Eine Handvoll Worte (2021)

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Briefe, die einer Affäre aus den 1960er Jahren entstammen, lassen eine junge Journalistin in der Gegenwart nicht los und treiben sie zu einer Spurensuche an. Ihre Begeisterung will sich beim Zusehen allerdings nicht einstellen, da sich die Romanverfilmung als schmalzige Konfektionsware entpuppt.

Eine Handvoll Worte (2021)

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Ein rührseliger Wortschall

Die ersten Minuten des romantischen Dramas „Eine Handvoll Worte“, einer Adaption des gleichnamigen Romans der britischen Autorin Jojo Moyes, machen neugierig, lassen darauf hoffen, dass sich im Folgenden eine Geschichte mit Ecken und Kanten entspinnt: Im Jahr 1965 kehrt die adrette Jennifer Stirling (Shailene Woodley) nach einem längeren, durch einen erst einmal nicht näher erläuterten Unfall bedingten Krankenhausaufenthalt in ihr schmuckes Haus und zu ihrem Ehemann Lawrence (Joe Alwyn) zurück. Eigentlich ein Grund zur Freude. Doch eine Amnesie erschwert es der jungen Frau ungemein, sich wieder in ihre alte Umgebung einzufügen. Sich selbst ist Jennifer so fremd, dass eine Freundin (Alice Orr-Ewing) ihr erklären muss, wie ihr Leben vor dem tragischen Ereignis aussah. Schon früh fällt auf, dass Lawrence wenig Mitgefühl an den Tag legt. Seine Versicherungen („Alles wird wieder gut!“, „Ich bin so glücklich, dass du wieder bei mir bist!“) sind denkbar schlicht. Und sein Interesse, sich mit dem Zustand seiner Gattin auseinanderzusetzen, tendiert gegen null. Lieber fährt er ihr über den Mund und bestimmt, wie sie sich zu verhalten habe.

Nichtkenner*innen der Literaturvorlage könnten nun auf die Idee kommen, Eine Handvoll Worte drehe sich um Jennifers fragile Lage, ihre Verunsicherung und laufe auf ihren Ausbruch aus der Umklammerung ihres manipulativen Partners hinaus. Für einen kurzen Moment scheint ein Psychothriller mit inhaltlichen Parallelen zur Romanverfilmung Ich. Darf. Nicht. Schlafen. möglich. Ein Zeitsprung in die Gegenwart und die Einführung der aufstrebenden Journalistin Ellie Haworth (Felicity Jones) weist allerdings in eine andere Richtung. Als sie nach dem Tod einer prägenden Redakteurin ihrer Zeitung einen Artikel über eben diese Dame schreiben soll, stößt sie in der hauseigenen Dokumentensammlung auf einen Liebesbrief, der einer Affäre entstammt.

Während Ellie mit tatkräftiger Unterstützung des anfangs penibel auf die Vorschriften achtenden Archivars Rory McCallan (Nabhaan Rizwan) mehr über die geheime Beziehung herausfinden will, sehen wir, wie auch Jennifer Mitte der 1960er Jahre Nachforschungen anstellt, nachdem sie bei sich ebenfalls ein derartiges Schreiben entdeckt hat. Ihre Verfassung und ihre Sorge, die eigene Identität verloren zu haben, spielen plötzlich keine Rolle mehr. Mit dem Eintauchen in die Briefe entblättert der Film eine Romanze, die an der französischen Riviera ihren Anfang nimmt. Dort, wo der Journalist Anthony O’Hare (Callum Turner) den Industriemagnaten Lawrence interviewen soll und wo sich auf einmal die Gelegenheit ergibt, viel Zeit mit Jennifer zu verbringen.

Eine Handvoll Worte wechselt ständig zwischen den beiden unterschiedlichen Erzählebenen, entwickelt aber viel zu selten eine funkenschlagende Dynamik. Die Darsteller*innen bemühen sich redlich, ihre Rollen mit Leben zu füllen. Und der historische Teil ist zweifelsohne hübsch ausgestattet. Oftmals fühlt man sich jedoch wie in einem ZDF-Sonntagabendfilm, der seichtes Geplänkel für tiefgehende Emotionen hält. Schwach ist allen voran die Charakterisierung der Protagonistinnen, die man beide nie richtig zu fassen kriegt. An einer Stelle heißt es zwar, Jennifer sei nicht dazu erzogen worden, glücklich zu sein, sondern den an sie gestellten Erwartungen zu entsprechen. Das erklärt allerdings nur bedingt, warum sie es auch nur eine Sekunde bei dem überdeutlich als Kotzbrocken gezeichneten Lawrence aushält. Viel mehr erfahren wir leider nicht über sie. Ganz ähnlich verhält es sich bei Ellie, die – das darf man verraten, weil es arg vorhersehbar ist – irgendwann in Rory nicht nur den freundlichen Helfer sieht.

Auch wenn es, am ehesten im Jennifer-Strang, kleine Augenblicke gibt, in denen das Knistern zwischen den Figuren greifbar wird, schaffen es Regisseurin Augustine Frizzell (Never Goin‘ Back) und das Drehbuchgespann Esta Spalding und Nick Payne viel zu selten, den Liebestaumel mitreißend einzufangen. Dass es an Einfällen mangelt, beweisen die ständigen Voice-over-Einschübe, in denen aus diversen Briefen zitiert wird. Statt aussagekräftige Bilder und Handlungen zu finden, tragen die Macher*innen Gedanken und Empfindungen auf wenig elegante Weise nach außen. Was genau Ellie an der Affäre zwischen Jennifer und Anthony so sehr begeistert, ist schwer nachzuvollziehen. Nicht zuletzt, weil die poetische Qualität, die sie in den Schreiben auszumachen glaubt, behauptet bleibt. Mit „schwülstig“ sind die Ergüsse – von wegen „eine Handvoll Worte“! – sicher treffender beschrieben.

Eine Handvoll Worte (2021)

Die junge aufstrebende Journalistin Ellie (Felicity Jones) hat ihren Traumjob bei einer führenden Zeitung Londons gefunden. Eigentlich müsste sie glücklich sein – doch der Mann, den sie liebt, liebt eine andere… Eines Tages fällt Ellie im Zeitungsarchiv ein Liebesbrief aus den 60-er Jahren in die Hände: Der unbekannte Absender bittet seine Geliebte, ihren Ehemann zu verlassen und mit ihm nach New York zu gehen. Ellie ist tief ergriffen und findet auf ihre Nachforschungen hin weitere Briefe, die sie zunehmend in ihren Bann ziehen: Was ist aus den Liebenden geworden? Bei ihrer Suche stößt sie auf Jennifer Stirling (Shailene Woodley) – eine Frau, die alles verloren zu haben scheint, außer einer Handvoll kostbarer Worte…

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