Kings of Hollywood (2020)

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In „Kings of Hollywood“ vereint George Gallo mit Robert De Niro, Tommy Lee Jones und Morgan Freeman drei Veteranen des US-Kinos – und wirft sie ins wüste Showbiz der Seventies.

Kings of Hollywood (2020)

Eine Filmkritik von Andreas Köhnemann

No Work for Old Men?

Sie gehörten alle drei zu den „Kings of Hollywood“. Robert De Niro wurde insbesondere durch die langjährige Zusammenarbeit mit Martin Scorsese zu einem der prägendsten Gesichter der New-Hollywood-Ära, Tommy Lee Jones avancierte spätestens mit seinem Oscar-prämierten Part in „Auf der Flucht“ zum Action-Profi – und Morgan Freemans Filmografie der 1990er Jahre liest sich wie ein Best-of der Kinodekade, von „Erbarmungslos“ über „Die Verurteilten“ bis hin zu „Sieben“.

Im zurückliegenden Jahrzehnt konnte man jedoch den Eindruck gewinnen, dass es kaum noch gute Rollen für sie gibt. De Niro zeigte sich in der Auswahl seiner Projekte erschreckend wenig wählerisch, was zu höchst unerquicklichen Werken wie Dirty Grandpa führte. Und auch Jones und Freeman schienen mit der müden Buddy-Komödie Das ist erst der Anfang aufs darstellerische Abstellgleis befördert worden zu sein.

In George Gallos Showbiz-Satire Kings of Hollywood treffen die drei nun aufeinander. Der Film ist ein Remake des relativ unbekannten B-Movies The Comeback Trail von Harry Hurwitz aus dem Jahre 1982. Man muss sagen: Der ganz große Wurf ist Gallo und seinem Star-Trio hier nicht gelungen. Wir erhalten aber einen sympathisch überspitzten Blick auf die US-Filmindustrie der 1970er Jahre, in der die drei Kinoveteranen beweisen, dass sie sich nicht allzu ernst nehmen – ohne dabei völlig in die Alberei abzudriften.

De Niro verkörpert darin den Produzenten Max Barber, der mit seiner kleinen Firma Miracle Motion Pictures gemeinsam mit seinem Neffen Walter (Zach Braff) Exploitation-Streifen wie „Killer-Nonnen“ in die Lichtspielhäuser bringt – was regelmäßig Proteste entrüsteter Bürger_innen auslöst. Leider werden die mörderischen Ordensschwestern nicht der erhoffte Kassenerfolg, und so hat Max gewaltige Schulden bei seinem Investor Reggie Fontaine (Freeman). Um dem ungeduldigen Geldgeber rasch alles zurückzahlen zu können, entwickelt Max einen gewagten Plan, zu dem er durch den bizarren Unfall des arroganten Schauspielers Frank Pierce (Patrick Muldoon) „inspiriert“ wird: Er will den abgehalfterten Ex-Westernhelden Duke Montana (Jones) engagieren und diesen alle Stunts selbst machen lassen, in der Hoffnung, dass es zu einem „Unglück“ kommt, damit Max die Versicherungssumme kassieren kann. Dabei will er natürlich ein bisschen nachhelfen…

Zu den schönsten Momenten von Kings of Hollywood zählen die Augenblicke, in denen Duke im Laufe der Dreharbeiten wider Erwarten über sich selbst hinauswächst, obwohl er schon mit dem Leben abgeschlossen hatte. Weder Pferde noch Bullen oder einstürzende Brücken können dem Leinwand-Cowboy etwas anhaben. Auch wie De Niro als Produzent in finanziellen Nöten allmählich an dieser ungeplanten Entfaltung neuer Lebensenergie und -freude verzweifelt, ist hübsch anzusehen.

Insgesamt hätte der Film gerne etwas mehr von der Anarchie der fiktiven Miracle-Motion-Pictures-Produktionen haben können. Eine Killer-Nonne hätte dem Ganzen vermutlich noch ein wenig Biss verliehen. Doch auch so verfügt Gallos Werk über Charme. Die Filmbranche erscheint als wilder Abenteuerspielplatz. Alle Beteiligten, nicht zuletzt der Indie-Experte Zach Braff, werfen sich mit Aplomb in scheußliche Klamotten und lassen sich fragwürdige Schnauzbärte ankleben. Die Vorstellung, in der Traumfabrik mitzumischen, wird auf diesem Wege zugleich dekonstruiert und nostalgisch verklärt.

Kings of Hollywood (2020)

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