Das ausschweifende Leben des Marquis de Sade

Das ausschweifende Leben des Marquis de Sade

Eine Filmkritik von Peter Osteried

Das langweilige Leben des Marquis de Sade

Gleich drei Regisseure machten sich daran, die Lebensgeschichte von Marquis de Sade zu erzählen. Jeder hatte seine eigenen Vorstellungen, in der Gesamtheit erwacht das Werk jedoch nicht zum Leben. Die AIP-Produktion ist etwas, das den Filmen dieses Studios nur selten nachgesagt werden konnte: Sie ist unglaublich träge und langweilig.
Ein Text ist der Geschichte vorangestellt. Er erklärt, wie viele Jahre de Sade im Gefängnis saß und dass er sich wünschte, die Erinnerung an ihn würde vollends und für immer ausgelöscht. Doch das Schicksal kennt Ironie – und so wurde de Sade zum Namenspatron einer ganzen Spielart der Sexualität. Mit seinem eigenen Hang zum Sadismus befasst sich der Film natürlich auch, in der Umsetzung bleibt er jedoch hinter den Erwartungen zurück. Oder anders gesagt: Anstatt eines Roger Corman, Cyril Endfield oder Gordon Hessler hätte eben ein Jess Franco seine dreckigen, kleinen Finger im Spiel haben müssen.

So jedoch gerät der sleaze-Aspekt einer Drive-in-Monstrosität wie dieser völlig ins Hintertreffen. Wenn es nackte Haut zu sehen gibt, wenn der Marquis mit einer Peitsche hantiert, dann ist das in psychedelische Farben gehaucht, verzerrt, surreal, dergestalt, dass man von hehrer Kunst sprechen sollte. Das war zumindest der Wunsch der Macher, sollte der Film doch Arthaus mit Exploitation vermengen, verrät dabei aber beides.

Die Lebensgeschichte des Marquis ist nicht uninteressant, die zerfaserte Narration, die keinem roten Faden folgt, sondern sich in Vignetten ergeht, wird ihr jedoch nicht gerecht. Was aufregend, ja, auch erotisch sein sollte, verkommt hier zur Langeweile par excellence.

Zudem leidet der Film an seinem Hauptdarsteller. Keir Dullea, der damals gerade mit 2001 – Odyssee im Weltraum einen Erfolg hatte, müht sich, wirkt aber in fast jeder Einstellung überfordert. Er kann sich der Figur nicht nähern, wenn er sich in de Sades Perversionen verlieren soll, bleibt er immer distanziert. Man nimmt ihm die Rolle nicht ab. Aber auch das übrige Ensemble bekleckert sich nicht mit Ruhm. Einzig bemerkenswert ist John Huston, der zu dem Zeitpunkt seine Projekte schon nicht mehr nach Qualitätsmaßstäben, sondern nach der Höhe des Gagenschecks aussuchte. Das Ergebnis ist eine überbordende Darstellung eines alten Lüstlings. Das zeigt immerhin Wirkung.

Ansonsten kann Das ausschweifende Leben des Marquis de Sade nur zum Ende hin punkten, wenn die mäandernde Geschichte in einem Fanal der Zerstörung und einer Orgie des Fleisches kulminiert, die vor allem eines ausstrahlt: 1960er-Chic. Unterm Strich ist das aber zu wenig. Kein Film, den man wiederentdecken muss.

Das ausschweifende Leben des Marquis de Sade

Gleich drei Regisseure machten sich daran, die Lebensgeschichte von Marquis de Sade zu erzählen. Jeder hatte seine eigenen Vorstellungen, in der Gesamtheit erwacht das Werk jedoch nicht zum Leben. Die AIP-Produktion ist etwas, das den Filmen dieses Studios nur selten nachgesagt werden konnte: Sie ist unglaublich träge und langweilig.
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