Fast & Furious 9 (2021)

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Endlich wieder Blockbuster-Feeling exklusiv im Kino: Der neue Helen-Mirren-Film „Fast & Furious 9“ ist da! Vin Diesel spielt auch mit.

Fast & Furious 9 (2021)

Eine Filmkritik von Andreas Köhnemann

Das „Fast & Furious"-ABC

Anfang: Motorengeheul, heftige Autocrashs auf der Rennbahn, markige Glückskekssprüche („Es geht darum, Größe zu zeigen…“), miese CGI-Effekte, traurige Chöre zu pathetischen Klängen… Dann ein Zeitsprung: ländliche Idylle, ein Wiedersehen, ein SOS-Signal, eine neue Mission, ein Feuergefecht, ein Minenfeld, eine Hängebrücke, reichlich Blechschäden… Möge die Action beginnen!

Bruder: Wie es sich für eine ordentliche Seifenoper (oder sagen wir: Benzinoperette) gehört, müssen nach so langer Zeit natürlich irgendwelche Familienmitglieder, die bis dato verschwiegen wurden, auftauchen, um für Wirbel zu sorgen. Und oh ja, es wirbelt mächtig: Jakob (John Cena), der abtrünnige Bruder von Dom (Vin Diesel), verfolgt einen teuflischen Plan und steht mit dem superreichen Diktatorensohn Otto (Thue Ersted Rasmussen) im Bunde. Dieser hält wiederum die Terroristin Cipher in einer Glasbox gefangen – wie schon im Vorgängerfilm gespielt von…

Charlize Theron. Und Theron hat spürbar Bock drauf. Nice!

Darsteller_innen-Preise sind hier allerdings keine zu holen. Mindestens in der Hälfte ihrer Screentime muss Theron für uns, das doofe Publikum, den abstrusen Plot zusammenfassen und die banalsten Figurenmotivationen erklären. Danke, das hätten wir vermutlich auch so kapiert.

Erinnerungen spielen in diesem neunten Teil der „Fast & Furious“-Reihe eine entscheidende Rolle. Vinnie Bennett verkörpert in den Flashback-Sequenzen den jugendlichen Dom, Finn Cole den jungen Jakob. Und es ist schon ein bisschen gemein, dass sie um Längen besser agieren als Diesel und Cena.

F9: So lautet der minimalistische Originaltitel des Films. In puncto Laufzeit wird indes nicht auf Verknappung, sondern auf Ausdehnung gesetzt. Dauerte der erste Teil The Fast and the Furious (2001) noch deutlich unter zwei Stunden, sind wir inzwischen bei knapp zweieinhalb Stunden angelangt. Es gibt Thomas-Mann-Verfilmungen, die kürzer oder nur unwesentlich länger sind… Aber da müssen auch viel weniger Autos gecrasht werden. Also selbst schuld, Thomas!

Gott des Krieges, Ares – nach ihm ist die Superwaffe benannt, die hier von allen gesucht wird. Erwähnten wir schon, dass alles wirklich sehr, sehr pathetisch ist? Vatermord, Geschwisterzwist – dieser Film greift nach den ganz großen Motiven.

Helen Mirren ist zum Glück wieder dabei. Als Queenie ist sie inzwischen dem Knast entkommen, stiehlt Juwelen und hat mega Spaß dabei. Gut für sie (und für uns)!

Intertextualität beherrscht das Drehbuch-Team nicht so richtig. Es gibt ein paar lahme Gags zu Star Wars, Harry Potter und den Minions. Doch wo bleibt der Tragödienmonolog von Diesel? Wo bleibt das aufrichtige Bekenntnis zu den Soap-Wurzeln? Wahrlich enttäuschend.

Justin Lin hat nach Fast & Furious 6 (2013) erneut auf dem Regiestuhl Platz genommen. Dies lässt sich auf inszenatorischer Ebene sehr deutlich an der individuellen Autorenhandschrift erkennen. Haha, nein, nur ein Scherz. Es ist einfach alles wie immer.

Knatsch am Set soll dafür gesorgt haben, dass Dwayne Johnson alias Hobbs diesmal nicht an Bord ist. Wir finden: Diese felsgroße Lücke lässt sich verschmerzen (siehe hierzu auch: H).

Liebe ist natürlich auch wieder ein wichtiges Thema, klar. Vor allem innerhalb der „Familie“. Zwischen Dom und Letty (Michelle Rodriguez) muss auch immer noch die epische Love Story behauptet werden, obwohl zwischen Diesel und Rodriguez nach wie vor null Chemie herrscht. Gähn. Aber immerhin ist diesmal auch…

Mia, die von Jordana Brewster verkörperte Schwester von Dom, wieder mit von der Partie. In Interviews hatten Brewster und Rodriguez darauf hingewiesen, dass sie – obwohl sie beide in einem Großteil der Filme dabei waren und ihre Figuren im Laufe der Handlung zu Schwägerinnen wurden – noch nie auch nur eine einzige Szene zu zweit hatten. Nach acht Filmen, 20 Jahren und dem Drängen der zwei Hauptdarstellerinnen gibt es nun also mal Dialoge zwischen Frauen. Nicht schlecht, Mainstream-Hollywood – der Fortschritt rast furios voran!

