The Nice Guys

The Nice Guys

Eine Filmkritik von Beatrice Behn

Wirklich nett, diese Jungs!

Ein Auto stürzt einen Abhang herunter, fährt durch ein Haus und überschlägt sich. Eine junge Frau, Misty Mountain, wird herausgeschleudert. Mit so einer Wucht, dass sie bei der Landung nackt ist. Zur Irritation des Jungen, der sie findet. Denn der kennt diese Brüste, er hat sie sich gerade im Pornoheft seines Vaters angesehen. Misty Mountain ist ein Pornostar. Oder besser gesagt: sie war ein Pornostar. Damit geht The Nice Guys explosiv genug los und liefert sofort alles, was ein Film, der im pornoversifften Los Angeles der 1970er Jahre spielt, liefern muss: heiße Autos, nackte Frauen und Action. Das ist im Gegensatz zu Mistys Fahrkünsten quasi eine Punktlandung. Und dann noch Ryan Gosling und Russell Crowe. Keine schlechte Kombination für ein Buddy Movie.
Jackson Healy (Russell Crowe) ist eine Art Auftragsschläger, Holland March (Ryan Gosling) eine alkoholkranker und völlig verpeilter Privatdetektiv. Sie könnten unähnlicher kaum sein und mögen einander anfänglich nicht sonderlich, aber wie es sich für das Genre gehört, ändert es sich bald. Sie finden zueinander, weil sie das gleiche Mädchen suchen: Amelia. Sie hat irgendwie mit dem Tod von Misty Mountain zu tun. Überhaupt haben alle Menschen, die sie kennen, die unangenehme Eigenschaft, alsbald zu sterben. Healy und March gehören auch zu diesem Kreis. Also gilt es herauszufinden, was da los ist und wo sowie warum sich das Mädchen versteckt, das, wie sich bald herausstellt, die Tochter der Justizministerin (Kim Basinger) ist. Dabei haben Healy und March mehr Glück als jeglichen Verstand. Anstatt Anhaltspunkte zu finden, fallen sie im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen. Einzig Marchs 13-jährige Tochter, die den beiden Verpeilten hilft, ist clever und holt sie mehr als nur einmal aus der Patsche.

Tatsächlich versucht The Nice Guys in seiner Figurenkonstellation und auch im restlichen Aufbau des Filmes Vorgänger wie Lethal Weapon oder Kiss Kiss Bang Bang anzuzapfen und diese Mischung aus Komödie, Action und Bromance mit coolen Sprüchen zu replizieren. Und das gelingt dem Film auch recht getreu. Das Problem ist nur: Das gab es alles schon mehr als einmal. Wer also daran anknüpfen und das Publikum nicht langweilen will, der muss mehr machen als nur zu wiederholen. Der muss diese hervorragende Grundlage benutzen, auf ihr aufbauen und Neues liefern. Oder sie klug unterwandern. Aber all das macht Shane Blacks Film nicht. Er liefert nur Altbekanntes und bleibt damit auf der ganz sicheren und etwas langweiligen Seite.

Daher bleiben alle Figuren eher flache Abgüsse, die sich nicht aus ihrer Genre-Gussform wagen und somit einen sehr kleinen Spielraum haben. Crowe und Gosling geben sich Mühe und spielen hier problemlos ihre vorgestempelten Charaktere. Alle anderen jedoch sind unterentwickelt. Vor allem Amelia ist ein merkwürdiges Geschöpf, ihre Dialoge und Handlungen ergeben fast keinen Sinn. Hier merkt man, dass sie nichts weiter ist als ein Katalysator, der die Geschichte weiter vorantreiben soll. Und so prügeln sich Gosling und Crowe durch diesen Film und werfen sich dabei halb amüsiert die Dialoge zu, die eben dazu gehören.

Unterhaltsam ist das schon. Wenn man nicht viel Anspruch mitbringt. Hier und da gibt es auch Momente komödiantischer Genialität. Doch diese verpuffen viel zu schnell. Wie schade, dass der Film das Potential der Geschichte und der SchauspielerInnen nicht genutzt hat. So bleibt er etwas Altbekanntes und neu Aufgebackenes, das sich ohne viel Schmerzen oder Investition weggucken lässt und schon beim Abspann wieder halb vergessen ist. Nice eben.

The Nice Guys

Ein Auto stürzt einen Abhang herunter, fährt durch ein Haus und überschlägt sich. Eine junge Frau, Misty Mountain, wird herausgeschleudert. Mit so einer Wucht, dass sie bei der Landung nackt ist. Zur Irritation des Jungen, der sie findet. Denn der kennt diese Brüste, er hat sie sich gerade im Pornoheft seines Vaters angesehen. Misty Mountain ist ein Pornostar. Oder besser gesagt: sie war ein Pornostar.
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