Spielmacher (2018)

Spielmacher (2018)

Eine Filmkritik von Sonja Hartl

Ein schmutziges Spiel

Gefängnistore öffnen sich, ein Mann tritt heraus. Ivo (Frederick Lau) hat seine Strafe abgesessen und kommt nun frei. Er macht sich auf in die Stadt, einsam streift er durch nächtliche Ruhrgebietsstraßen, wirft einen sehnsüchtigen Blick auf ein Spielcasino, aber geht vorbei. Er will ihn wagen, den Neuanfang. In diesen ersten Bildern ist Spielmacher von Timon Modersohn stilistisch nah an typischen Großstadtthrillern. Die Atmosphäre stimmt, wenn Frederick Lau auf der Rolltreppe fast das gesamte Bild ausfüllt oder mit Liegestützen seine Aggression austrainiert.

Jedoch zeigt sich nach diesem vielversprechenden Anfang schon bald das Hauptproblem des Films: Es gibt verschiedene Wege, die Geschichte von Ivo zu erzählen, aber hier wird keiner von Anfang bis Ende gegangen, sondern vielmehr sollen viele kleine Nebenpfade zum Ziel führen. Außerdem kann sich der Film in letzter Konsequenz nicht entscheiden, Ivo nicht als Helden zu inszenieren, obwohl er doch keiner ist. Denn nachdem er bei Vorstellungsgesprächen zu hören bekommt, dass bei seiner Vorgeschichte eine Anstellung nicht möglich sei, oder er entlassen wird, als er an der Tankstelle das Trinkgeld, das ihm ein Fahrer gegeben hat, nicht beim Chef abliefert, macht Ivo, was er schon immer getan hat: Er gibt auf. Statt ein neues Leben zu beginnen, nimmt er sein letztes Geld, geht in das Casino, das er anfangs sehnsüchtig anschaute, und wettet auf ein Fußballspiel.

Ivo gewinnt. Er versteht etwas vom Fußball, er kann das Spiel lesen. Und da ist es, das Gefühl der Kontrolle, das Gefühl, etwas zu können. Mit seinem Verhalten erregt er die Aufmerksamkeit von Dejan (Oliver Masucci) – und beim nächsten Mal bietet dieser ihm eine höhere Wette an. Kurz zögert er: beim ersten Mal und bei der Wette mit Dejan. Dennoch lässt er sich darauf ein – und während der Film immer wieder suggeriert, Ivo wüsste nicht, worauf er sich eingelassen hat, ist doch in seinem Gesicht klar zu erkennen, dass er es sehr wohl weiß.

Ivo stolpert durch sein Leben und daran hat wohl auch das Gefängnis nichts geändert. Sicherlich hatte er es schwer, seine Mutter starb, sein Vater hat ihn hängen lassen, einziger Halt gab ihm der Fußball. Doch Spielmacher will nicht nur die Geschichte von Ivo erzählen, sondern von etwas Größerem: dem Geschäft mit dem Fußball. Denn hier wird auf Fußball gewettet: Anfangs auf Siege oder Niederlagen der Mannschaften in der Bundesliga. Aber schon bald lernt Ivo, dass sich auch in unteren Ligen mit Wetten Geld verdienen lässt – und zwar nicht zu knapp. In China ist Wetten zwar verboten, aber illegal lässt sich auf alles wetten: eine rote Karte, einen verschossenen Elfmeter und mehr. Damit die richtigen Leute dabei gewinnen, werden Spiele manipuliert – und Ivos Aufgabe wird es sein, die Spieler zu überzeugen, dabei mitzumachen. Wie er das macht, ist nicht zu hören. Denn schließlich soll er ja nicht allzu unsympathisch wirken. Zumal er sich auch noch um Lukas (Mateo Wansing Lorrio) kümmert, den aufstrebenden Nachwuchsstar seines ehemaligen Vereins. In Lukas haben wir eine Version des jüngeren Ivo, der einst eine falsche Entscheidung getroffen hat, außerdem erhält der Film hier nun einen Schuss Familiendrama. Dabei wird die Annäherung zwischen Ivo und Lukas und mit Ivos Mutter Vera (Antje Traue) mit einigen Momenten abgehandelt, denn ihre einzige Funktion besteht darin, Ivo eine Alternative zu bieten.

In diesem Film steckt so viel spannender Stoff, allein die Montage, in der die Wettwege geschildert werden, hätte Ausgangssituation eines spannenden Thrillers sein können. Aber das Drehbuch ist allzu unentschlossen, brisante Themen werden nicht wirklich angepackt, stattdessen versteigt sich der Film letztlich darauf, dass alles nicht so schlimm ist, solange man nur Gutes will. Und das ist schade, denn sowohl mit der guten Besetzung als auch insbesondere mit den bisweilen beeindruckenden Bildern (Kamera: Christian Rein, Szenenbild Tamo Kunz) von den nächtlichen Großstädten im Ruhrgebiet oder auch im Hamburger Hafen wäre sehr viel möglich gewesen.

Spielmacher (2018)

Mit Ivos Fußball-Karriere ist es lange vorbei. Nach seiner Vorstrafe sah es für das vielversprechende Talent auf dem Spielfeld schlecht aus und seither ging es nur bergab. Da trifft er eines Tages Lukas, ein junger Nachwuchsspieler, den er nicht nur zu fördern beginnt, sondern auf den er auch seine eigenen unverwirklichten Träume projizieren kann. Mit der rosigen Zukunft sieht es bald wieder mau aus, als der kriminelle Dejans Ivo wieder zu Straftaten anstiften möchte und dieses Mal auch nicht vor seinem Schützling halt macht.

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Spielmacher von Timon Modersohn
Spielmacher von Timon Modersohn
Spielmacher von Timon Modersohn
Spielmacher von Timon Modersohn
Spielmacher (2018) - Trailer 2 (deutsch)
Spielmacher (2018) von Timon Modersohn - Trailer (deutsch)
Meinungen
Stefan · 13.05.2018

sehr guter Film

Ingrid · 13.05.2018

Ich liebe den Film

Klaus · 10.04.2018

Freu mich auf das Drama und gehe ins Kino

marlen · 03.04.2018

Freddy!!! Spielmacher!

Commandante · 29.03.2018

sieht so gar nicht nach deutschem film aus.!!!! freu mich auf Vince Freddy Lau!

Rolando · 29.03.2018

Trailer knallt gut rein! Den zieh ich mir rein.

Linda · 28.03.2018

mega! die vier blocks und dark gang vereint. Spielmacher - bin gespannt!!!

Dejan · 23.03.2018

Genre Kracher aus Deutschland mit Freddy Lau. Das zieh ich mir rein!

Kommentare

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Titel
Spielmacher (2018)
Ein schmutziges Spiel
Startdatum
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Genre

Daten und Fakten

Produktionsland
Filmlänge
99 Min
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