The Football Factory

The Football Factory

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Von der Faszination des Hooligantums

Eine ganz besondere Sorte Fußballfans porträtiert der britische Regisseur Nick Love nach dem gleichnamigen Roman von John King, der unter dem deutschen Titel Der letzte Kick erschien: Der nicht mehr ganz so junge Tommy Johnson (Danny Dyer) ist ein eingefleischter Anhänger des FC Chelsea und verbringt seine gesamte Freizeit mit einer Gang von schlagkräftigen Hooligans, die gleich einer Firma oder Familie organisiert sind und eine brutale Kultur von regelmäßigen, geradezu rituellen Prügeleien nach den Spielen ihres geliebten Vereins als wichtigsten Lebensinhalt etabliert haben. Dabei handelt es sich nicht vorrangig um Jugendliche, sondern überwiegend um erwachsene Männer, für die deftige Trink- und Drogengelage unbedingt zu den bevorzugten Gepflogenheiten um ihre Fußball-Leidenschaft zählen. Bewusst verzichtet The Football Factory vollständig auf die Darstellung von sportlichen oder atmosphärischen Aspekten rund um den Ballsport – da taucht keine einziger Spieler von The Blues auf, keine einzige Stadionszene ist zu sehen, sondern hier geht es in puristischer, konzentrierter Form um die Prügel-Passion der Hooligans, ihre internen Gruppenstrukturen sowie um ihren ganz gewöhnlichen Alltag um Job und Familie. Der Ich-Erzähler Tommy Johnson, der sich auf Grund seiner doch recht eintönigen und begrenzten Lebensform gerade in einer handfesten Sinnkrise befindet, kommentiert die Ereignisse mit deftigem Sarkasmus und ebensolcher Selbstironie, wobei er sich mit der rasanten Dynamik des Films und schweren Verletzungen auf die Frage zubewegt, ob es das letztlich „alles wert“ sei.
Nicht das Fußballspiel als im besten Fall spannende Sportveranstaltung ist es, um das die eingeschworene Hooligan-Gruppe des Blumenhändlers Billy Bright (Frank Harper) kreist, sondern vielmehr die handgreiflichen Begegnungen mit feindlichen Fußball-Fans nach den Spielen des FC Chelsea, zu denen sie sich regelmäßig an ausgesuchten Orten jenseits der Polizeipräsenz verabreden – wie praktisch, dass sich solcherlei Termine mittlerweile schlichtweg per Mobilfon diskret organisieren lassen. Hier wird geprügelt und getreten, bis Blut fließt und das Bedürfnis nach Selbstbehauptung und krudem Kampf erst einmal befriedigt ist – bis zum nächsten Spiel. So unabdingbar und begeistert Tommy auch dabei ist, setzt ihm dieser von schweren Drogen und Schlägen flankierte Lebensstil doch langsam zu, so dass er zunehmend von Halluzinationen geplagt wird, die ihn zur Umkehr gemahnen …

The Football Factory mit seinem wilden Soundtrack mit Songs von The Rapture, The Streets, Razorlight und zahlreichen weiteren Bands der harten Beats stellt im Grunde eine zynische, betont provokante und kategorisch undifferenzierte Satire dar, die mit ihrer pfiffigen dramaturgischen Gestaltung dem Hooligantum ein kräftig augenzwinkerndes Denkmal setzt. Es geht hier absolut nicht darum, diesen energisch gegen alle abmildernden Tendenzen verteidigten Habitus der rohen kriminellen Männlichkeit zu problematisieren oder hintergründig zu analysieren, sondern Regisseur Nick Love setzt vollkommen auf die spaßige Verklärung dieses Phänomens, dem man am Ende der Geschichte recht ratlos gegenübersteht. Nicht zuletzt dieser geschickt installierte Effekt sowie die rigorose Ungezähmtheit der Geschichte üben eine gewisse, leicht verstörende Faszination auf den gewöhnlichen Zuschauer aus, während einschlägige Anhänger und Sympathisanten der Szene sich durch diesen Film wohlig verstanden fühlen dürften. Das ist ein überaus gelungener Balanceakt der schrägen Art zu einem brisanten sozial-politischen Thema aus einer herausfordernden Perspektive, die den Genuss eines verpönten Symptoms der Brutalität betont, der unbestreitbar deutlich vorhanden ist. Unter den ansprechenden Extras der DVD sind ist es vor allem der Audiokommentar des Sportjournalisten Philipp Köster und des Radiomoderators Trevor Wilson, die als Experten zu diesem Thema aus dem Nähkästchen plaudern, der den Film höchst interessant begleitet.

The Football Factory

Eine ganz besondere Sorte Fußballfans porträtiert der britische Regisseur Nick Love nach dem gleichnamigen Roman von John King, der unter dem deutschen Titel „Der letzte Kick“ erschien: Der nicht mehr ganz so junge Tommy Johnson (Danny Dyer) ist ein eingefleischter Anhänger des FC Chelsea und verbringt seine gesamte Freizeit mit einer Gang von schlagkräftigen Hooligans, die gleich einer Firma oder Familie organisiert sind und eine brutale Kultur von regelmäßigen, geradezu rituellen Prügeleien nach den Spielen ihres geliebten Vereins als wichtigsten Lebensinhalt etabliert haben.
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