Krieg & Frieden (2016)

Krieg & Frieden (2016)

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Prächtig verfilmter Klassiker der Weltliteratur

Im vergangenen Jahr erstmals als sechsteilige Mini-Serie auf BBC One ausgestrahlt, erscheint die neueste Verfilmung des Roman-Klassikers Krieg und Frieden von Leo Tolstoi nun hierzulande auf DVD. Arrangiert auf drei Discs mit Bonusmaterial zur Entstehung des opulenten Dramas, bieten Regisseur Tom Harper, Drehbuchautor Andrew Davis und ein umfangreiches Ensemble ihre Version des berühmten historischen Stoffes dar.
Am Anfang des 19. Jahrhunderts ist das Russische Kaiserrreich unter Alexander I. in die Koalitionskriege mit Frankreich verstrickt. Tolstois umfangreiche, berühmte literarische Darstellung der russischen Verhältnisse fokussiert sich auf die Jahre 1805 bis 1812 und die Adelskreise, die mit zahlreichen Protagonist_innen repräsentiert werden, sowie auf die Kriegsschauplätze, an denen seine männlichen Hauptfiguren agieren. Im Mittelpunkt dieser beinahe sechsstündigen Fernsehserie, wie auch das Cover der DVD ausweist, steht das Schicksal von Pierre Besúchow (Paul Dano), des unehelichen Sohnes des Grafen Besúchow (Ferdinandas Jaksys), Andréj Bolkónski (James Norton), den es fort von der Familie in den Krieg zieht, sowie Natáscha Rostówa (Lily James), der jüngsten Tochter der weitverzweigten Rostów-Familie. Anhand ihrer Lebenswege und Verbindungen entfaltet sich ein dichtes Gesellschafts- und Kriegsdrama voller Emotionen und Ereignisse, das auf Grund der aufwändigen, detailfreudigen Ausstattung auch zu einem kostümträchtigen Augenschmaus geraten ist.

Zu Beginn von Krieg und Frieden, als Pierre Besúchow von Frankreich, wo er auf Geheiß seines Vaters eine exquisite Erziehung genoss, nach Russland heimkehrt, liegt sein Vater gerade im Sterben. Bei einer Gesellschaft stößt der zunächst von Napoleon begeisterte Pierre auf seinen alten Freund Andréj Bolkónski, den es trotz der fortgeschrittenen Schwangerschaft seiner Frau Márja (Jessie Buckley) in den Krieg gegen die Franzosen zieht – ihre lockere Männerfreundschaft wird sich im Verlauf der Ereignisse noch nachhaltig verändern. Anwesend in den Adelskreisen ist auch die junge, sorglose und aparte Natáscha Rostówa, die noch so einige Höhen und Tiefen im Geflecht ihrer Beziehungen erleben wird. Als Pierres Vater stirbt, kann sein inoffizieller Sohn trotz gegenteiliger Bemühungen familiärer Intriganten doch sein üppiges Erbe antreten, was ihn in eine überaus günstige gesellschaftliche Position katapultiert. Bald wird er die schöne Helene Kurágina (Tuppence Middleton) heiraten, doch diese Ehe wird ihm nicht das erhoffte Glück bescheren ...

Auf den Schlachtfeldern, in den luxuriösen Salons der Aristokratie und auf illustren anderen Territorien ereignet sich in Krieg und Frieden die wechselvolle Geschichte einer russischen Gesellschaft im Wandel, die neben prächtigem Prunk auch abgrundtiefes Elend aufweist. Das emotionale Erleben der Charaktere erhält hier nicht nur reichlich Raum, sondern auch differenzierte Ausprägungen und Entwicklungen, wobei Pierres signifikante Veränderung vom naiven, schwärmerischen jungen Mann bis zum gereiften, nahezu weisen Kriegsopfer exemplarisch für die Spannbreite dieser menschlichen Erfahrungen innerhalb der politischen Unruhen steht. Findet sich die Serie zu Anfang erst allmählich und ein wenig zögerlich in ihre später intensiven Stimmungen, nimmt sie doch zunehmend an aufregender Fahrt auf und findet im Verlauf der Dramaturgie zu Bildern von beachtlicher Ausdruckskraft, vor allem, was die Darstellung der Schrecken des Krieges angeht.

Gemäß der literarischen Grundvariante von Leo Tolstoi dominieren auch in der Fernsehfassung die ganz großen Themen wie Liebe, Schmerz, Loyalität, Verrat, Verzicht und Tod. Die imposante Schauspielertruppe – zuvorderst die hübschen, hingebungsvollen Frauen – strahlt einen gewissen zentraleuropäischen Glanz aus, der mitunter eine gefällige Glätte transportiert, die den schwermütigen russischen Stoff bei Zeiten nivelliert. Doch die Musik von Martin Phipps steuert tendenziell melancholisch dagegen, und die sprachgewaltigen Gedankenwelten der Figuren sowie ihre langen perspektivischen Blicke auf das Geschehen tragen ebenfalls dazu bei, die düstere Dramatik der Geschichte zu unterstreichen. Dass auch Elementen wie dem Gesellschaftstanz eine besondere Sorgfalt gewidmet ist, betont die charmanten Komponenten dieser üppigen Inszenierung, die ihr Publikum dazu einlädt, historisch und literarisch untermauert kräftig im Emotionsrausch und Kriegsgetümmel zu schwelgen.

Krieg & Frieden (2016)

Im vergangenen Jahr erstmals als sechsteilige Mini-Serie auf BBC One ausgestrahlt, erscheint die neueste Verfilmung des Roman-Klassikers "Krieg und Frieden" von Leo Tolstoi nun hierzulande auf DVD. Arrangiert auf drei Discs mit Bonusmaterial zur Entstehung des opulenten Dramas, bieten Regisseur Tom Harper, Drehbuchautor Andrew Davis und ein umfangreiches Ensemble ihre Version des berühmten historischen Stoffes dar.
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