Tai-Pan

Tai-Pan

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Über die Besetzung der einstigen britischen Kronkolonie Hongkong

Es ist zunächst einmal eine erfreuliche Nachricht für die zahlreichen Fans des Schriftstellers James Clavell, dass die Verfilmung seines populären Romans Tai Pan von 1966 – 1986 aufwendig von Daryl Duke in China, speziell in Honkong und Macao, mit einer gewaltigen Schar von Statisten inszeniert – nun in einer ungekürzten Fassung auf DVD erscheint. Dennoch bleibt die grundsätzliche Kritik am Ausschnittcharakter des Films (am Inhalt des Buchs gemessen) bestehen, wie sie bei Literaturverfilmungen im Allgemeinen gern zum Tragen kommt, besonders bei derart umfangreichen Werken noch zudem historischer Prägung.
Tai-Pan erzählt die Geschichte des englischen, in Schulden verstrickten Kaufmanns und Abenteurers Dirk Struan (Bryan Brown), der sich nach dem so genannten Ersten Opium-Krieg in China um 1939 in Hongkong niederlässt und dort als Repräsentant der Handelsvertretung Noble House zum mächtigsten europäischen Kolonialisten avanciert. Als sein Gegenspieler tritt der skrupellose Tyler Brock (John Stanton) auf, der gemeinsam mit seinem grobschlächtigen Sohn Gorth (Bill Leadbitter) die Macht begehrt, die Struan auf seinen aus Europa eintreffenden Sohn Culum (Tim Guinee) zu übertagen plant.

Dirk Struan lebt mit seiner so eigensinnigen wie leidenschaftlichen chinesischen Geliebten May-May (Joan Chen) zusammen, und es ist nicht zuletzt diese unkonventionelle Beziehung zwischen zwei Menschen aus extrem unterschiedlichen Kulturkreisen, die hier neben dem gesellschaftlichen Kolorit und den ausführlichen Kämpfen der britischen Kolonisten einen starken Handlungsstrang markiert, dem besonders am Ende des Films eine tragische Komponente beigesellt wird.

Mit dem Fokus auf stilisierte Stimmungen, klassische Klischees und eine oppulente Ausstattung als ansehnlicher Abenteuerfilm blitzen hier und da insbesondere bei den weiblichen Figuren – zuvorderst bei der temperamentvollen May-May – ein paar ansprechende Darstellungen und Wendungen auf, die Tai-Pan als romantisch und gleichzeitig aktionsreich intendiertes Kostümfest unreflektierter postkolonialer Interpretationshoheit des US-amerikanischen Filmsektors ausweisen.

Selten bleiben die leisen, ambivalenten Töne jenseits der glättenden Musik von Maurice Jarre und der pathetischen Dialoge des Drehbuchs von John Briley und Stanley Mann, deutlich bleibt die unhinterfragte, in diesem Genre meist übliche dumpfe und selbstverständlich auftretende Marginalisierung der ursprünglichen Bevölkerung, bei insgesamt durchschnittlichem Unterhaltungswert.

Tai-Pan

Es ist zunächst einmal eine erfreuliche Nachricht für die zahlreichen Fans des Schriftstellers James Clavell, dass die Verfilmung seines populären Romans „Tai Pan“ von 1966 – 1986 aufwendig von Daryl Duke in China, speziell in Honkong und Macao, mit einer gewaltigen Schar von Statisten inszeniert – nun in einer ungekürzten Fassung auf DVD erscheint.
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