Victory

Victory

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Seit Francis Ford Coppolas legendärem Film Apocalypse Now von 1979 nach der weltberühmten literarischen Vorlage Heart of Darkness / Herz der Finsternis stellt es sicherlich kein geringes, ambitioniertes Wagnis dar, eine Erzählung des großen Joseph Conrad (1857-1924) zu verfilmen. Der Filmemacher Mark Peploe – bekannt vor allem für seine Zusammenarbeiten mit Bernardo Bertolucci bei den Drehbüchern zu dessen Werken The Sheltering Sky / Himmel über der Wüste (1990) und The Last Emporer / Der letzte Kaiser (1987), für den er gemeinsam mit dem italienischen Regisseur einen Oscar in dieser Kategorie gewann – hat sich dieser Herausforderung gestellt, indem er mit Victory einen Roman von Joseph Conrad aus dem Jahre 1915 in Szene gesetzt hat, der ihn seit seiner Jugend begeistert.
Auf der Insel Samburan im Indischen Ozean lebt der einstige Abenteurer Axel Heyst (Willem Dafoe) in paradiesischer Umgebung sehr zurückgezogen, doch um die Erbschaft seines Vaters zu regeln, muss er für eine Weile zurück in die kolonialen sozialen Welten des malaiischen Festlands. Er quartiert sich derweil in einem luxuriösen Hotel ein, das von dem unsymphatischen Mr. Schomberg (Jean Yanne) und seiner Frau (Irm Hermann) geführt wird. Die illustre Gesellschaft dort munkelt so allerlei über die Geschichte des einsamen Kauzes, und besonders Schomberg hegt eine unterschwellige Feindseligkeit gegen Heyst. Zur Unterhaltung der Gäste spielt allabendlich ein Frauenorchester auf, dessen Musikerinnen allerdings mehr oder weniger verdeckt als Prostituierte fungieren, und nicht selten wird eine der jungen Damen dauerhaft an einen wohlhabenden Herren geradezu verhökert. Auch Schomberg selbst ist keineswegs abgeneigt, sich die eine oder andere der Frauen als Gespielin zu halten, und gerade ist er für die Violinistin Alma (Irène Jacob) entflammt, die zu spät bemerkt hat, in welch korruptes Engagement sie da naiv hineingestolpert ist.

In ihrer Not wendet sich Alma an Heyst, dem sie instinktiv vertraut, und bittet den überrumpelten Einsiedler, sie zu retten und mit auf seine Insel zu nehmen. Wehrt dieser auch zunächst entsetzt ab, lässt er sich doch allmählich überreden, zumal ihm die musische Grazie nicht übel gefällt. Bei ihren Fluchtplänen bekommen die beiden unerwartete Unterstützung von Mrs. Schomberg, die die Umtriebe ihres Mannes mit ganz eigenen Waffen nur allzu gern sabotiert. Tatsächlich entkommen Alma und Heyst knapp und lassen einen vor Zorn tobenden Hotelier zurück. Während sich auf Samburan aus Fremden ein inniges Liebespaar entwickelt, schmiedet Schomberg Pläne, um sich an Heyst zu rächen und Alma wieder in seinen Machtkreis zu bannen. Dabei kommt ihm die Ankunft des zwielichtigen Spielers Mr. Jones (Sam Neill), seines durchtriebenen Assistenten Ricardo (Rufus Dewell) und des brachialen Dieners Pedro (Graziano Marcelli) nach anfänglichem Widerwillen gerade recht, denn dieses abgebrannte Trio ist offensichtlich bereit, bei der Jagd nach dem großen Geld so ziemlich alle üblen Register zu ziehen ...

Victory wurde innerhalb von zwölf Wochen in Indonesien, Malaysia und in den Filmstudios Babelsberg gedreht, was dem nahezu durchgängig seicht geratenen Drama einige hübsche Landschaftsaufnahmen beschert hat. Dabei agieren die renommierten Darsteller durchaus punktuell überzeugend, doch ihr Zusammenspiel wirkt gequält und funktioniert nur selten einmal ganz ansprechend, so dass die Figurenzeichnungen weit reichend im Indischen Ozean baden gehen. Es ist dem sonst als sehr erfinderisch bekannten Mark Peploe gelungen, seine filmische Adaption des heute noch auf dem Territorium der kritischen Dekolonisation bedeutsamen Stoffes Joseph Conrads derart dröge zu gestalten, dass sämtliche Implikationen seines Werkes um Exil und Deplatziertheit in purem und mitunter peinlichem Pathos schändlich verpuffen – angefangen von der erzählerischen Rahmenhandlung bis zum tragisch verklärten Ende. Selbst potentielle Spannungmomente verwandeln sich in umständliche Banalitäten, und die Liebesgeschichte wirkt unbeabsichtigt verkrampft. Es ist dem wenig siegreichen Film durchaus anzumerken, welch ehrgeiziges Engagement des Regisseurs und Drehbuchautors dahinter lodert, doch diese persönliche Begeisterung wird hier völlig unzureichend umgesetzt, und nur selten vermag es ein kurzlebiger Funke, die Finsternis der Fadheit zu beleuchten.

Victory

Seit Francis Ford Coppolas legendärem Film Apocalypse Now von 1979 nach der weltberühmten literarischen Vorlage Heart of Darkness / Herz der Finsternis stellt es sicherlich kein geringes, ambitioniertes Wagnis dar, eine Erzählung des großen Joseph Conrad (1857-1924) zu verfilmen.
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