Mayerling

Mayerling

Eine Filmkritik von Gregor Ries

Liebe bis in den Tod hinein

Der tragische Tod des österreichischen Kronprinzen Rudolf und seiner jüngeren Geliebten Marie Vetsera 1889 auf dem Jagdschloss Mayerling wurde schon in zahlreichen Verfilmungen thematisiert. Schließlich bietet der Stoff sowohl Raum für ein romantisches Romeo & Julia-Drama als auch für einen Verschwörungsthriller, da der Wiener Hof die Hintergründe verschleiern ließ und die wahren Umstände der Tat ungeklärt blieben. Bei der opulenten Version von 1968 unter der Regie von James Bond-Regisseur Terence Young (Liebesgrüße aus Moskau) handelt es sich um die bekannteste, aber nicht beste Umsetzung des historischen Falls. Da das Werk in vielen Szenen der Dramaturgie der 1936er-Fassung von Anatole Litvak mit Charles Boyer und Danielle Darrieux folgt, kann man schon fast von einem Remake sprechen. 1888 gerät Thronfolger Rudolf (Omar Sharif) ständig mit seinem Vater Franz-Josef (James Mason) aneinander. Keineswegs schätzt der Regent das Engagement seines Filius für protestierende Studenten und Sozialreformen. Rudolf lässt Sympathien für die Aufständischen erkennen, die für Ungarns Unabhängigkeit von Österreich eintreten. Daher wird er unter Einwilligung des Kaisers dauerhaft von Premierminister Graf Taafe (Charles Millot) und seinen Leuten überwacht. Unglücklich über die arrangierte Ehe mit Prinzessin Stephanie (Andréa Parisy), stürzt sich der Kronprinz zudem in stete Affären und verfällt dem Alkohol und Morphium.
Aus seiner Lethargie reißt ihn die Begegnung mit Baroness Maria Vetsera (Catherine Deneuve), der er sich zunächst nicht zu erkennen gibt. Bei einer Ballettaufführung entdeckt Rudolf Maria erneut im Publikum. Als seine Cousine Gräfin Larisch (Geneviève Page) ihre gegenseitige Anziehung bemerkt, arrangiert die geübte Kupplerin ein heimliches Treffen der beiden. Doch ihre aufkeimende Beziehung sorgt für einen Skandal, zumal Rudolf wenig Anstalten macht, die Affäre zu verschleiern. Seine Beförderung zum Generalinspektor kann den Konflikt mit dem Vater nur für kurze Zeit zurückdrängen, denn bald fühlt sich Rudolf verraten und zur Marionette der Hofgeschäfte degradiert.

Jenseits der schwülstigen Romanze handelt es sich bei dem angeschnittenen Generationenkonflikt um den weitaus interessanteren Part des epischen Dramas. In den Dialogen und Diskussionen schwingen 68er-Themen wie die Abnabelung von Elternhaus, Traditionen und Autoritäten mit. Zunehmend drängt der desillusionierte Rudolf auf seine Wünsche nach Unabhängigkeit und Selbstständigkeit, was ihm sein Vater nachdrücklich verwehrt. Der Status der Monarchie soll niemals in Frage gestellt werden. Besser versteht sich der Konzprinz mit seiner Mutter Elisabeth, die als vielgereiste Regentin jedoch nur selten zur Stelle ist.

Dass Kaiserin Elisabeth von Ava Gardner verkörpert wird, die lediglich neun Jahre älter ist als Omar Sharif und eigentlich eine seiner Geliebten hätte verkörpern können, gehört zu manchen Unstimmigkeiten der englisch-französischen Großproduktion. Gegen Gardner bleibt die attraktive Catherine Deneuve blass, was allerdings zugleich an ihrer konturlosen Rolle liegt. Zwar erhalten einige der Nebenfiguren mehr Gewicht. Doch sie verschwinden oft hinter dem Prunk aus Militärparaden, Hofbällen und Ballettaufführungen, wobei das Stück Giselle als Verweis auf den späteren Tod der Protagonisten dient.

Trotz Intrigen und Verwicklungen wirkt Terence Youngs aufwändiges, elegant ausgestattetes Liebesdrama schwerfällig und zerdehnt. Dem kann Henri Alekans solide Kameraarbeit wenig hinzufügen; nur selten findet hier die für Alekan typische Arbeit mit Spiegeln und Lichtmagie statt. Im Vergleich erweist sich Litvaks Melodram, dem er 1957 eine TV-Version nachschob, kompakter und stringenter inszeniert. Beide Regisseure konzentrieren sich auf die Version eines von außen forcierten (Doppel-)Selbstmords. Auf die Verschwörungstheorie, der sich etwa die französische Verfilmung Das Geheimnis von Mayerling von 1946 anschloss, geht Young nicht ein. Dass seine Stärke eher im Spannungskino liegt, bewies er zuvor mit dem Thriller Warte, bis es dunkel ist mit Audrey Hepburn.

Leider enthält die DVD von Winklerfilm außer deutschen Untertiteln keine Extras – obwohl ein Promofilm über die Dreharbeiten existiert, den man sich ebenso wie den Kinotrailer zur Ergänzung gewünscht hätte. Da man bei der versierten Synchronisation Wert auf einen authentischen Dialekt legte, macht die deutsche Fassung von Mayerling übrigens fast mehr Sinn als der Originalton.

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Der tragische Tod des österreichischen Kronprinzen Rudolf und seiner jüngeren Geliebten Marie Vetsera 1889 auf dem Jagdschloss Mayerling wurde schon in zahlreichen Verfilmungen thematisiert. Schließlich bietet der Stoff sowohl Raum für ein romantisches „Romeo & Julia“-Drama als auch für einen Verschwörungsthriller, da der Wiener Hof die Hintergründe verschleiern ließ und die wahren Umstände der Tat ungeklärt blieben.
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