Fast Color (2018)

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Julia Harts „Fast Color – Die Macht in Dir“ erzählt in entschleunigtem Tempo und mit einem eindrücklichen Ensemble um Gugu Mbatha-Raw vom Anbruch einer neuen Welt und von drei bedrohten Superheldinnen.

Fast Color (2018)

Eine Filmkritik von Andreas Köhnemann

Erschütternde Kräfte

Vier Regiearbeiten hat Julia Hart bisher vorgelegt – und alle zeichnen sich durch ein interessantes Spiel mit Genre-Elementen aus. In ihrem Debüt „Miss Stevens“ (2016) schilderte Hart eine Coming-of-Age-Geschichte – allerdings war die Protagonistin bereits eine Erwachsene, die als Lehrerin von Jugendlichen umgeben ist und ihren Weg finden muss. Die romantische Tragikomödie „Stargirl – Anders ist völlig normal“ (2020), für die eine Fortsetzung geplant ist, blieb am Schauplatz Highschool und unterschied sich vor allem dadurch von etlichen anderen Teen-Movies, dass sie auf Überspitzungen weitgehend verzichtete und einen sehr zärtlichen Blick auf ihre zentralen Figuren warf. Das Kriminaldrama „I’m Your Woman“ (2020) lud wiederum das 1970er-Jahre-Setting, das im Stil des damaligen Kinos daherkam, mit den nötigen feministischen Tönen auf.

Fast Color – Die Macht in Dir, der schon 2018 entstand und jetzt in Deutschland auf DVD und Blu-ray erscheint, ist im Grunde typischer Superheldinnen-Stoff und erzählt eine Origin Story. Allerdings setzt Hart dabei nicht in erster Linie auf Effekte, sondern auf die Psychologie dreier Generationen von Frauen. Zunächst lernen wir Ruth (Gugu Mbatha-Raw) kennen, die auf der Flucht zu sein scheint. Als sie in einem abgelegenen Motel absteigt, verursacht sie ein kurzes Erdbeben. In einem Diner trifft sie auf Bill (Christopher Denham), der sich bald als einer ihrer Verfolger entpuppt: Er ist als Wissenschaftler für die Regierung tätig und will Ruth gewaltsam festhalten, um ihre Kräfte untersuchen zu können.

Ruth begibt sich deshalb zu ihrer Mutter Bo (Lorraine Toussaint) in die Wüste New Mexicos. Vor einigen Jahren war Ruth den Drogen verfallen und schließlich verschwunden. Ihre kleine Tochter Lila (Saniyya Sidney) hatte sie bei Bo zurückgelassen, da sie fürchtete, sie in Gefahr zu bringen. Doch ebenso wie Bo und Ruth sowie frühere Frauengenerationen ihrer Familie verfügt auch Lila über die Fähigkeit, Dinge in winzige Teilchen zu zerlegen und sie anschließend wieder zusammenzusetzen. Es dauert eine Weile, bis Ruth nach Jahren der Abwesenheit einen Zugang zu Lila findet. Und auch Ruth und Bo müssen erst wieder Vertrauen zueinander aufbauen.

Das Drehbuch, das Hart gemeinsam mit ihrem Ehemann Jordan Horowitz verfasst hat, ist in seinem Weltenentwurf erstaunlich zurückhaltend – und gleichzeitig äußerst komplex. So wird angedeutet, dass ein internationaler Wassermangel herrscht und „eine neue Welt“ bevorsteht. Dies kündigt auch der Song „New World Coming“ von Jazz-Legende Nina Simone an: „There’s a new voice callin’ / And you can hear it if you try.“ Die Musik ist wiederum ein wichtiger Faktor in der Annäherung zwischen Ruth und Lila. Ähnlich wie die X-Men-Reihe verdeutlicht Fast Color, dass übernatürliche Kräfte zu einer Outsider-Rolle führen können. Denn was die Menschen nicht kennen, macht ihnen oft erst einmal Angst. Mit seiner Konzentration auf das Thema Mutterschaft setzt das Werk eigene Akzente und mündet in ein starkes Finale mit klarer politischer Botschaft. Der Stoff soll demnächst als Serie vertieft werden; das Potenzial hierfür ist in Harts Film klar erkennbar. Zudem sorgt das Schauspiel-Trio Gugu Mbatha-Raw, Lorraine Toussaint und Saniyya Sidney dafür, dass der Science-Fiction-Plot stets emotional mitreißt.

Fast Color (2018)

Als ihre Superkräfte enthüllt werden, macht sich Ruth auf die Flucht. Jahre nachdem sie ihre Familie zurückgelassen hat, ist die Farm, in der sie aufgewachsen ist, der einzige Zufluchtsort, der ihr noch bleibt.

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