25 km/h

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8 Jahre nach ihrem erfolgreichen Roadmovie „Friendship!“ schicken Regisseur Markus Goller und Drehbuchautor Oliver Ziegenbalg wieder 2 Männer auf große Fahrt. Lars Eidinger und Bjarne Mädel spielen Brüder in der Lebensmitte, die auf ihren alten Mofas jugendliche Freiheit nachholen.

25 km/h

Eine Filmkritik von Bianka Piringer

Auf dem Mofa dem Midlife-Frust entfliehen

Es braucht keinen besonderen Anlass, um sich auf die Reise zu begeben, denn die Neugier auf die Welt und die Abenteuerlust gehören zur menschlichen Natur. Bei einem Roadmovie aber kommt es sehr wohl auf die ungewöhnlichen, originellen Umstände der Reise an, um die Aufmerksamkeit des Publikums zu fesseln. Regisseur Markus Goller und Drehbuchautor Oliver Ziegenbalg schickten 2010 in "Friendship!" zwei ostdeutsche Freunde nach dem Mauerfall auf Amerikareise. Einer von ihnen suchte dort seinen Vater. Nun setzen sie in ihrem neuen Roadmovie 2 Brüder über 40 auf die Mofas ihrer Jugend und lassen sie die Fahrt an die Ostsee nachholen, von der sie als Teenager träumten.

Es macht sofort gute Laune, den Manager Christian (Lars Eidinger) in Anzug mit Krawatte auf dem alten Mofa mit Hochlenker kauern zu sehen. Gefolgt wird er von seinem Bruder Georg (Bjarne Mädel), ebenfalls im Beerdigungsanzug und auf einem motorisierten Zweirad, das die titelgebende Geschwindigkeit nicht übersteigt. Es sei denn, die Fahrt geht, mit lautem Geschrei Christians, gerade bergab. So durchzieht diese Komödie, in der es um die Befreiung aus persönlichen Sackgassen geht, schon rein optisch eine ironisch gebrochene Easy Rider-Atmosphäre.

Überhaupt ist ein auf das Medium Spielfilm im Allgemeinen und das Buddy-Movie im Besonderen anspielender Humor ein Kennzeichen dieser fidelen Komödie, die selbst aus lauter Versatzstücken besteht. Selbstbewusst präsentiert sie sich als Konfektionsware, die den Publikumsgeschmack treffen will. Denn ist Film nicht auch ein Konsumartikel wie ein Hugo oder ein Aperol Spritz, entweder in seiner Rezeptur gerade angesagt oder eben nicht?

Trendig wirkt die ironische Perspektive, mit der die inhaltlichen Standardelemente serviert, besser gesagt, wie in Form einer Kür absolviert werden. Da gibt es beispielsweise witzige Anspielungen auf die verkappte Homoerotik vieler Buddy-Movies und filmischer Männerfreundschaften generell.

Christian kehrt zur Beerdigung seines Vaters nach 30 Jahren in seinen Heimatort im Schwäbischen zurück. Er ist Manager in Singapur und Handyanrufe verfolgen ihn auf Schritt und Tritt. Georg hat das Provinzkaff nie verlassen, er wurde Tischler, kümmerte sich um seinen Vater, bis zum Schluss. Christian, der in Singapur einsam ist, kreischt vor Freude laut auf, als er auf dem Dachboden die alte Tischtennisplatte entdeckt. Ein nächtliches Match lockert auch den sehr reservierten Georg, spontan holen die Brüder ihre Mofas hervor und fahren los, fort, weit fort.

Bei einer der vielen brüderlichen Aussprachen unterwegs wird Georg seinem Bruder vorhalten, dass der Vater im Alter immer nach ihm gefragt, er sich jedoch nie gemeldet habe. Später wird Christian dem Bruder vorhalten, er sei nur zu feige gewesen, auch wegzuziehen. Wie oft hat man nicht schon Geschwister im Film Dialoge wie diese wechseln hören?

Nach Schema F nimmt die Reise ihren Lauf, es gibt Begegnungen mit einsamen Frauen, mit esoterisch beseelten jungen Menschen, mit der Polizei, mit dem Platzhirsch eines Campingplatzes, mit der Natur. Und welchen Grund braucht ein Mann wie Christian, der immer nur an seine Karriere dachte, um dem Leben eine korrigierende Richtung zu geben? Klar, ein Kind, um das er sich 15 Jahre lang nicht gekümmert hat. Man muss dem Film allerdings zugutehalten, dass er den Reigen der Klischees zeitlich schön verteilt und sie einem nicht alle gleich zu Anfang wie mit dem Holzhammer verabreicht.

Dass diese Reise trotzdem so leicht und locker, ja beschwingt verläuft, liegt am treffenden Humor. Christian, der aufgrund seiner Auslandserfahrung die deutsche Provinz oft so unerträglich spießig findet, rebelliert laut und mit bissigen Pointen gegen Ordnung, Regelwut und Mief. Lars Eidinger ist ideal besetzt in dieser Rolle, und die Chemie mit Bjarne Mädel als dem gutmütigen, herzlichen, oft etwas bedrückten Georg stimmt. Indem die Charaktere selbstironisch angelegt sind, kaschieren sie ihre Oberflächlichkeit und die eher nur stichpunktartig abgespulte Entwicklung. Aber diese Nonchalance im Umgang mit den Figuren passt ja auch wiederum recht gut zu einer Komödie, die übermütige Leichtigkeit verströmt.

Indem die beiden Brüder wieder große Jungs sind und den Spaß in ihr festgefahrenes Leben lassen, entdecken sie neue Wege, stoßen sich gegenseitig aus dem Trott, hin zu den Hürden, vor denen sie immer zurückscheuten. Georg zum Beispiel redet sich die zögerliche Haltung gegenüber der von ihm verehrten, unglücklich verheirateten Tanja (Sandra Hüller) schön, indem er sagt, er respektiere den Stand der Ehe. Auch die Auftritte weiterer bekannter Schauspieler wie Alexandra Maria Lara, Wotan Wilke Möhring, Jella Haase mehren den Filmgenuss, zu dem die launige Musikbegleitung mit Rock- und Popsongs ebenfalls ihren Teil beiträgt. Dem Duo Goller und Ziegenbalg ist also erneut ein stimmiger Film gelungen. Trotz seines Mainstreamcharakters erweist er sich als pfiffig genug, um beschwingtes Kinovergnügen zu bieten.

25 km/h

Nach jahrelangem Schweigen zwischen den Brüdern Christian (Lars Eidinger) und Georg (Bjarne Mädel) treffen die zwei auf der Beerdigung ihres Vaters erstmals wieder aufeinander und haben so einige Startschwierigkeiten. Doch der Alkohol fließt und bald auch die Fantasie und so entschließen sich die beiden endlich auf die Mofa-Tour durch Deutschland zu gehen, die sie in ihrer Jugend geplant haben. Es folgt ein Roadtrip der ganz besonderen Art...

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Alex · 27.09.2018

Ich freue mich!

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