Passion

Passion

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Vom Wert des Schaffens und der Arbeit

Den prächtigen Gemälden des 19. Jahrhunderts, die in diesem Film mit lebendigen Figuren als Standbilder inszeniert werden, haftet eine tiefgründige visuelle Faszination an, die die künstlerische Komponente dieses Films von Jean-Luc Godard aus dem Jahre 1982 zum Tragen bringt. Passion ist ein dramatisches Spiel mit den Protagonisten und ihren Rollen in einer seltsam pathetischen Atmosphäre, die von klassischer Musik gerahmt wird. Betrachtungen über Kunst und Kino verweben sich mit dem Film im Film, während vor allem dem Motiv der Arbeit im klassischen wie im kreativen Sinne eine große Bedeutung zukommt. Im Grunde stellt Passion eine Reflexion über Schaffensprozesse dar, deren künstlerische Dimension mit dem monotonen Alltag einer Fabrik konfrontiert wird.
Der Fabrikbesitzer Michel Boulard (Michel Piccoli) will die verträumte Arbeiterin Isabelle (Isabelle Huppert) entlassen, unter Protesten ihrer Kolleginnen, denn die junge Frau fordert ihr Recht auf Arbeit als existentielle Grundkonstante ein. Boulards Frau Hanna (Hanna Schygulla) erprobt sich inzwischen bei dem polnischen Regisseur Jerzy (Jerzy Radziwilowicz) als Schauspielerin, der mit seiner Crew für einen Film über berühmte Maler gerade Rembrandts Nachtwache zum Leben erweckt. Hanna und Jerzy haben offensichtlich eine Affäre miteinander, doch nach und nach rückt die melancholische Isabelle stärker in den Fokus des Regisseurs, der sich zunehmend von der ernsthaften Art dieser so zerbrechlich wirkenden Frau und ihrem Schicksal angezogen fühlt ...

Es ist nicht die häufig fragmentarisch erscheinende Handlung, die im Vordergrund dieses ungewöhnlichen, schwergängigen Films steht, sondern die Komposition aus einzelnen Interaktionen der Darsteller mit der ästhetisch inszenierten Umgebung aus Kunst und Film. Selbst die Dialoge der Akteure erscheinen durch ihre zeitweilige Losgelöstheit vom Sprecher bruchstückhaft und universell, so dass die Rede wie ein eigenständiges Element der Dramaturgie anmutet, das sich ihren üblichen Regeln entzieht. Passion lief im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele von Cannes und wurde dort mit dem Großen Preis der Technik für Kameramann Raoul Coutard ausgezeichnet sowie 1983 für drei Césars nominiert. Diese Godardinszenierung, bei welcher der Regisseur sowohl das Drehbuch als auch den Schnitt besorgte, gestaltet sich vor allem durch ihre bemerkenswerten Bildimpressionen, die dekonstruierende Zeichnung der Charaktere und die vielschichtigen Referenzen aus dem Universum der Kunst und seiner filmischen Erweiterung äußerst ansprechend.

Passion

Den prächtigen Gemälden des 19. Jahrhunderts, die in diesem Film mit lebendigen Figuren als Standbilder inszeniert werden, haftet eine tiefgründige visuelle Faszination an, die die künstlerische Komponente dieses Films von Jean-Luc Godard aus dem Jahre 1982 zum Tragen bringt.
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