Blackway - Auf dem Pfad der Rache

Blackway - Auf dem Pfad der Rache

Eine Filmkritik von Beatrice Behn

Nicht mitgehen!

Go With Me heißt Daniel Alfredsons Film im Original — und bei dieser Aufforderung sollte man das Gleiche machen, was man tun würde, wenn ein unbekannter Mann einem auf der Straße einen Lolli reicht: schreiend weglaufen. Ich habe es nicht getan und es war ein Fehler. Die nächsten 90 Minuten waren gefüllt mit einem Film, der auf keiner einzigen Ebene funktioniert, so dass man sich stets bewusst ist, hier ein konstruiertes Werk zu sehen, das der Fantasie entspringt. Außerdem weiß man nach genau zehn Minuten, dass der Regisseur sein Werk mit einem klassischen Western vergleicht — und damit auch, wie es weitergehen und enden wird.
Aber Blackway — Auf dem Pfad der Rache ist kein Western. Ein Film, der eindeutig in „gut“ und „böse“ eingeteilte Charaktere hat, ist noch kein Western. Ein Film, der irgendwo in der amerikanischen Provinz spielt, ist noch kein Western. Ein Film, in dem die Guten die Bösen erschießen, ist noch kein Western. All diese Elemente machen ja noch nicht einmal einen ganzen Film. Aber Alfredson lässt sich nicht beirren und wirft sein Ensemble in eine Kleinstadt, in der das Wetter immer grau ist und alle Menschen vom Holzfällen leben. Ein wenig Twin Peaks, nur in langweilig und mit noch mehr Karohemden.

Lillian (Julia Stiles) lebt seit dem Tod ihrer Mutter in diesem kleine Kaff in deren Haus und arbeitet als Kellnerin. Sie wird massiv belästigt von Blackway (Ray Liotta), einem ominösen Mann, der einst Deputy Sheriff war, jetzt aber eine Art Gangsterboss ist. Was genau er macht, weiß man nicht, aber innerhalb der gesamten Filmlaufzeit werden ihm Drogen, Prostituierte, Betrug, Schwarzarbeit und noch ein halbes Dutzend andere illegale Tätigkeiten angehängt. Es ist aber auch egal, was er tut oder wer er ist. Blackway ist, wie der Name schon vermuten lässt, der Böse. Und Lillian, die weiße Lilie, ist die Gute. Aber sie ist auch nur eine Frau und braucht Hilfe. Diese findet sie bei einem alten Holzfäller (Anthony Hopkins) und seinem stotternden Helfer Nate (Alexander Ludwig). Warum der alte Mann hilft? Weil Blackway seine Tochter auf dem Gewissen hat, was ihn aber bis eben nicht dazu veranlasste, sich zu rächen. Und Nate? Latscht einfach mit. Er hat nicht einmal ein Motiv. Ab hier verbringt der Film unendliche Minuten mit der Suche nach Blackway. An jedem Ort, an dem ‚die glorreichen Drei‘ Halt machen und nach ihm fragen, passiert das Gleiche: Menschen sagen, sie haben Angst und wer sich mit ihm anlegt, der wird es bereuen. Sie wird schon fast zu einem running gag, diese Aussage. Dagegen vermag auch Ray Liotta nichts auszurichten, der in ein paar Rückblenden böse Dinge tun darf, um noch einmal zu versichern, dass er in der Tat böse ist und die anderen gut sind. Irgendwann beschließen dann die Guten, dass Selbstjustiz die einzige Möglichkeit ist (Wirklich? Bei einem Drogen- und Prostitutionsring, bei dem die lokalen Sheriffs wegsehen, kann man also nicht die State Police oder das FBI einschalten?).

Langer Film, kurzer Sinn: Das Böse muss zur Strecke gebracht werden, damit wieder Gerechtigkeit und Ordnung herrschen. Als Zuschauer ist man gezwungen zuzusehen, wie Anthony Hopkins diese Rolle auf einer Arschbacke absitzt und sich durch die Zeilen nuschelt, Julia Stiles völlig leblos und hölzern die Dame in Not gibt und Alexander Ludwig den Idioten. Es ist schon fast schmerzhaft offensichtlich, wie wenig die drei miteinander harmonieren, und man fragt sich, ob sie schon beim Dreh bemerkten, dass das hier nichts werden wird.

Aber halt, es gibt eine gute Nachricht. Blackway — Auf dem Pfad der Rache zu sehen, kann auch einen Vorteil haben. Zumindest für Filmstudenten oder Menschen, die Interesse daran haben, wie Film eigentlich funktioniert. Denn Alfredsons Film ist durch seine Miserabilität und dem Fehlen jeglicher Motivation (innerhalb des Filmes und vermehrt dann auch im Zuschauerraum) eines dieser einmaligen Werke, die versehentlich mit jedem Bild, jedem Schnitt, jedem Dialog und jedem Stück Musik ihr „Gemacht sein“ ausstellen. Dennoch bleibt es verwunderlich, dass dieser Film passieren konnte. Alfredson hat eigentlich längst bewiesen, dass er gerade Thriller gut kann. Zumindest seine Stieg-Larsson-Verfilmungen von Verdammnis und Vergebung waren doch solide Werke. Vielleicht hat er sich letztendlich doch in der Formel verloren, die er einfach automatisch abfährt, und vergessen, dass der Zauber des Kinos nicht in den einzelnen Elementen, sondern in deren Interaktion liegt.

Blackway - Auf dem Pfad der Rache

„Go With Me“ heißt Daniel Alfredsons Film im Original — und bei dieser Aufforderung sollte man das Gleiche machen, was man tun würde, wenn ein unbekannter Mann einem auf der Straße einen Lolli reicht: schreiend weglaufen. Ich habe es nicht getan und es war ein Fehler.
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