Les plus belles années d'une vie (2019)

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Mehr als 50 Jahre nach Claude Lelouchs „Un homme et une femme“ (1966) wagt sich der Regisseur an eine Art Fortsetzung mit dem Personal von damals und geht der Frage nach, warum die Liebe nicht hielt. Wird er eine Antwort finden?

Les plus belles années d'une vie (2019)

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Wiedersehen nach über 50 Jahren

Claude Lelouchs Idee einer Fortsetzung seines mit zwei Oscars ausgezeichneten Kultklassikers „Un homme et une femme“ ist nicht gerade neu und muss sich – schlimm genug für die cinephile Grande Nation - an Richard Linklaters „Before“-Trilogie messen lassen. Wobei der Altmeister gegenüber seinem jüngeren amerikanischen Kollegen dann doch den Kürzeren zieht. Wenn man freilich bedenkt, dass sich Lelouch schon 1986 an einem Sequel versuchte, das wenig phantasievoll schlicht „Un homme et une femme, 20 ans déjà“ benannt war, herrscht zumindest nach Teilen Gleichstand.

Der frühere Rennfahrer Jean-Louis Duroc (Jean-Louis Trintignant) lebt mittlerweile in einem Altersheim. Der Geist ist müde geworden, immer wieder spielt ihm sein Gedächtnis einen Streich, wenn er sich an Dinge nicht mehr erinnert, die er kurz zuvor noch wusste. Eines aber erinnert er ständig – die Zeit mit Anne, die ihm nie mehr aus dem Kopf gegangen ist. Also macht sich sein Sohn Antoine (Antoine Sire, der bereits damals Jean-Louis’ Sohn spielte) auf die Suche nach ihr und wird schließlich fündig. Anne (Anouk Aimée) ist sichtlich bewegt, als Antoine sie aufsucht und ihr vom Zustand seines Vaters und dessen Erinnerungen an sie erzählt. Also erklärt sie sich bereit, den Liebhaber von einst zu besuchen. Zwischen Erinnern und Vergessen tauschen die beiden sich aus, wobei Anne ihn anfangs im Unklaren über ihre Identität lässt und er sie nicht wiederzuerkennen scheint. Eines aber weiß er ganz genau: Er will raus aus diesem Gefängnis – und Anne soll ihm dabei helfen …

An etlichen Stellen wirkt Les plus belles années d’une vie wie eine billig heruntergekurbelte Fernsehproduktion und die besten Momente des Films sind ausgerechnet die, in denen Lelouch auf das Material seines Films aus dem Jahre 1966 zurückgreift (was gottlob einigermaßen häufig geschieht) und man selbst als Zuschauer, der das Original vielleicht noch nicht kennt, genau sieht, welche besondere, knisternde Chemie zwischen Jean-Louis Trintignant und Anouk Aimée auf der Leinwand herrschte.

Auch eine Sequenz von Lelouchs legendärem Kurzfilm C’etait un rendez-vous, für den Lelouc mit 200 km/h und unter Umgehung nahezu jeder Verkehrsregeln durch das frühmorgendliche Paris raste, findet Eingang in Les plus belles années d’une vie und sorgt wenigstens für etwas Bewegung und Tempo in einer doch recht behäbigen und lahmen Selbsthommage, die allenfalls Gnade vor den Augen eingefleischter Lelouch-Fans und hoffnungsloser Kino-Nostalgiker mit niedrigen Ansprüchen finden dürfte. Für alle anderen gilt aber: doch lieber noch einmal das Original anschauen und den Mantel des gnädigen Vergessens über dieses unnötige Sequel decken.

Les plus belles années d'une vie (2019)

Der neue Film von Claude Lelouc ist ein Sequel von „A Man and a Woman“, der 1966 die Goldene Palme und 1967 den Oscar als bester nicht-englischsprachiger Film gewann. Über den Inhalt ist noch nichts bekannt, aber fest steht, dass Jean-Louis Trintignant und Anouk Aimée abermals mit dabei sein werden.

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