Die Frau vom Fluss (DVD)

Die Frau vom Fluss (DVD)

Eine Filmkritik von Martin Beck

Ein Naturkind, triebhaft und leidenschaftlich

Die Poebene, die natürliche Umgebung für arme Arbeiterinnen, deren Sexappeal jede Leinwand sprengt. Nach Das Gold von Neapel, der Sophia Loren zu einem Star machte, wollte Produzent/ Ehemann Carlo Ponti schnell einen weiteren Film nachschieben, der einzig und allein dazu diente, seine kurvenreiche Überfrau ins allerbeste Licht zu rücken. Sophia Loren ist in Die Frau vom Fluss nicht nur im Filmtitel, sondern auch tapfere Arbeiterin, stolze Frau, leidenschaftliche Liebhaberin und inbrünstige Mutter. Die Szenen, in denen sie nicht vorkommt, kann man an zwei Händen abzählen.
Und warum auch nicht? Sophia Loren ist einfach der Inbegriff zittriger Männerhände und reißt die hier geforderte Bandbreite mit Gusto runter. Hauptsache, die Kleider liegen schön eng an und Hauptsache, sie ist der unumstrittene Mittelpunkt – selbst als einfache Arbeiterin in einer Fischfabrik. Die sich natürlich in einen rechten Schuft verliebt und den ehrbaren Polizisten zurückweist. Irgendwann kommt ein Kind auf die Welt und der Schuft muss in den Knast. Dass am Ende noch eine große Tragödie passiert, ist genauso unausweichlich wie eine zackige Tanzszene, bei der la Loren offensiv daran arbeitet, die italienischste aller italienischen Frauen darzustellen.

Die Frau vom Fluss lebt nicht nur von Sophia Loren, sondern würde ohne sie gar nicht existieren. Wer solche filmischen Vehikel bekommt, hat es auf jeden Fall geschafft und würde auch dann noch für volle Kinosäle sorgen, wenn 90 Minuten Bügeln auf dem Programm stehen würden. Sophia Loren, ein Superstar wie geboren für die Leinwand — und dabei so umfassend präsent, dass es heutzutage in amüsiertes Schmunzeln umschlägt. Was diese Frau hier für eine Rolle bekommt, ist einfach alles. Alles, was nur irgendwie dazu beiträgt, einem Star eine maximale Bandbreite zu verpassen.

Glamour selbst in der schweißdurchtränkten Arbeiterbluse. Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, wenn ein Star so auf „arm“ zurechtgeschminkt wird, dass man den goldenen Wohnwagen hinter der Kamera praktisch riechen kann. Sophia Loren war halt in der glücklichen Lage, sowohl bombig auszusehen als auch keinerlei Scheu vor der Kamera zu zeigen, so dass diese Zuspitzung auf sie natürlich naheliegt, doch über das (mit heutigen Maßstäben definierte) Ziel schießt der Film trotzdem weit hinaus. „Ein Naturkind, triebhaft und leidenschaftlich“, losgelassen in einem schmalzigen Melodram, dessen Groschenroman-Aura hart an der Trashgrenze entlangschrammt.

Nein, so richtig zeitgemäß ist Die Frau vom Fluss nicht mehr. Was hier passiert, ist tiefste Pilcher-Provinz, die ausschließlich auf nostalgischer Ebene funktionieren kann. Fans von Sophia Loren werden sich freuen, der Rest darf milde lächeln und immerhin die schön aufgemachte DVD des Labels Filmjuwelen loben, die dem Film einen schicken Schuber und passable Bild- und Tonqualität spendiert. Besonders interessant sind hier noch diverse Extras rund um -natürlich- Sophia Loren, die ein bisschen willkürlich zusammengetragen erscheinen, aber dennoch alleine wegen ihrer großen zeitlichen Spanne sehenswert sind. La Loren tanzt mit einem Spanier (1956), la Loren besucht die Bambi-Verleihung (1968) und la Loren gibt eine Pressekonferenz auf der Berlinale (1994). Keine Frage, das triebhafte Naturkind kam ganz schön herum.

Die Frau vom Fluss (DVD)

Die Poebene, die natürliche Umgebung für arme Arbeiterinnen, deren Sexappeal jede Leinwand sprengt. Nach „Das Gold von Neapel“, der Sophia Loren zu einem Star machte, wollte Produzent/ Ehemann Carlo Ponti schnell einen weiteren Film nachschieben, der einzig und allein dazu diente, seine kurvenreiche Überfrau ins allerbeste Licht zu rücken. Sophia Loren ist in „Die Frau vom Fluss“ nicht nur im Filmtitel, sondern auch tapfere Arbeiterin, stolze Frau, leidenschaftliche Liebhaberin und inbrünstige Mutter. Die Szenen, in denen sie nicht vorkommt, kann man an zwei Händen abzählen.
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