Cold War - Der Breitengrad der Liebe (2018)

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Eine Liebe in Zeiten des Kalten Krieges: Der Pianist Wiktor und die Sängerin Zula lernen sich kennen und lieben und werden von der Politik immer wieder auseinandergetrieben und kommen doch nicht voneinander los.

Cold War - Der Breitengrad der Liebe (2018)

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Eine Liebe in Zeiten des Kalten Krieges

Der Pianist Wiktor (Tomasz Kot) ist eine Art musikalischer Feldforscher: Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs fährt er gemeinsam mit seiner Kollegin und Geliebten Irena (Agata Kulesza) übers Land und sammelt mit einem Tonbandgerät traditionelle Volkslieder, die so für die Nachwelt erhalten werden sollen. Mit dem gesammelten Material gründet er ein Konservatorium und lädt begabte Sänger*innen und Tänzer*innen ein, diese Weisen einzustudieren und auf die Bühne zu bringen.

Unter den jungen Menschen, die sich um die Aufnahme in die Akademie bewerben, ist auch Zula (Joanna Kulig), die über ein außerordentliches musikalisches Talent verfügt, über deren Vergangenheit aber ein dunkler Schatten liegt: Weil ihr Vater sie sexuell bedrängte, stach sie ihn mit einem Messer nieder: „Er hat mich mit meiner Mutter verwechselt und ich habe ihm mit dem Messer den Unterschied gezeigt“, so wird Zula an einer Stelle ihrem Liebhaber trotzig gestehen. Seitdem aber steht sie unter verschärfter Beobachtung der Behörden und wird sogar dazu gezwungen, Wiktor auszuspionieren. Doch auch sonst sticht Zula aus der Truppe deutlich heraus - wie sehr, das zeigt sich bereits bei der Aufnahmeprüfung, in die sie kaum vorbereitet hereinplatzt, dann ein anderes Mädchen dazu überredet, bei deren Lied die zweite Stimme zu singen - und genau dadurch erst wird dieses Stück, das sich wie ein Leitmotiv durch den gesamten Film ziehen wird, zu etwas ganz Besonderem, zu einem von vielen magischen Momenten.

Kein Wunder also, dass Wiktor sich von dieser schönen, spröden, trotzigen jungen Frau mit dem ungeheuren Talent magisch angezogen fühlt. Und weil auch Zula diese Gefühle erwidert, wird aus den beiden ein heimliches Liebespaar. Aber es ist keine Liebe, die unter einem guten Stern steht: Weil Wiktor aufgrund der zunehmenden Einmischung der Staatsgewalt in seine künstlerische Arbeit keine Perspektive mehr in Polen sieht, nutzt er eine Tournee nach Ost-Berlin zur Flucht in den Westen. Zula aber, die eigentlich versprach, mit ihm zu kommen, erscheint nicht. Und so verbringt Wiktor die nächsten Jahre in Paris, wo er sich als Filmkomponist und Jazzpianist durchschlägt - bis eines Tages Zula vor ihm steht. Es ist das Wiederaufflammen einer leidenschaftlichen Affäre - denn obwohl es immer wieder andere Partner in ihrem Leben gibt, können die beiden nicht voneinander lassen. Nur: Zusammen funktioniert es eben auch nicht. Und so treibt die Beziehung auf einen Höhepunkt hin, in dem diese Liebe endlich ihre Erfüllung finden kann.

Mit Cold War ist Pawel Pawlikowski (Ida) ein unendlich sinnlicher Film gelungen: Mit kristallklaren Schwarzweißbildern im 4:3-Format, betörenden musikalischen Einlagen, durch die einem polnische Volkslieder wie die schönste und melancholischste Musik der Welt erscheinen und einer absolut hinreißenden Joanna Kulig, die in manchen Momenten an die große Jeanne Moreau, und dann an die nicht minder bedeutende Hildegard Knef erinnert, zeichnet das Werk mit seiner Laufzeit von gerade mal 84 Minuten ein präzises und ungeheuer prägnantes Bild einer Liebe vor dem Hintergrund der Nachkriegszeit. Die Szenen und Dialoge sind dabei so kunstvoll verknappt und verdichtet, die Montage so straff und pointiert gesetzt, dass man beinahe atemlos und zutiefst ergriffen diesem Paar dabei zuschaut, wie es dem Abgrund entgegentreibt.

Wer nun freilich glaubt, eine Liebe wie diese, so leidenschaftlich und so (selbst)zerstörerisch, könne es gar nicht wirklich geben, wird am Schluss eines Besseren belehrt: Pawel Pawlikowski hat diesen Film seinen beiden Eltern gewidmet: Die Hauptpersonen in seiner herzergreifend düsteren Romanze tragen deren Namen und wie man aus dem Presseheft zum Film erfährt, verband die Eltern des Regisseurs, die 1989 kurz vor dem Fall der Berliner Mauer und damit dem Ende des Kalten Krieges verstarben, eine wohl ganz ähnliche Art der Beziehung. Insofern hat Pawel Pawlikowski nicht nur dem Publikum, sondern auch seinen Eltern posthum ein wundervolles Geschenk gemacht - ein Denkmal für die Lieben, die den Wechselfällen der Nachkriegszeit unterworfen waren. Und eine Erinnerung daran, dass die Liebe eben auch immer wieder ein Schlachtfeld ist - im Großen wie im Kleinen.

Cold War - Der Breitengrad der Liebe (2018)

Cold War, der neue Film von Pawel Pawlikowski (Ida) erzählt von einer unmöglichen Liebe zu Zeiten des Kalten Krieges zwischen zwei vollkommen unterschiedlichen Menschen, die buchstäblich Welten trennen. 

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IO · 15.10.2018

poetische Geschichte

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