Keeper

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Eine Filmkritik von Bianka Piringer

... denn sie wissen nicht, was sie tun

Maxime (Kacey Mottet Klein) ist gar nicht begeistert, als er erfährt, dass er Vater wird. Kein Wunder, schließlich ist er 15 Jahre alt und erst seit kurzem zusammen mit seiner gleichaltrigen Freundin Mélanie (Galatea Bellugi). Aber dann gehen die beiden Verliebten abends auf den Rummelplatz und Mel sagt zu Max, wenn er mit dem Plüschtiergreifer etwas gewinne, “behalten wir das Baby“. Max gewinnt einen Elefanten und ist fortan entschlossen, die Vaterrolle anzunehmen. Mel hingegen schwankt, sie geht zu einem Abtreibungstermin, wird in letzter Sekunde wieder unsicher.
Die in Belgien spielende Coming-of-Age-Geschichte, mit der der Regisseur Guillaume Senez sein Langfilmdebüt gibt, beweist ein gutes Gespür für das jugendliche Lebensgefühl. Max und Mel sind kindlich unbeschwert und zugleich rebellische Teens, ihre Überzeugungen entstehen spontan und engen sie bald wieder ein. Vor allem aber sind sie überfordert mit dem konkreten Wie, das auf die Entscheidung für das Kind folgt. Denn beide gehen zur Schule und leben daheim bei ihren Müttern. Zwar sagt der Familienberater, den Mel aufsucht, es sei allein ihre Entscheidung, ob sie abtreiben wolle oder nicht, aber Mel fühlt sich gar nicht autonom genug dafür. Sie fällt ihren Entschluss spontan, als Auflehnung gegen ihre Mutter (Laetitia Dosch), die kategorisch eine Abtreibung fordert.

Aber der eigentliche Mittelpunkt der Geschichte ist Max. Wie soll er die Familie ernähren? Vielleicht, indem er Profifußballer wird, sagt ihm ein Freund. Max' Vater (Sam Louwyck) rechnet sowieso damit, dass der Junge als Torwart von einem Scout entdeckt wird. Und dann kommt die Einladung nach Frankreich zu einem einwöchigen Auswahltraining. Max ist mit seinen Ängsten und Hoffnungen allein, er reagiert nervös. Kacey Mottet Klein (Winterdieb, Mit Siebzehn) spielt sehr zurückhaltend und gerade dadurch glaubwürdig, wie sich Max bemüht, seine neue Rolle zu begreifen und seiner Freundin beizustehen. Und wie er dabei immer wieder an Grenzen stößt, an eigene und an systemische.

Es gibt eine Reihe harter Szenen, in denen Max und Mel nicht die Rücksicht und den Rückhalt erfahren, die sie sich vorgestellt hatten. Diesem Erleben steht ihr Gefühl gegenüber, stark zu sein, weil sie etwas zu melden haben und sich aneinander festhalten. So durchströmt die Geschichte ein schöner Unterton von naiver Rebellion, der zugleich Zuversicht auf dem Kurs durch unbekannte Fahrwasser vermittelt. Vieles wird nicht groß erklärt, so dass die Zuschauer spüren können, wie sehr die Hauptfiguren selbst um Orientierung ringen.

Senez lag nach eigenen Worten daran, "diese Aufrichtigkeit des Lebens zu finden, die so schwer fassbar ist". Statt auf ein ausgefeiltes Drehbuch setzte er auf die gemeinsame Suche nach Authentizität mit den Darstellern. Die Schnitte blättern einzelne Alltagsszenen auf, die vor allem unspektakulär wirken. Das Leben von Max und Mel hat wenig Glamour zu bieten. Der Stil ordnet sich dem Inhalt völlig unter, so dass der Film auch wie für das Fernsehen gemacht wirkt, mit dieser pragmatischen Beiläufigkeit, dem Verzicht auf die große dramatische Fiktion. Solch einen Realismus, der neutral und nüchtern, aber nicht minimalistisch-manieriert sein will, gab es auch in Der Landarzt von Chaussy aus dem Jahr 2016 zu entdecken.

Aber das inszenatorische Understatement hat auch Suspensecharakter. Die dramaturgische Rechnung geht in einem aufwühlenden Finale voll auf. Hier erst zeigt sich der ganze Sinn der so lange nach allen Richtungen offen wirkenden Beobachtungen, des Treibenlassens, das dem Gefühl der Jugendlichen entspricht. Max kann wie als Torhüter im Spiel das Geschehen nicht steuern, und doch erweist sich jetzt, wie aktiv und beanspruchend seine Rolle in zweiter Reihe ist. Weil sich der Film eigenen Wertungen entzieht, lädt er erst recht zu kontroversen Diskussionen ein. Auch das macht ihn empfehlenswert, nicht nur für ein junges Publikum.

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Maxime (Kacey Mottet Klein) ist gar nicht begeistert, als er erfährt, dass er Vater wird. Kein Wunder, schließlich ist er 15 Jahre alt und erst seit kurzem zusammen mit seiner gleichaltrigen Freundin Mélanie (Galatea Bellugi). Aber dann gehen die beiden Verliebten abends auf den Rummelplatz und Mel sagt zu Max, wenn er mit dem Plüschtiergreifer etwas gewinne, “behalten wir das Baby“.
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Titel
Keeper
... denn sie wissen nicht, was sie tun
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Filmlänge
95 Min
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