Betonrausch (2020)

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Cünet Kayas Betonrausch tritt an, der deutsche „Wolf of Wall Street“ über die immer skrupelloseren Immobilienbranche zu werden. Es entsteht ein Porträt vom Rausch des leicht verdienten Geldes, das dabei auch ohne Verherrlichung seiner Protagonisten auskommt.

Betonrausch (2020)

Eine Filmkritik von Lars Dolkemeyer

Betörend skrupellos

Die Immobiliensituation in deutschen Großstädten macht es für immer mehr Menschen unmöglich, sich eine Wohnung leisten zu können. Während ein Großteil der Bevölkerung unter steigenden Mieten und Kaufpreisen leidet, verdient ein wesentlich kleinerer Kreis von Menschen an genau dieser Situation immer mehr Geld. Cünet Kayas „Betonrausch“ ist eine hochaktuelle, deutsche Variante von Filmen wie „The Wolf of Wall Street“ (2013) – und muss diesen Vergleich kein bisschen scheuen.

Viktor (David Kross) wächst bei seinem Vater auf, der das mühsam erarbeitete Einkommen als Maler eines Tages durch eine Steuernachzahlung an das Finanzamt verliert. Für Viktor ist klar, dass er im Leben niemals verlieren wird, schon gar nicht gegen das Finanzamt. Als junger Mann zieht er nach Berlin und schlägt sich übergangsweise auf dem Bau durch – doch schon nach der ersten Nacht hat er eine Idee: Mit gefälschten Dokumenten mietet er ein Penthouse, das er an die schwarzarbeitenden Bauarbeiter untervermietet und verdient so in kürzester Zeit genug Geld, um sich selbst eine luxuriöse Wohnung zu leisten. Als er den Kleingangster Gerry (Frederick Lau) kennenlernt, entwickeln die beiden einen Plan, um gemeinsam zu Immobilien-Millionären zu werden – egal, mit welchen Mitteln.

Die alte Erkenntnis, dass allein das Auftreten als erfolgreicher Gewinner schon reicht, um die größte Hürde auf dem Weg zum erfolgreichen Gewinner zu nehmen, wird von Betonrausch mit weniger Begeisterung aufgenommen als etwa in seinem großen Scorsese-Vorbild: Der außerordentlich charismatische David Kross bringt zwar die wichtigste Voraussetzung mit, um allen Menschen in seinem Umfeld gemeinsam mit der kriminellen Energie seines Partners das Geld aus der Tasche zu ziehen – der Film verfällt dabei aber nicht selbst in die Verehrung dieses männlichen Genies, das einfach durch seine Großartigkeit die Welt um den Finger wickelt. Stattdessen zeigt Kayas Film, wieviel Wieselei und Schwindel, wieviel Glück und Skrupellosigkeit dazugehören, Menschen ärmer zu machen, um sich selbst zu bereichern.

Die Feier zu Beginn des Films, die im Morgengrauen von der Polizei gestürmt wird und so den Auftakt dafür gibt, dass Viktor, nun in Haft, einer Journalistin ohne Reue von seinem rasanten Aufstieg in Rückblenden berichtet, enthält zwar alle Elemente des dekadenten Höhepunkts kurz vor dem Fall – Drogen, Champagner, nackte Frauen, ekstatisch-brüllende Kerle und so weiter – doch Betonrausch wahrt jederzeit Distanz zu diesem Milieu seiner Beobachtung. Er verfällt dem Charme des Betrügers nicht, sondern stellt ihn als einen fiesen und gefährlichen Menschen aus. Der Film macht es den Zuschauer*innen zwar leicht, immer wieder Sympathie aufzubauen und mit den Protagonisten in ihrem zunehmend verzweifelten Hakenschlagen der Verschleierung vor den Behörden mitzufiebern – um dann jedoch direkt unmissverständlich zu verdeutlichen, welch kleine, harte Herzen in der Brust der Betrüger schlagen müssen. Mit einer perfekt gesetzten Schlusssequenz bringt der Film diese Bewegung auf einen Punkt: So sehr möchte man der Ausstrahlung von Viktor glauben, ganz wie seine Opfer, und hofft, dass irgendwo doch ein guter Mensch in ihm steckt. Vergebens.

