhängen der Dramaturgie. Bei Napoleon gelingt dieses Schaulaufen der Darsteller durchaus ansprechend, dafür sorgen bereits Stars wie Isabella Rossellini, Ludivine Sagnier, Gérard Depardieu und John Malkovich mit ihrer wuchtig-wichtigen Präsenz.

Mit Christian Clavier als Napoléon Bonaparte wurde ein europäisch und international recht wenig verbreitetes Gesicht gewählt, auch wenn er bereits zwei Mal als Asterix sowie in der populären TV-Produktion Les Misérables – Gefangene des Schicksals / Les misérables von Josée Dayan zu sehen war, ebenfalls gemeinsam mit John Malkovich und Gérard Depardieu. Zu Anfang des Films mag dies ein wenig enttäuschen bis irritieren, im Zuge seines eher bedächtigen als offensiven oder gar explosiven Spiels. Doch der Franzose komödiantischen Ursprungs, der bei den Dreharbeiten zu Napoleon bereits beinahe fünfzig war, versteht es mit dezentem Understatement, sich in seine Rolle hineinzuimplementieren, und dem etwas banalen Auftakt folgt bald ein unprätentiös überzeugender Kaiser, Familienmensch und Verbannter. Bedauerlich bleibt, dass die Dramaturgie von der sehr persönlichen fiktiven Sicht Napoléons formal wie inhaltlich wenig Gebrauch macht und der Hauptfigur damit einiges an gutem Potenzial abschöpft.

Die historischen Hintergründe, nicht immer sorgfältig installiert, werden allerdings anregend in vielschichtigen Dialogen der Protagonisten repräsentiert, und die Schlachtfelder als bedeutsame Territorien der Aktionsebene finden eine breite, glücklicherweise nicht bewusst brutal orientierte Berücksichtigung. Die Rahmenhandlung spielt charmant mit der Zuschreibung tiefer freundschaftlicher Aspekte an die Person des berühmtesten französischen Feldherrn, und Tamsin Egerton als seine empathische Vertraute Betsy Balcombe ist ganz zauberhaft aufgelegt. Die bedeutsame Paarbeziehung von Joséphine und Napoléon gestaltet sich möglicherweise intendiert kühl, was auch die innigen Momente betrifft und die insgesamt überblickende Ausrichtung der Fernsehfolgen noch zusätzlich betont. Dass es bei der deutschen Neuauflage einer derart großzügigen Produktion weder eine französische Tonspur, noch flankierendes Bonusmaterial gibt, ist zwar unverständlich, verweist jedoch wie die einzelnen Teile der kleinen TV-Serie selbst auf die Aufforderung eines leichtgängigen, schnörkellosen Konsums der DVD, die in schmuckem Cover daherkommt.

Napoleon (2002)

Der französische Kaiser Napoléon I. (Christian Clavier), einstiger General Napoléon Bonaparte, befindet sich seit Oktober 1815 in der Verbannung auf der südatlantischen Insel St. Helena. Es ist die dort lebende junge Engländerin Betsy Balcombe (Tamsin Egerton), des Französischen mächtig, der Napoléon allmählich im Rahmen einer ungewöhnlichen Freundschaft seine bewegte und bewegende Lebensgeschichte erzählt.
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