Eine größere Welt (2019)

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Durch einen Zufall gerät die Tontechnikerin Corine, die gerade um ihren Mann trauert, in der Mongolei in ein schamanistisches Ritual, auf das sie sehr heftig reagiert. Und seit diesem Moment ist ihre Welt eine andere; und eine neue Dimension tut sich auf, die ihr Leben verändert.

Eine größere Welt (2019)

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Wunder in weiten Seelenlandschaften

Es beginnt wie ein Traum und in gewisser Weise ist es auch einer. Wir sehen eine Frau und einen Mann in einer leidenschaftlichen Liebesszene. Und irgendwie spürt man sofort, dass etwas mit dieser Szene nicht stimmt, vielleicht ist sie zu schön, um wahr zu sein. Beim nächsten Schnitt wird klar: Alles Vorhergehende war lediglich geträumt und die Realität ist viel schlimmer, düsterer und trauriger, als diese ersten Bilder es erahnen ließen.

Die Tontechnikerin Corine Sombrun (Cécile de France) befindet sich nach dem Tod ihres Mannes in tiefer Trauer und will eigentlich so weit weg von zuhause wie möglich. Als ihr eine Reise in die Mongolei in Verbindung mit einem Job angeboten wird, zögert sie deshalb nicht lange und macht sich auf den Weg. Dort, im Norden des Landes, wohnt sie einem schamanistischen Ritual bei, dessen Klänge sie für einen Dokumentarfilm aufnehmen will. Doch genau hier, in diesem Moment, geschieht etwas, das ihre Welt auf den Kopf stellt. Schon während der ersten Klänge der Trommel beginnt Corine nämlich zu zucken, ein Zucken, dass sich über ihren ganzen Körper ausbreitet, bis sie in Trance fällt und schließlich in ein animalisches Geheul ausbricht. Als sie aus dem Zustand erwacht, blickt sie in das besorgte Gesicht der Schamanin Oyun (Tserendarizav Dashnyam), die ihr dringend dazu rät, sich selbst als Schamanin ausbilden zu lassen. Denn andernfalls, falls sie diesem Ruf nicht folgen würde, werde es ihr übel ergehen. Zunächst will Corine von dem ganzen „Hokuspokus“ nichts wissen, doch das Erlebte lässt sie auch nach ihrer Rückkehr nach Frankreich nicht los.

Wer die vorherigen Filme von Fabienne Berthaud Barfuß auf Nacktschnecken und Sky — Der Himmel in mir kennt, für die oder den fügt sich Eine größere Welt nahezu nahtlos in das bisherige Schaffen und führt eine Linie fort, die sich bereits klar abzeichnete. In allen drei Filmen geht es um Frauen, die sich auf verschiedene Weisen aus ihren gesellschaftlichen Zusammenhängen lösen, geradezu ausbrechen, um andere Facetten und Aspekte ihres Selbst zu entdecken.

Der Film Eine größere Welt, der auf wahren Ereignissen und dem Leben sowie dem Buch Mein Leben mit den Schamanen der real existierenden Corine Sombrun basiert, geht dabei mit Sicherheit am Weitesten — und das bezieht sich keinesfalls nur auf die Destination Mongolei, sondern auch darum, wie vertraut bzw. fremd die neue Welt für die Protagonistin ist.

Fabienne Berthaus erforscht diese neue Welt mit sichtbarer Neugier und einem Händchen für Bilder und mongolischen (Laien)Darsteller*innen (mit Ausnahme der Darstellerin der Schamanin Oyun), die dem Film vor allem in der Mongolei ein fast schon dokumentarisches Gepräge geben. Mehr als nur eine Fußnote bildet dabei beispielsweise der Umstand, dass Corines Begleiterin Naraa jene Dolmetscherin ist, die der „echten“ Corine vor fast 20 Jahren an der Seite stand.

Zwar gelingt es Corine im Lauf der Geschichte, sich mehr und mehr von den Erwartungen und Konventionen ihres bisherigen Lebens zu befreien, der Film selbst indes leistet das nur bedingt. Während die echte Corine Sombrun durch den Schamanismus auch ihre eigene Kreativität auf eine neue Stufe bringen wollte, so strebt die Film-Corine vor allem danach, ihre Trauer zu überwinden und womöglich sogar Kontakt mit ihrem verstorbenen Mann aufzunehmen. Die Bemühungen der echten Corine hingegen verblassen vor dem emotional aufgeladenen Hintergrund einer Liebe, die versucht, die Grenzen des Lebens und Todes niederzureißen, zu einer kleinen Randnotiz. Und das hinterlässt dann doch bei allem, was der Film gut und richtig macht, einen bitteren Beigeschmack.

Eine größere Welt (2019)

Der auf einer wahren Geschichte basierende Film handelt von Corine, die Paris verlässt und einige Wochen in der Mongolei verbringt, um den Tod der Liebe ihres Lebens zu überwinden. Als sie jedoch der Schamanin Oyun begegnet, offenbart diese ihr, dass sie eine seltene Gabe hat. Wieder zurück in Frankreich wird Corine bald klar, dass sie in die Mongolei zurückkehren muss, um ihre Initiation in eine neue Lebensweise zu beginnen.

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Meinungen
Leiybkneter · 29.08.2020

Ein wunderschöne Film mit dem gewissen etwas, für viele nicht schamanisch orientierten Menschen kaum verständlich

Kommentare

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