Love Wedding Repeat (2020)

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Erst gerät eine Hochzeit außer Kontrolle, dann erhalten die Gäste eine zweite Chance. In seinem Langfilmdebüt als Regisseur mischt Drehbuchautor Dean Craig altbewährte Komödienzutaten. Romcom-Einheitsbrei oder Überraschungsmix?

Love Wedding Repeat (2020)

Eine Filmkritik von Falk Straub

(Un-)Glückliche Fügung

Der Titel dieser romantischen Komödie erinnert an die Tagline eines anderen Films. Doug Limans Scifi-Actionkracher „Edge of Tomorrow“ (2014), in dem Tom Cruise und Emily Blunt als Soldat*innen immer wieder denselben Tag durchleben, verkürzt seinen Inhalt auf drei Schlagworte: „Live“, „Die“, „Repeat“. Das Prinzip der Wiederholung macht sich auch Drehbuchautor Dean Craig in seinem Langfilmdebüt als Regisseur zunutze. Der Kleinkrieg wird hier jedoch nicht mit Außerirdischen, sondern mit einer Ex-Freundin und einem ungebetenen Gast ausgefochten. Das Schlachtfeld ist eine Hochzeitsfeier.

Geladen haben die Engländerin Haylay (Eleanor Tomlinson) und der Italiener Roberto (Tiziano Caputo) auf einen wunderschönen Landsitz in der Nähe von Rom. Die Veröffentlichung dieser Netflix-Komödie mitten in der Coronakrise erzeugt die erste, unbeabsichtigte Fallhöhe. Während ganz Italien seit Wochen in den eigenen vier Wänden ausharrt, fliegt die Kamera über volle Straßen und Plätze und mischt sich schließlich unter eine Hochzeitsgesellschaft, die das Leben und die Liebe eng an eng zelebriert. Damit es zwischen Sektempfang und Torte auch was zu lachen gibt, sind schräge Gäste und unvorhergesehene Komplikationen nicht weit.

Dean Craig ist ein echter Experte für abgedrehte Feiern. Er schrieb die Drehbücher für Sterben für Anfänger (2007) und dessen Remake Sterben will gelernt sein (2010). Im Original heißen beide Death at a Funeral und erzählen von außer Kontrolle geratenen Beerdigungen. In Die Trauzeugen (OT: A Few Best Men, 2011) läuft eine Hochzeit aus dem Ruder und in dessen Fortsetzung A Few Less Men (2017) der Rücktransport eines während der Hochzeit Verstorbenen. In Deans erstem abendfüllenden Spielfilm als Regisseur geht es nun ähnlich turbulent, aber weitaus gesitteter zu. Ob’s am amerikanischen Markt liegt? Immerhin startet Love Wedding Repeat nicht nur in Deutschland, sondern zeitgleich auch in den USA beim Streamingriesen.

Im Auge des Hochzeitsorkans steht Jack (Sam Claflin), der Bruder der Braut. Von Kindesbeinen an hilft er seiner jüngeren Schwester Haylay aus der Patsche. Am schönsten Tag ihres Lebens ist Jack gleich mehrfach gefragt. Haylays Trauzeuge Bryan (Joel Fry) hat keine Rede vorbereitet. Plappermaul Rebecca (Aisling Bea) trifft selten den richtigen Ton, Langweiler Sidney (Tim Key) nie den nötigen Takt. Jacks Ex Amanda (Freida Pinto) sitzt ebenso an seinem Tisch wie Amandas eifersüchtiger Freund Chaz (Allan Mustafa), der pausenlos über seinen Penis palavert. Zu allem Überfluss und ohne Einladung taucht auch noch Marc (Jack Farthing) auf, der Haylay völlig zugedröhnt seine Liebe gestehen will. Dabei wollte Jack doch eigentlich nur Zeit mit Dina (Olivia Munn) verbringen, jener Amerikanerin, mit der sich seine Wege im Prolog des Films für einen magischen Moment lang kreuzten.

Wer die eingangs erwähnten Komödien gesehen hat, dem kommen die Zutaten vertraut vor. Abermals rührt der gebürtige Londoner Craig neurotische Figuren, amouröse Verstrickungen und drogeninduzierte Peinlichkeiten munter durcheinander. Dieses Mal kommt eine gehörige Prise Zufall hinzu. Sein Remake des französischen Films Plan de table (2012) ist ein Mix aus Wedding Crashers (2005), Table 19 (2017) und Und täglich grüßt das Murmeltier (1993). Denn nach der Hälfte der Laufzeit fängt die Feier noch einmal von vorne an.

Es geht um Chaos und Zufall, wie die unbekannte Erzählerin diese Geschichte in einer amüsanten Mischung aus Distinktion und Profanation aus dem Off einleitet. Um all die vertanen und beim Schopf gepackten Gelegenheiten, die ein Leben und die Liebe in eine völlig andere Richtung lenken können. Um unglückliche und glückliche Fügungen. Die Umsetzung liegt irgendwo dazwischen. Denn sie ist weder neu noch sonderlich einfallsreich, zwar leichtfüßig, mitunter sogar schwungvoll, letztlich aber an zu vielen Stellen viel zu harmlos. Pausenlos wird Potenzial verschenkt.

Der italienische Schauplatz etwa scheint nur des wunderschönen Landsitzes wegen und vermutlich aus Kostengründen gewählt. Bis auf den Bräutigam und einen geladenen Filmemacher, die zusammengezählt kaum mehr als fünf Sätze sagen dürfen, bleiben die italienischen Hochzeitsgäste samt und sonders Statisten. Olivia Munn ergeht es als Jacks love interest nicht viel besser. Statt auf ihr komödiantisches Talent zu setzen, setzt Craig vor allem Munns Schönheit in Szene.

Auch der Rest des großartig zusammengesetzten Ensembles bleibt sichtlich hinter seinen Möglichkeiten zurück. Freida Pintos Rolle als anstrengende Ex-Freundin ist komplett verschenkt. Ähnlich ist es um Eleanor Tomlinsons, Tim Keys und Allan Mustafas Figuren bestellt. Aisling Bea, Jack Farthing und Joel Fry lassen ihr Können wiederholt aufblitzen. Letztgenannter etwa, wenn sein Trauzeuge durch ein Beruhigungsmittel schwer benebelt quasi im Halbschlaf eine Hochzeitsrede hält. Solche komödiantischen Köstlichkeiten bietet diese Hochzeitsfeier leider viel zu wenige.

An den Schauspielern liegt es nicht, es mangelt schlicht an passenden Gelegenheiten, ihre Klasse unter Beweis zu stellen, und am Willen, all die Verstrickungen (un-)glücklicher Zufälle bedingungslos auf die Spitze zu treiben. Was bleibt, ist Sam Claflin zwischen allen Stühlen. Immerhin: Anders als der Regisseur packt Claflins Figur die Gelegenheit beim Schopf.

Love Wedding Repeat (2020)

Als sich Jack (Sam Claflin), der Bruder der Braut, mit seiner wütenden Ex-Freundin (Freida Pinto), einem nicht eingeladenen Gast mit einem Geheimnis, einer Schlaftablette am falschen Platz und seiner ehemaligen Liebe (Olivia Munn) herumschlagen muss, entfalten sich verschiedene Versionen derselben Hochzeit – alle mit einem anderen Ende.

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