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Tom Hanks als todessehnsüchtiger Griesgram mit weichem Kern: Marc Forsters Adaption des schon einmal verfilmten Bestsellers „Ein Mann namens Ove“ punktet mit einem überzeugenden Hauptdarsteller, ist dramaturgisch aber zu formelhaft, um lange nachzuhallen.

Ein Mann namens Otto (2022)

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Von Idioten umgeben

Ein Debütwerk, das sich zu einem internationalen Bestseller entwickelt – dieses Kunststück brachte der Schwede Fredrik Backman mit seinem tragikomischen Roman Ein Mann namens Ove aus dem Jahr 2012 zustande. Nicht nur wurde das Buch in zahlreiche Sprachen übersetzt, 2015 erreichte die Kinos auch eine von Hannes Holm inszenierte Verfilmung mit Rolf Lassgård in der Rolle des griesgrämigen, seine Nachbarschaft auf Trab haltenden Protagonisten. Ein gefundenes Fressen war dieser Kassenschlager nicht zuletzt für Hollywood, das literarische Werke mit tollen Absatzzahlen gerne adaptiert. Für die US-Version wurde aus Ove Otto, den Tom Hanks mit der ihm eigenen bodenständigen Ausstrahlung verkörpert. Ein guter Hauptdarsteller ist aber nicht alles, wie der von Marc Forster („Christopher Robin“) arrangierte Film beweist.

Idioten, wohin man schaut! Nach dem Tod seiner geliebten Ehefrau Sonya blickt der Rentner Otto voller Abneigung auf seine Umwelt. Niemand kann es ihm recht machen. Ständig spielt er sich als Sheriff der Privatstraße auf, in der er wohnt. Und nichts bereitet ihm mehr Freude. Mit seinem Leben hat der Vollblutgrantler abgeschlossen. Doch als er seinem trostlosen Dasein ein Ende setzen will, wird er von den neuen Nachbarn Marisol (Mariana Treviño) und Tommy (Manuel Garcia-Rulfo) gestört und sieht sich genötigt, ihnen beim Einparken ihres Anhängers zu helfen. Obwohl Otto keine netten Worte verliert, versucht Marisol fortan, den Miesepeter aus seinem Schneckenhaus zu holen, und verhindert auch einen zweiten Selbstmordversuch mit einem dringenden Anliegen.

Ein Pedant und Muffel vom Dienst muss seinen weichen Kern wiederentdecken, lernen, nach vorne zu schauen – spätestens ab der ersten Begegnung mit dem frischzugezogenen Ehepaar ist klar, worauf Ein Mann namens Otto hinausläuft. Vor allem dank Tom Hanks ist der Weg dorthin allerdings mit einigen einnehmenden Momenten gepflastert. Wie so oft in seiner langen Karriere gelingt es dem zweifachen Oscar-Preisträger, den weltbekannten Hollywood-Star vergessen zu machen und ganz hinter seiner Rolle zu verschwinden. Die Hauptfigur, eine etwas mildere Variante von Clint Eastwoods Aggro-Rentner aus Gran Torino, ist bissig, drückt durch Mimik ständig Ablehnung aus. Zugleich können wir aber schon früh einen Hauch der Liebenswürdigkeit spüren, die Hanks fast immer umgibt. Sein Otto ist ungerecht, verbittert, lässt einige dumme Sprüche los, hat aber kein Herz aus Stein. 

Mit Mariana Treviño, die der hochschwangeren Marisol eine sympathische Quirligkeit verleiht, steht Hanks eine versierte Spielpartnerin gegenüber. Einige Szenen zwischen Otto und seiner neuen Nachbarin fallen erfrischend dynamisch aus, was der Glaubwürdigkeit der sich langsam anbahnenden Freundschaft nur zugutekommt. Ein leicht schräger Humor zieht vor allem über die scheiternden Selbstmordversuche, die der ordnungsliebende Protagonist stets fein gestriegelt unternimmt, in das Geschehen ein. Dass sich der Film damit freilich auf dünnem Eis bewegt, wissen die Macher*innen selbst. Nicht umsonst weisen sie im Abspann auf die Hilfe für suizidale Menschen hin.

Auch wenn Tom Hanks alles dafür tut, uns mit Ottos „Reise“ zu berühren – das Drehbuch und die filmische Gestaltung sind dabei wiederholt im Weg. Manche Nebencharaktere sind einen Tick zu überzeichnet. Wichtige Themen – Transphobie und skrupellose Immobiliengeschäfte – werden nicht gerade elegant in die Handlung eingebettet. Und viel zu oft verschreibt sich Ein Mann namens Otto einer starren, überraschungsarmen Dramaturgie. 

Kitschig geraten in erster Linie die zahlreichen Rückblenden, die das Kennenlernen zwischen dem jungen Otto (gespielt von Tom Hanks‘ Sohn Truman) und Sonya (Rachel Keller) sowie den gemeinsamen Lebensweg umreißen. Warme, pastellfarbene Bilder und reichlich musikalischer Zuckerguss verpassen der Liebesgeschichte einen eher trivialen Anstrich. Dass man am Ende vielleicht trotzdem die ein oder andere Träne verdrückt, liegt in erster Linie an Tom Hanks, der selbst inmitten größter Melodramatik natürliche Töne trifft. Ein Glück, dass Regisseur Forster auf seinen Hauptdarsteller zählen kann, wenn er schon selbst keine besondere Inspiration an den Tag legt.

Ein Mann namens Otto (2022)

Im US-amerikanischen Remake von Ein Mann namens Ove geht es um einen knurrigen Rentner, nach dem dem Tod seiner Frau seinem Leben ein Ende setzen will. Doch all seine Versuche scheitern an seinen neuen Nachbarn und rufen diese auf den Plan. 

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