Ich bin dein Mensch (2021)

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Sind Roboter die Erfüllung unsere geheimen Beziehungssehnsüchte? Maria Schrader fragt sich in ihrem Berlinale-Film, was passiert, wenn eine Frau einem Roboter begegnet… 

Ich bin dein Mensch (2021)

Eine Filmkritik von Sonja Hartl

Kann ich einen Roboter lieben?

Etwas beunruhigt schaut sich Alma (Maren Eggert) in dem Eingangsbereich des Clubs um, den sie gleich betreten wird. Sie scheint sich nicht ganz wohl zu fühlen, etwas fehl am Platze. Dann betritt sie die Welt hinter dem Vorhang – und steht in einer Bar mit Tanzfläche, die eine Mischung aus dem Berlin der 1920er Jahre und New York zu sein scheint. Sie wird schon erwartet und von einer Frau (Sandra Hüller) in Empfang genommen. Ein Mann wartet auf sie oder besser: ein Roboter, der aussieht wie ein Mann. Er heißt Tom (Dan Stevens) und wurde mit Datenmaterial sowie Almas Wünschen gefüttert. Nun soll er ihren perfekten Partner verkörpern, aber nach einem Kompliment, bei dem Almas Augen mit Bergseen verglichen werden, sowie einem Zwischenfall beim exaltierten Rumba-Tanz zeigt sich schnell sein Verbesserungspotential. Doch Alma hat zugesagt, Tom zu testen: die Wissenschaftlerin ist eine der Expert:innen, die über die Zulassung dieser Partnerschaftsroboter in Deutschland entscheiden sollen. Also holt Alma den reparierten Tom am nächsten Tag und nimmt ihn mit in ihre Wohnung.

Almas skeptisches Unbehagen ist von der ersten Einstellung in Maria Schraders Ich bin dein Mensch zu spüren: Sie lebt allein, scheint das nicht ändern zu wollen, konzentriert sich auf ihre wissenschaftliche Arbeit im Pergamon-Museum und tut mit ihrer Teilnahme an dem Expert:innenkreis vor allem ihrem Chef einen Gefallen. Tom hingegen hat nur eine Aufgabe: Er soll Alma glücklich machen. Sein Algorithmus sieht vor, dass er auf Almas Bedürfnisse eingeht – und dieser Algorithmus lernt schnell, so schnell, dass Alma vielleicht doch hin und wieder vergessen kann, dass Tom trotz seines Aussehens kein Mensch ist.

Genau das gelingt Ich bin dein Mensch sehr gut: Tom reagiert perfekt, er hat gute Manieren, er ist sehr intelligent – und doch schimmert in der eckigen, leicht kantigen Spielweise von Dan Stevens stets etwas mit, was nicht ganz menschlich erscheint. Das macht das Zusammenleben mit ihm zugleich einfach und schwierig. Alma indes ist reflektiert genug, um zu erkennen, was es bedeuten würde, wenn jedes Bedürfnis sofort befriedigt wird. Wohin würde das Begehren verschwinden, wohin die Sehnsucht, die Wünsche? Ist es nicht das Streben nach etwas, was einen Menschen vielmehr auszeichnet, als das Erreichen?

Diese Fragen verhandelt Maria Schrader in Ich bin dein Mensch mit tragikomischen Momenten. Insbesondere am Anfang wird den typisch-klischeehaften Romantiksituation sehr viel Komik abgewonnen – dazu aber wird später so manche dramatische Situation durch die kühle Logik Toms abgemildert. Klugerweise in der Gegenwart angesiedelt, ist in jeder Einstellung dieses Films sowohl Leichtigkeit als auch Ernsthaftigkeit zu erkennen – und genau das steckt bereits in der Überlegung, was passieren würde, wenn man wirklich den perfekten Partner hat. Jemanden, der jeden Wunsch erkennt und erfüllt, der jedes Bedürfnis stillt, ehe man es ausgesprochen hat. Und bei dem man weiß, dass dahinter nicht eine lange gemeinsame Geschichte, ein tiefes gegenseitiges Kennen steckt, sondern eine gute Programmierung. Ist es das, was wir uns wünschen? Am Ende des Films steht dann Almas klare Positionierung gegenüber Tom, die aber eines auch erlaubt: das Träumen.

Ich bin dein Mensch (2021)

Die Wissenschaftlerin Alma arbeitet am berühmten Pergamonmuseum in Berlin. Um an Fördermittel für ihre Studien zu kommen, erklärt sie sich zur Teilnahme an einem außergewöhnlichen Experiment bereit. Drei Wochen lang lebt sie mit einem humanoiden Roboter, Tom, zusammen, der sich dank künstlicher Intelligenz in den für sie perfekten Lebenspartner verwandeln soll. Die Maschine in (attraktiver) Menschengestalt ist dazu geschaffen, Alma glücklich zu machen. Es entfaltet sich eine Tragikomödie, die Vorstellungen von Liebe und Sehnsucht auslotet und fragt, was den Menschen ausmacht.

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Meinungen
Dirk Jungnickel · 27.12.2021

Gegen Ende des Filmwerkes meint der Humanoide er würde sich jetzt löschen lassen und springt – womöglich - in die Mülltonne unter dem Fester derjenigen, die ihn geordert hatte. Vielleicht wäre das auch die angebrachte End - Lösung für den ganzen Film gewesen. Maria Schrader und ihre Mitautorin halten sich womöglich für so emanzipiert, dass sie sich in einer technokratischen Welt ihre Partner zu Testzwecken simulativ erstellen lassen könnten. Das könnte eine Filmidee - wenn auch nicht neu - sein. Wenn sie mit Ideen, Esprit und Komik unterfüttert wäre ! Weder die Macher (Buch / Regie) noch Darstellerin der Alma können damit ansatzweise aufwarten. Schauspielerisch ein wenig überzeugen kann allenfalls Dan Stevens als Quasiroborter, in dem er gewisse steife Attitüden produziert, Sandra Hüller ist eine unansehnliche Fehlbesetzung. Maren Eggert als Hauptdarstellerin erweckt den Eindruck, sie weiß nicht unbedingt immer, warum sie dieses oder jenes gerade so spielt, was eher dem Buch und der Regie vorzuwerfen ist.
Vielleicht sollte ja der - aufgepfropfte - Ausflug in die Philosophie zum Schluß das Niveau noch anheben…..
Der Jubel einer gewissen Lobby für Derartiges ist offensichtlich inszeniert.
Das war schon bei "Toni Erdmann" der Fall, einem dümmlichen Langweiler. -
Hier wie da stellt sich die Frage, wer in den Gremien sitzt, die das ehemalige Filmland Deutschland blamieren, indem sie solche Filme der untersten Mittelklasse für den Auslandsoscar einreichen.

Uni · 23.01.2022

Wow, hatten Sie schlecht geschlafen? Oder was gibt es Ihnen, solche Verrisse zu schreiben?
Vielleicht bräuchten Sie auch mal einen Roboter, der Sie glücklich macht ;-).

Kommentare