Nebenfiguren gibt es im „Fast & Furious“-Kosmos erstaunlich viele, von Roman (Tyrese Gibson) über Ramsey (Nathalie Emmanuel) und Tej (Ludacris) bis hin zum totgeglaubten Han (Sung Kang). Eigentlich sind komplexe Diagramme nötig, um in jedem Moment nachvollziehen zu können, wer wen woher kennt und was das alles soll. Sean (Lucas Black) ist wieder da! Aber wer ist Sean? Na, der Typ aus The Fast and the Furious: Tokyo Drift (2006), der auch in Fast & Furious 7 (2015) kurz zu sehen war. Ach so, klar! Cool.

Opfer von Kollateralschäden können in diesem Kosmos derweil nicht einmal als Nebenfiguren eingestuft werden; sie sind lediglich Statist_innen, die bitteschön irgendwie mit der Unordnung klarkommen müssen, die vom Hauptpersonal frech hinterlassen wird. Falls sie denn überleben. Vielleicht kommt es in weiteren acht Filmen und 20 Jahren ja auch in diesem Punkt mal zu einem Umdenken. Das wäre doch fein.

Paul Walker (1973-2013) alias Brian wird immer noch sehr vermisst. Das ist ganz und gar unironisch gemeint. Er gehörte zum Besten und Sympathischsten dieser Reihe – und das ist durch seine Abwesenheit umso mehr zu spüren.

Q aus den „James Bond“-Filmen wäre eigentlich eine hübsche Ergänzung für das „Fast & Furious“-Team, um die Autos der Truppe mit cleveren Gadgets auszustatten. Beste Crossover-Idee ever?

Religion ist in diesem Erzählkosmos überraschend präsent. „Gott ist in deinem Herzen“, erfahren wir relativ zu Beginn. Dom, Letty und Jakob tragen Halsketten mit riesigen Kreuzen. Und am Ende macht sich Doms Sohn bereit, das Tischgebet beim spießigen Familiengrillen zu sprechen. Irgendwie sind Outlaws auch nicht mehr, was sie einmal waren.

Songs von Lil Tecca oder Jarina de Marco bringen hin und wieder Schwung in die Sache. Der Score von Brian Tyler ist derweil ein Paradebeispiel für einen absolut generischen Klangteppich. Äußerst praktisch zur Wiederverwertung (siehe hierzu auch: Z).

Tiflis ist nur einer von vielen Schauplätzen in Fast & Furious 9. London, Tokio, Köln, Edinburgh – alles sieht in diesem Film seltsam gleich aus. Das scheint jedoch niemanden zu kümmern.

Understatement zählt nicht gerade zu den Stärken der Reihe. Und weil jeder Teil den vorherigen noch überbieten muss, geht es diesmal mit einem raketenbetriebenen Auto ins Weltall. Wieso auch nicht?

Vielfalt im Casting ist hingegen etwas, das in den „Fast & Furious“-Filmen durchaus vorhanden ist – und zwar nicht erst seit Kurzem und obendrein mit angenehmer Selbstverständlichkeit. Darum sollte dieser Punkt hier nicht unerwähnt bleiben – wir wollen ja nicht nur meckern und uns lustig machen.

Werbung für PKW-Firmen, die in den Filmen „versteckt“ wird, nervt uns allerdings sehr. Die Namen dieser Firmen werden an dieser Stelle nicht genannt – aber sorry, Leute, wir sind wirklich nicht beeindruckt. Auch dann nicht, wenn Diesel oder Rodriguez in euren Wagen sitzen. (Aber, verdammt, vielleicht ein kleines bisschen, wenn Mirren am Steuer sitzt und mit ihren fesch gemusterten Stiefeln aufs Gaspedal tritt.)

X-mal haben wir uns gefragt: „Wird nun auch *dieses* physikalische Gesetz noch außer Kraft gesetzt?“ Die Antwort lautete stets…

Yes!

Zehnter Teil der Reihe: ist selbstverständlich bereits in Planung. Was darin wohl passiert? Nun, vermutlich: siehe A

Fast & Furious 9 (2021)

Zu Beginn seines neuen Abenteuers ist Dom Toretto (Vin Diesel) abgetaucht und genießt mit Letty und seinem Sohn Brian das ruhige Leben auf dem Land. Doch Dom und Letty wissen sehr genau: Ihr friedliches Idyll ist ständig in Gefahr. Diesmal ist Dom durch eine neue Bedrohung gezwungen, sich seiner Vergangenheit zu stellen, wenn er die Menschen, die er am meisten liebt, beschützen will. Und so bringt er noch einmal seine Crew zusammen, um eine weltweite, extrem gefährliche Verschwörung zu stoppen, deren Anführer der skrupelloseste Auftragskiller ist, dem sie bisher begegnet sind. Und das ist noch nicht alles: Es handelt sich dabei um Doms verloren geglaubten Bruder Jakob (John Cena).

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Meinungen
J sprunger · 28.07.2021

Toller FilmAction pur

Werner Schaffert · 21.08.2020

When came the film in the cinema

Kommentare