Letztendlich sind wir dem Universum egal (2017)

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Wenn man jeden Tag im Körper eines anderen Menschen erwacht – kann man dann trotzdem für das, was man ist, geliebt werden? Dieser Frage geht Michael Sucsys Literaturverfilmung nach.

Letztendlich sind wir dem Universum egal (2017)

Eine Filmkritik von Andreas Köhnemann

Junge oder Mädchen? – Ja!

Boy meets girl – das ist die Prämisse der Liebesfiktion. Zuweilen (allerdings immer noch bedauerlich selten) wird auch mal erzählt, wie sich zwei boys oder zwei girls begegnen oder es gar zur Entstehung einer polyamorösen Liebe kommt. Der 2012 veröffentlichte Roman Letztendlich sind wir dem Universum egal von David Levithan variierte diese Standardsituation des Kennenlernens auf reizvolle Weise, indem er seine Hauptfigur zu einer Seele machte, die jeden Tag einen anderen Körper bewohnt.

Schon seit der Geburt wacht „A“ jeden Morgen im Körper eines anderen, etwa gleichaltrigen Menschen auf – unabhängig von Geschlecht, Ethnie oder sexueller Orientierung, jedoch nie allzu weit vom Aufenthaltsort des Vorabends entfernt. Für jeweils 24 Stunden steckt „A“ im Körper einer Person, die sich danach kaum noch an etwas erinnern kann, was im Laufe des letzten Tages geschah. „A“ verfügt über einen eigenen Charakter, kann aber die Gedanken des „besetzten“ Menschen erfassen. Stets versucht „A“, sich möglichst unauffällig zu verhalten, um der Person nicht zu schaden.

Levithans literarisches Werk wird aus der Ich-Perspektive von „A“ geschildert – und so erleben wir mit, wie sich „A“ eines Tages in die gleichaltrige Rhiannon verliebt und fortan gegen die eigenen Regeln verstößt, um der 16-Jährigen immer wieder in einem anderen Körper zu begegnen und sie in alles einzuweihen. Der Drehbuchautor Jesse Andrews hat sich für die Kino-Adaption indes dafür entschieden, die Geschichte in erster Linie aus Rhiannons Sicht zu erzählen.

Rhiannon (Angourie Rice) lebt mit ihrer Mutter Lindsey (Maria Bello) und ihrem Vater Nick (Michael Cram) in einer US-Vorstadt; ihre rebellische Schwester Jolene (Debby Ryan) fährt sie täglich zur Schule. Dort bemüht sie sich, das Beste aus ihrer Beziehung zu dem gleichgültigen Sportler Justin (Justice Smith) zu machen – bis sich dieser eines Morgens ungewöhnlich liebenswert verhält und die beiden beim gemeinsamen Schulschwänzen einen romantischen Tag miteinander verbringen. Doch schon am nächsten Morgen ist Justin so indifferent wie eh und je; stattdessen schenkt die neue Schülerin Amy (Jeni Ross) Rhiannon überraschend viel Aufmerksamkeit – und bald darauf ist es der nerdig wirkende Nathan (Lucas Jade Zumann), zu dem Rhiannon auf einer Party eine besondere Verbindung spürt. Von Megan (Katie Douglas) erfährt sie schließlich, dass sich „A“ in all diesen Körpern befand (und den heutigen Tag als Megan verbringt) – und dass sich „A“ in sie verliebt hat.

So nimmt eine paranormale Young-Adult-Romanze ihren Lauf, die auf innere Werte setzt: Da „A“ mal ein stämmiger junger Mann, mal eine zierliche Cheerleaderin, mal weiß und mal of color sein kann, zählen einzig der Charakter und die Taten von „A“. In dieser Hinsicht hätte man dem Skript und der Inszenierung von Michael Sucsy allerdings noch deutlich mehr Offenheit und Mut gewünscht. Zwar küsst Rhiannon auch mal eine Mitschülerin – die amourösen Schlüsselszenen finden aber „zufälligerweise“ dennoch in heteronormativen Konstellationen statt. Wenn Rhiannon „A“ an einer Stelle fragt, ob er/sie sich als Junge oder Mädchen sehe, gibt „A“ ganz selbstverständlich die wunderbare Antwort „Ja!“ Gleichwohl neigt der Film spürbar dazu, „A“ als mainstreamkompatibles, männliches Gegenüber der sympathischen Heldin zu zeigen.

Was Letztendlich sind wir dem Universum egal neben der schönen, leider nicht gänzlich genutzten Grundidee zu einem gelungenen Coming-of-Age-Werk macht, ist die Hauptdarstellerin Angourie Rice. Nach Nebenrollen in The Nice Guys (2016), Die Verführten (2017) und Spider-Man: Homecoming (2017) bewältigt die 2001 in Australien geborene Jungschauspielerin hier die Aufgabe, mit mehr als einem Dutzend Co-Stars eine glaubhafte Chemie zu entwickeln. Während sich der Einstieg zwischen Rice und Justice Smith als Highschool-Paar, das plötzlich glücklich miteinander ist, noch in den üblichen Gefilden des Teen-Liebesfilms bewegt, ist der spontane Tanz zu This Is the Day zwischen Rice und Lucas Jade Zumann ein ungemein herrlicher Moment, der in Erinnerung bleibt. Absolut großartig wird die Leistung von Rice, wenn „A“ eines Morgens im Körper von Rhiannon aufwacht – und Rice somit eine Solo-Love-Story vollführt. Die Liebesfiktion – das beweist dieses Werk – braucht nicht zwingend boy und girl; sie braucht einfach nur Liebe.

Letztendlich sind wir dem Universum egal (2017)

Die 16-jährige Rhiannon ist verliebt, doch es ist ziemlich kompliziert: Denn A ist ein seltsames Wesen, das alle 24 Stunden eine neue Gestalt annimmt. Und so können die beiden Liebenden niemals sagen, was der nächste Tag bringen wird. Eine schwierige Situation, die bald ihren Tribut fordert.

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Letztendlich sind wir dem Universum egal (2017) von Michael Sucsy
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Titel
Letztendlich sind wir dem Universum egal (2017)
Junge oder Mädchen? – Ja!
Originaltitel
Every Day
Startdatum
FSK
6
Genre

Daten und Fakten

Produktionsland
Filmlänge
97 Min
DVD
Veröffentlichung
Spielzeit DVD
94 Min
Bildformat
2.39:1
Sprache(n) & Ton
Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
DVD-Vertrieb
Blu-Ray
VoD & Streaming
TV

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