Tyler Rake: Extraction (2020)

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Wieder einmal muss ein weißer Mann in einer durch und durch korrupten Stadt aufräumen. Diesmal trifft es Dhaka. Kann der von den Russo-Brüdern produzierte „Tyler Rake – Extraction“ wenigstens im Hinblick auf die Action überzeugen?

Tyler Rake: Extraction (2020)

Eine Filmkritik von Christian Neffe

White Men Can’t Die

2014, zeitgleich mit ihrem Regie-Einstieg in das Marvel Cinematic Universe, waren die Gebrüder Joe und Anthony Russo („The Return of the First Avenger“, „Avengers: Endgame“) an einer Graphic Novel des renommierten Comiczeichners Ande Parks beteiligt: In „Ciudad“ lag es am knallharten Söldner Tyler Rake, die Tochter eines brasilianischen Drogenbosses aus der Gefangenschaft im paraguayischen Cuidad del Este zu befreien. Ein bildkräftiger Rausch der Gewalt, der nun eine filmische Adaption erfahren hat. Erneut sind die Russo-Brüder beteiligt, als Autoren wie auch als Produzenten, jedoch nicht auf dem Regiestuhl. Dort feiert stattdessen Sam Hargrave, zuvor Stunt-Koordinator diverser MCU-Filme, sein Debüt.

Tyler Rake – Extraction lautet der deutsche Titel, der praktischerweise bereits die Frage nach dem „Wer“ und dem „Was“ beantwortet. Fehlt also nur noch das „Wo“, das in diesem Fall Dhaka, Bangladesch ist. Dorthin wird Ovi (Rudhraksh Jaiswal), der Sohn des, wie es im Film heißt, größten Drogenhändlers Indiens verschleppt — und zwar vom größten Drogenhändler Bangladeschs. Man merkt bereits: Extraction stapelt nicht tief, sondern bedient genretypisch allerhand Superlative. Das gilt ebenso für seinen Titelhelden, gespielt von Chris Hemsworth (Thor – Tag der Entscheidung), der aus seinem Exil in Australien rekrutiert wird, um den Jungen zu retten. Tyler Rake ist eine wortkarge Kampfmaschine, selbstverständlich eine der effektivsten der Welt, furcht- und skrupellos. Einziges Manko: Das Trauma, das mit einem Kind zusammenhängt, ihn seit einiger Zeit verfolgt und das durch mehrere, diffuse Rückblenden angedeutet wird.

Scheinbar mühelos gelingt Rake die Rettung von Ovi. Dann jedoch wird ihm der Fluchtweg abgeschnitten – ausgerechnet durch seinen Auftraggeber, der nicht für die Dienste des Söldners zahlen will. Zugleich zieht der Entführer, der die Polizei und Gangs von Dhaka in der Tasche hat, die Schlinge immer enger zu, riegelt die Stadt ab und wirft Rake alles entgegen, was sein Arsenal hergibt: Jugendbanden, Spezialeinheiten, Panzerwagen, Helikopter. Und so darf sich Rake durch die Straßen und Häuser der Metropole prügeln, messern und schießen, mal bei Nacht, mal bei Tag, zwischendurch ist auch eine Verfolgungsjagd mit dem Auto dabei. Nichts also, was man nicht bereits etliche Male in anderen Vertretern dieses Genres gesehen hätte. Einzig eine 15-minütige Pseudo-Plansequenz hebt die Action ein wenig aus der absoluten Durchschnittlichkeit heraus.

Inszenatorisch sind die Nahkämpfe noch am ehesten gelungen, die von Hemsworths beeindruckender Physis profitieren — im selben Atemzug aber an der hektischen Kameraführung kranken. Wie dabei mit Messern und Pistolen hantiert wird, erinnert sehr an die John-Wick-Reihe, erreicht aber nicht auch nur eine Sekunde deren ästhetische Qualitäten. Hemsworths Holzhammer-Attitüde hat dem eleganten Todesballett von Keanu Reeves wenig entgegenzusetzen.

Inhaltlich bemüht sich Extraction zumindest um ein wenig Tiefe, scheitert dabei jedoch an seiner Formelhaftigkeit. Anstatt moralische Fragen aufzuwerfen, entpuppt sich etwa das Trauma des Protagonisten als Nebelkerze. Lediglich die Szene, in der Ovi erstmals einen Menschen tötet und unter Tränen um Fassung ringt, sorgt für so etwas wie eine emotionale Reaktion. Alles andere – die schrittweise, freundschaftliche Annäherung beider Hauptfiguren, der Verrat eines ehemaligen Kollegen Rakes oder das Finale – sind einerseits völlig berechenbar und werden andererseits von der „Weißer-Mann-kommt-nach-Bangladesch-und-räumt-mal-so-richtig-auf“-Mentalität dieses Films gnadenlos überlagert.

Tyler Rake: Extraction (2020)

In diesem Actionthriller steht der furchtlose Söldner Tyler Rake (Chris Hemsworth) vor seiner tödlichsten Mission: der Rettung des entführten Sohnes eines Mafiabosses.

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Meinungen
kami · 30.08.2020

hier sehen wir ein Film über einen Amerikanischen Terroristen der aufgrund einer Psychischen Störung auf alles schiesst was sich bewegt. Soldaten, Polizisten auch Zivilisten jeder muss sterben. Ein Amerikaner der wilde Sau im Ausland spielt, weil Menschenleben wertlos sind. Die musikalische und szeneistische untermalung stellt ihn sogar noch als Helden dar. Ein Film von Alkaida hätte wahrscheinlich nicht viel anders ausgesehen.

Ich kann den diese Art Unterhaltung nicht nachvollziehen und fürchte mich vor der Menschheit.

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