Ohne Überzeichnungen, die in Albernheit fallen, skizziert Betonrausch das Bild von einer Welt des viel zu schnellen Reichtums, die sich selbst und ihre Mitmenschen vollkommen vergisst. Nicht die Coolness von dauerhaften Bordellbesuchen und exzessivem Alkoholkonsum gestalten den Ton des Films, der diesen Szenen immer äußerlich bleibt, an ihrem Rand hineinschaut und sich schaudernd fasziniert abwendet. Es ist die Nüchternheit der grauen Büroräume, in denen die dauertrunkenen und schlecht, aber teuer gekleideten Emporkömmlinge sich in ihrer ganzen Armseligkeit selbst überführen, von der aus die Bilder des Films ihre Figuren betrachten.

Am Ende gibt es keine Gewinner. Nicht den Rentner, der exemplarisch das Gesicht für all die betrogenen Wohnungskäufer bietet; nicht die Bank-Managerin Nicole (Janina Uhse), die als Komplizin zu Viktors Frau wird und ebenso mitschuldig wie selbst betrogen ist; und nicht Viktor und Gerry, deren Schicksal ungewiss sein mag, die aber solange von einem System profitieren werden, das den Reichen Geld schenkt und den Armen Geld nimmt, wie dieses sich nicht grundlegend ändert. Betonrausch hat eine nüchterne und bisweilen distanzierte Perspektive auf die Welt seiner Protagonisten, ohne je die Faszination zu unterschlagen, die von tollen Häusern und schnellen Autos ausgeht. Der Film schaut auf diese Welt gemeinsam mit seinen Zuschauer*innen, frustriert und bedrückt von der alltäglichen Realität, die sich darin verdichtet.

Betonrausch (2020)

Ein moralisch flexibler Immobilienmakler, ein liebenswerter Hochstapler und eine eiskalte Strippenzieherin machen gemeinsame Sache. Daraus entsteht ein illegales Immobiliengeschäft, das in einem Strudel aus Lügen, Betrug, Geld und jeder Menge Drogen gipfelt. Doch je höher man stapelt, desto tiefer kann man auch fallen…

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Meinungen
Dave · 18.05.2020

Besser nicht anschauen! Der Film ist voller unrelevanter Szenen und Klischees. Fast alles in der Story ist total unlogisch und an Stellen, wo sich ein Plot entwickeln könnte wird nicht weiter auf die Geschichte eingegangen. Das Ende ist genauso absurd und lächerlich wie der ganze Rest dieses an den Haaren herbeigezogene Blödsinns! Ich glaube das schlimmste ist, dass die Leute welche diesen Film produziert haben wirklich glauben sie haben da was Großartiges Geschaffen.

Lisa · 23.04.2020

Wieso!? Wieso haben sich solche Schauspieler für so einen Abklatsch hergegeben? David Kross, Frederick Lau - viele gute Filme und dann das? Eine vorhersehbare billig aufgestellte Geschichte die von unlogischen Situationen nur so strotzt oder können ein paar Prostituierte 24 Tonnen Sand in einer Nacht aufbringen? Sollte es eine Komödie sein, ist es nur zu einem Zehntel gelungen. Für die restlichen Kategorien reicht es noch nicht mal.

Alex · 25.04.2020

Danke, du sprichst mir aus dem Herzen. Der Film ist voller Knallchargen, redundanter Momente und einem nervigen Score. Ein Wannabe-Scorsese für Arme.

Jack Fruit · 21.04.2020

Eine aus die schlimmstere Filmparodie. Alles gründet auf Klischees. Kein Sympathie auf „Heroes“ die sind alle Antagonisten ohne irgendwie welcher romantischen Noten. die beiden Huptkerls sind besorgte Jugendliche mit der primitivem oberflächlichigen Intelligenz. Dieses Film war mein Albtraum.

N. K. · 03.04.2020

Freu mich drauf

Yasin Boynuince · 03.04.2020

Sensationell

Kommentare

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