22 Ways to Die

22 Ways to Die

Eine Filmkritik von Martin Beck

Das Leitmotiv: T wie Toilet

Ein spannendes Konzept: 26 Regisseure drehen 26 Filme à 5 Minuten und 5.000 Dollar zum Thema Tod. Die Buchstaben des Alphabets geben den Titel vor. Und formale oder inhaltliche Grenzen gibt es nicht.
Ins Leben gerufen haben diesen Omnibusfilm Ant Timpson, der in Neuseeland sowas ähnliches wie das Fantasy Filmfest veranstaltet, und Tim League, der Chef des Alamo Drafthouse Cinemas. Beide kennen quasi von Berufswegen her eine Menge Regisseure, so dass eine Besetzung aller 26 Buchstaben kein Problem darstellte.

Und auch die Umsetzung der Vorgaben war problemlos möglich, wobei vor allem die grenzenlose Gestaltung der fünf Minuten auf große Liebe stieß. Ein guter Teil der Filme strotzt nur so vor Gewalt und Blut, und das heimliche Leitmotiv der Veranstaltung, T wie Toilet, wird ebenfalls ausgiebig gewürdigt.

Wer bei 22 Ways to Die den augenplatzenden Zukunftsmarkt zukünftiger Genregrößen erwartet, muss sich leider auf überwiegend platte, ziellose und/oder geschmacklose Beiträge einstellen, die wirklichen Horror mal wieder mit „gross out“-Geschrei verwechseln. Weil das Format natürlich auch heißt, dass das Budget und fünf Minuten zu knapp für richtige Kinnhaken sind.

Ein Omnibusfilm besitzt per se schwankende Qualität und wenn gleich 26 Filme anwesend sind, trifft das natürlich noch stärker zu. In Deutschland nun wird dieses Auf und Nieder zumindest etwas abgeschwächt, denn die FSK hat stolze 4 Buchstaben, genauer: L, V, X, und Y, auf die Ersatzbank gezwungen – was den Originaltitel (=The ABCs of Death) mindestens erschwert und den ursprünglichen Untertitel (=26 Ways to Die) auf die finale „deutsche“ Namensgebung namens 22 Ways to Die schrumpfen lässt.

Wer sich diesen Film also ansehen möchte, sollte auf jeden Fall auf die vollständige Leihversion (die dann folgerichtig 26 Ways to Die heißt) oder die ebenfalls erhältliche Export-Fassung via Österreich zurückgreifen. Es versteht sich natürlich von selbst, dass genau die vier verbannten Episoden zu den besseren zählen. L wie Libido (Timo Tjahjanto) verbindet Hostel mit Eyes Wide Shut und zeigt unter anderem eine Vagina mit Auge, V wie Vagitus (Kaare Andrews) ist eine edel inszenierte Cyberpunk-Dystopie, X wie XXL (Xavier Gens) serviert Selbstverstümmelungen Marke Frontier(s) und Y wie Youngbuck beweist, dass Hobo With a Shotgun-Regisseur Jason Eisener immer noch ein großer Freund fieser achtziger-Jahre-Synthesizer ist.

Überhaupt, die Regisseure: Da tummeln sich etliche Genregrößen, wie z.B. Nacho Vigalondo (Timecrimes), Jorge Michel Grau (Wir sind was wir sind), Ti West (The House of the Devil), Srdjan Spasojevic (A Serbian Film) oder Ben Wheatley (Sightseers) – die aber eher öfter als seltener keinen Ansporn jenseits alberner Fragezeichen entwickeln. Ti West z.B. spült seine Episode, M wie Miscarriage, wortwörtlich im Klo runter, Q wie Quack (Adam Wingard) erschießt eine Ente, in N wie Nuptials (Banjong Pisanthanakun) überführt ein Papagei einen untreuen Ehemann und P wie Pressure (Simon Rumley) lässt eine arme Frau auf Katzenbabies herumtrampeln.

Es stimmt natürlich, dass die kurze Laufzeit der einzelnen Filme keine allzu großen Schmerzen verursachen kann, aber wenn erst mal drei, vier Flops am Band verdaut wurden, kommt das Fernglas zum Einsatz – das dann mit H wie Hydro-Electric Diffusion (Thomas Cappelen Malling), bei dem schräge Naziploitation auf dem Programm steht, O wie Orgasm (Bruno Forzani und Helene Cattet), einer eleganten Weiterführung von Amer, und U wie Unearthed (Ben Wheatley), der einer subjektiv gefilmten Vampirtötung britischen Humor verpasst, sogar einige echte Höhepunkte entdeckt. Selbstverständlich neben den Episoden zwischen 22 und 26, die aber ja nur über Umwege zu sehen sind.

22 Ways to Die ist der dem Format entsprechende Gemischtwarenladen, der nur leider zu wenig Vielfalt in den Regalen bietet. Neben einigen zumindest amüsanten Höhepunkten übernehmen zu oft juvenile Körperfunktionen das Kommando. Hauptsache Gore, Titten und Sperma, dann sind fünf Minuten auch schon rum wie nix.

22 Ways to Die

Ein spannendes Konzept: 26 Regisseure drehen 26 Filme à 5 Minuten und 5.000 Dollar zum Thema Tod. Die Buchstaben des Alphabets geben den Titel vor. Und formale oder inhaltliche Grenzen gibt es nicht.
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