Die Ausgebufften

Die Ausgebufften

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Eine vulgäre Satire mit derber Dynamik

Über fünf Millionen erwachsene Menschen strömten 1974 in die französischen Kinos, um sich Die Ausgebufften von Bertrand Blier anzuschauen, dem rasch der Ruf eines Sexfilms mit reichlich nackter Haut und offensiven Bildern entsprechender Aktionen anhaftete, in Kombination mit einem respektlosen Umgang besonders mit den weiblichen Wesen. Bis Juni dieses Jahres war dieser dreiste erotische Schelmenstreich in Deutschland indiziert, und nun erscheint er bei FilmConfect innerhalb der Edition Cinema Francais freigegeben ab 18 Jahren. Mittlerweile längst als gesellschaftskritischer, zynischer Klassiker bewertet besticht diese zotige Komödie noch heute durch ihre Dynamik am Rande der Geschmacklosigkeit sowie durch die frische Heftigkeit ihrer inzwischen weltberühmten Darsteller wie Gérard Depardieu, Miou-Miou, Jeanne Moreau und Isabelle Huppert sowie auch Patrick Dewaere, dessen Karriere 1982 mit seinem Freitod endete.
Es sind zwei üble junge Burschen Anfang zwanzig, die hier ziellos durch eine ländliche Gegend Frankreichs vagabundieren, schamlos Frauen belästigen und keine Gelegenheit zu einem spontanen Raub auslassen, was ihnen auch noch sichtbares Vergnügen bereitet: Die beiden engen Freunde Jean-Claude (Gérard Depardieu) und Pierrot (Patrick Dewaere) leben anarchistisch in den Tag hinein und überschreiten dabei die Grenzen der Gesetze und Anständigkeit, stets auf der Suche nach ausgefallenen erotischen Eskapaden, die sich letztlich jedoch meist als Enttäuschungen entpuppen. Innerhalb ihres extrem vulgären Sprachduktus schimmert gelegentlich der Wunsch nach sexueller wie emotionaler Erfüllung für sich selbst wie auch für eine imaginäre Partnerin durch, doch auch ihre gemeinsame Bettfreundschaft mit der naiv-willigen Friseuse Marie-Ange (Miou-Miou) erweist sich als unbefriedigend.

Nachdem Jean-Claude erfolglos versucht hat, den verletzten und zeitweise zur Erektion unfähigen Pierrot zu einer intimen Zweisamkeit zu verführen, verfallen die beiden schließlich auf die Idee, sich eine reifere, sexuell ausgehungerte Frau zu suchen, von der sie sich erhebliches erotisches Engagement versprechen. Prompt treffen sie vor einem Frauengefängnis die attraktive Jeanne (Jeanne Moreau) an, die nach Jahren der Haft gerade entlassen wird. Misstraut sie anfangs auch den überraschenden Avancen der unbekannten Männer, sich in jeder Hinsicht um sie zu kümmern, zieht sie dann doch mit ihnen los, nachdem Jean-Claude ihr zur Sicherheit seine Pistole überreicht hat. Nach geruhsamen Momenten in der Natur, dem Einkauf angemessener Kleidung und einem üppigen Mahl für Jeanne führt ihr Weg in ein komfortables Hotel, wo sie nach ausführlichem Liebesspiel einschlummern. Dann jedoch werden Jean-Claude und Pierrot unsanft durch einen Schuss geweckt …

Die Flucht der Antihelden – zu Fuß im Spurt, mit dem Fahrrad, mit dem Zug und mit etlichen gestohlenen Autos – stellt das markante Symbol dieser unverschämten Satire dar, nach Wenn ich ein Spion wäre / Si j’étais un espion aus dem Jahre 1967 der zweite Spielfilm Bertrand Bliers, dessen umfangreiche wie durchwachsene Rezeption dem französischen Filmemacher reichlich Berühmtheit beschert hat. Immer wieder rennen sie fort, die abstoßend-widerwärtigen und auf ihre Art bei Zeiten doch nicht gänzlich unsympathischen Rebellen, überzeugt von ihrem Glück, stets erneut zu entkommen, zum nächsten zufälligen Abenteuer, mit ungeheuerlichen Provokationen ihre Opfer verhöhnend, kontrastiv von der überwiegend fröhlich-harmonischen Musik von Stéphane Grappelli begleitet. Durch den aufrüttelnden Freitod der schönen Jeanne, der die wunderbare Jeanne Moreau eine würdige Eleganz verleiht und um deren kriminellen Sohn Jacques (Jacques Chailleux) sich Jean-Claude und Pierrot kümmern wollen, deutet sich eine Wende im orientierungslosen Dasein der beiden Vagabunden an, die jedoch rasch mit einem tödlichen Schuss verpufft. Dennoch ergibt sich eine neue Konstellation zusammen mit der Friseuse Marie-Ange, die letztlich doch noch sexuelle Befriedigung erlangt hat und diese Erfahrung geradezu missionarisch weiterzugeben bestrebt ist.

Die Ausgebufften markiert mit seiner tabulosen Schnodderigkeit und seinen expliziten Bildern ambivalenter Erotik einen explosiven, gleichermaßen ordinär-witzigen wie teilweise beunruhigenden Einbruch in die französische Filmgeschichte der 1970er Jahre jenseits einer kritischen Anständigkeit und verabschiedet sich mit frecher Ziellosigkeit und ohne Hinweise auf moralische Orientierung – ein provokanter, gewagter Film mit zahlreichen Attacken auf die kleinbürgerliche Gesellschaft, der auch noch spannend unterhält.

Die Ausgebufften

Über fünf Millionen erwachsene Menschen strömten 1974 in die französischen Kinos, um sich „Die Ausgebufften“ von Bertrand Blier anzuschauen, dem rasch der Ruf eines Sexfilms mit reichlich nackter Haut und offensiven Bildern entsprechender Aktionen anhaftete, in Kombination mit einem respektlosen Umgang besonders mit den weiblichen Wesen.
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