Gunpowder Milkshake (2021)

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„Gunpowder Milkshake“ will mit Style, einfallsreichen Kampfsequenzen und feministischem Anstrich punkten, bietet aber lediglich Versatzstückhaftes aus den Action-Hits der letzten Jahre.

Gunpowder Milkshake (2021)

Eine Filmkritik von Dobrila Kontić

Krude Popcorn-Movie-Mischung

Fünfzehn Jahre lang hat Sam (Karen Gillan) ihre Mutter Scarlet (Lena Headey) nicht gesehen – das letzte Treffen fand in einem Diner statt, in dem sich die beiden einen gigantischen Milkshake teilten, bevor Scarlet inmitten eines Kugelhagels Hals über Kopf fliehen musste. Denn besagtes Diner ist kein gewöhnliches Schnellrestaurant, sondern ein eigentlich neutrales Territorium für Auftragskiller*innen und Sams Mutter eine versierte Vertreterin dieses Metiers, angestellt bei der ominösen „Firma“. Deren Personalchef Nathan (Paul Giamatti) übernimmt nach Scarlets Flucht die Erziehung und Ausbildung von Sam, die, nun 27-jährig, in die Fußstapfen ihrer Mutter getreten ist. Als Nathan ihr also den Auftrag gibt, den Mann zu ermorden, der die Firma vor kurzem bestohlen hat, fackelt Sam nicht lang. Aber kurz nach dem abgefeuerten Schuss findet sie heraus, dass dieser Mann die Beute als Lösegeld für seine entführte achtjährige Tochter Emily (Chloe Coleman) einsetzen wollte.

Dies ist die anfängliche Prämisse von Gunpowder Milkshake, einem mit stylishen Eröffnungssequenzen in knallbunten Tönen nicht sparenden Action-Thriller. Mit der bewährten Mischung aus Schuss- und Kampfszenen, sogenanntem Gun Fu, sowie einem skurrilen (Unter)Weltenaufbau will dieser Film als publikumswirksames und augenzwinkerndes Popcorn-Movie gesehen werden. Gedreht wurde der nicht explizit verortete Plot in Berlin – und das Budget von 30 Millionen US-Dollar entspricht in etwa dem von John Wick, bevor dieser Hitman-Rache-Thriller zum gigantischen Franchise ausgebaut wurde. Dass Regisseur Navot Papushado (Big Bad Wolves) sich für seinen Plot einiges bei John Wick, sowie dem Spionage-Thriller Atomic Blonde und natürlich Tarantinos Kill Bill abgeschaut hat, lässt sich Gunpowder Milkshake durchaus anmerken, wobei die Action-Choreographien längst nicht so elegant durchgetaktet wie in den genannten Filmen daherkommen. Darüber hinaus mangelt es dem Film an einer wirklich interessanten Hauptfigur.

So ist Sam als toughe, entschlossene Killerin mit kindlichem Kern konzipiert, die nachts daheim im Cartoon-Pyjama ihre Stichwunde selbst vernäht, bevor sie sich Cornflakes vorm Fernseher reinschaufelt – dies, gepaart mit dem Umstand, dass ihre harte Schale aufweicht, als es um die entführte Emily geht, soll schon reichen, um Interesse an ihrem Schicksal zu entwickeln. Wie wenig das tatsächlich funktioniert, wird deutlich, als endlich die drei Frauen in Erscheinung treten, wegen derer wohl viele überhaupt gespannt auf Gunpowder Milkshake sind: Angela Bassett (als Anna May), Michelle Yeoh (als Florence) und Carla Gugino (als Madeleine) spielen ein Bibliothekarinnen-Trio, das in seinem weitläufigen Büchertempel Auftragskiller*innen mit Waffen, falschen Pässen und Geld ausstattet. Als Veteraninnen dieses Metiers sind die drei äußerst kampferfahren und mit der vor 15 Jahren entflohenen Scarlet bekannt.

Und dies hätte der Ansatzpunkt für eine wirklich interessante Hintergrundgeschichte werden können, wären diese drei charismatischen Schauspiel-Asse konsequent eingesetzt worden. Stattdessen dienen ihre Figuren Madeleine, Anna May und Florence lediglich der Umrankung des Hauptplots, der sich bald um die Flucht von Sam und Emily dreht. Denn sowohl eine mächtige Untergrundorganisation als auch die Firma haben es nach zwei missglückten Aufträgen auf Sam abgesehen. Wie gut, dass urplötzlich auch Scarlet wieder aus der Versenkung auftaucht und die Mutter-Tochter-Beziehung quasi im Vorbeigehen gekittet werden kann.

Das Enttäuschende an Gunpowder Milkshake ist, dass man diesem Film in jeder Minute anmerken kann, was er hatte sein wollen: ein spaßiger, aber zugleich blutiger Actionthriller mit erfrischendem Plot und feministischem Statement. Und zugleich ist es sehr offensichtlich, mit wie wenig Aufrichtigkeit und Hingabe jedes einzelne dieser Ziele verfolgt wurde und wie viel Wert stattdessen auf Style, Coolness und zitierwürdige Gags gelegt wurde – vergeblich.

Gunpowder Milkshake (2021)

Vor Jahren musste Profikillerin Scarlet (Lena Headey) ihre geliebte Tochter Sam (Karen Gillan) zurücklassen und vor ihren gnadenlosen Feinden in den Untergrund abtauchen. Inzwischen ist Sam als knallharte Assassine in die Fußstapfen ihrer Mutter getreten. Als ein riskanter Auftrag außer Kontrolle gerät und ein unschuldiges Mädchen in die Auseinandersetzung hineingezogen wird, muss auch Sam untertauchen – und trifft dabei auf keine Geringere als ihre Mutter. Gemeinsam mit Scarlets ehemaligen Weggefährtinnen, die nur darauf gewartet haben, ihre tödlichen Talente wieder einmal unter Beweis zu stellen, setzen die beiden Kämpferinnen alles daran, ihre Widersacher in die Knie zu zwingen und jene zu beschützen, die sie lieben…

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