Das alte Gewehr - Abschied in der Nacht (Blu-ray)

Das alte Gewehr - Abschied in der Nacht (Blu-ray)

Eine Filmkritik von Falk Straub

Einer nach dem anderen

Zwei Länder, zwei Reaktionen. Während die Grande Nation die französisch-deutsche Produktion Le Vieux Fusil als besten Film des Jahres feierte, ging die Presse jenseits des Rheins hart mit Robert Enricos Kriegsdrama ins Gericht, das in der Bonner Republik als Abschied in der Nacht nur zensiert in die Kinos kam. Etwas weiter östlich sah das freilich schon wieder ganz anders aus. In der DDR war der Film mit Philippe Noiret und Romy Schneider als Das alte Gewehr ungekürzt zu sehen. Studio Hamburg Enterprises vereint nun erstmals die französische, die westdeutsche und die restaurierte ostdeutsche Fassung auf einer Disk.
Den Höhepunkt ihrer Karriere erreichte Romy Schneider in Frankreich. Dort stieg sie zum Star auf, der nichts im Leben, aber alles auf der Leinwand (sein) konnte: lasziv wie in Jacques Derays Der Swimmingpool (1969), bezaubernd natürlich in Claude Sautets Die Dinge des Lebens (1970), skrupellos in Francis Girods Trio Infernal (1974), obsessiv in Andrzej Żuławski Nachtblende (1975) oder zutiefst zerbrechlich in ihrem letzten Film, Jacques Rouffios Die Spaziergängerin von Sans-Souci (1982). Für ihre Rolle in Nachtblende erhielt Schneider 1976 einen César als beste Schauspielerin. Der Preis für den besten Film, den besten Hauptdarsteller und die beste Musik ging im selben Jahr an Das alte Gewehr. Auch hier war die Schneider mit von der Partie.

Romy Schneider ist Clara, die zweite Frau des Chirurgen Julien Dandieu (Philippe Noiret). Der kämpft 1944 im Städtchen Montauban um jedes Leben auf seinem Operationstisch, während draußen deutsche Soldaten patrouillieren und drinnen die französische Miliz Kommunisten und Saboteure aus den Krankenbetten zerrt. Weil Julien keinen Unterschied zwischen Nationalsozialist und Widerstandskämpfer macht, bedroht der Anführer der Milizionäre (Jean-Paul Cisife) Juliens Familie. Sein Freund François (Jean Bouise) bringt Clara und Florence (Catherine Delaporte), Juliens Tochter aus erster Ehe, kurzerhand aufs Land. Dort besitzt der Chirurg ein kleines Schloss, in dem er seine Lieben in Sicherheit wähnt. Doch als er fünf Tage später nach dem Rechten sieht, hat eine SS-Divison die Einwohner des Dorfes niedergemetzelt. Auf dem Schloss warten die Soldaten auf weitere Befehle. Mit dem alten Jagdgewehr seines Vaters sinnt Julien auf Rache.

Robert Enrico (Die Abenteurer) nutzt die letzten Atemzüge der Nazis in Frankreich als historische Folie, vor der er seine seltsame Mixtur aus Liebes-, Kriegs- und Rape & Revenge-Film auf die Leinwand träufelt. Bei aller Eindimensionalität der Nazis, die die westdeutsche Presse zu Recht kritisiert hat, ist Das alte Gewehr mehr als eine reine Rachefantasie, deren Protagonist die Bösewichte einen nach dem anderen mit der Präzision eines Chirurgen ausschaltet. Enricos versierter Umgang mit der Zeit verleiht dem Drama einen geradezu lyrischen Charakter. Während die Exposition wenige Tage umfasst, spielt sich das eigentliche Geschehen auf Juliens Schloss in nur 24 Stunden ab. Dennoch reicht die Handlung tief in die Vergangenheit zurück, fallen Erzählzeit und erzählte Zeit weit auseinander. In all das Morden stehlen sich immer wieder Erinnerungen an Clara und Florence, die vor Juliens Auge aus dem Dunkel der Gewölbe tauchen. Ein filmischer Erinnerungsstrom, der Juliens und Claras Geschichte nach und nach mit Leben füllt, bevor der stumme Rächer ein weiteres Leben aushaucht.

30 Jahre nach Kriegsende war das anscheinend immer noch zu viel für das (west-)deutsche Publikum. Zwei kurze Szenen von der Ermordung Florence‘ und der eines Soldaten waren in der Bundesrepublik nicht zu sehen. Das Besäufnis der Nazis in Juliens Schloss erhielt eine inhaltlich vom Original abweichende Synchronisation und eine zusätzliche Passage, die den SS-Offizier (Joachim Hansen) in ein besseres Licht rückt. In der westdeutschen Synchronfassung ist diese leider nicht zu sehen, dafür aber in den Extras enthalten. Eine kleine Diashow und der Soundtrack mit sieben Stücken von François de Roubaix‘ preisgekrönter Musik runden die Disk ab, die ein passables Bild liefert. Dass der restaurierte Ton in der ostdeutschen Synchronisation an manchen Stellen etwas rauscht, ist verzeihlich angesichts der Tatsache, dass einer der unbekannteren Filme Romy Schneiders nun auch in dieser Version vorliegt.

Das alte Gewehr - Abschied in der Nacht (Blu-ray)

Zwei Länder, zwei Reaktionen. Während die Grande Nation die französisch-deutsche Produktion „Le Vieux Fusil“ als besten Film des Jahres feierte, ging die Presse jenseits des Rheins hart mit Robert Enricos Kriegsdrama ins Gericht, das in der Bonner Republik als „Abschied in der Nacht“ nur zensiert in die Kinos kam. Etwas weiter östlich sah das freilich schon wieder ganz anders aus. In der DDR war der Film mit Philippe Noiret und Romy Schneider als „Das alte Gewehr“ ungekürzt zu sehen. Studio Hamburg Enterprises vereint nun erstmals die französische, die westdeutsche und die restaurierte ostdeutsche Fassung auf einer Disk.
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